Elon Musk blockiert weiterhin die Nutzung seines Starlink-Satellitennetzes für ukrainische Drohnenangriffe auf russischem Territorium. Bei nicht-öffentlichen Gesprächen im Weißen Haus bat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj am 28. Juli 2026 US-Präsident Donald Trump vergeblich, Musk zur Freigabe zu bewegen, wie das US-Magazin The Atlantic berichtet.
Trump sagte dem Vernehmen nach lediglich zu, die Bitte zu prüfen. Eine Zusage blieb aus. Drei anonyme US-Regierungsbeamte bestätigten die Bitte gegenüber The Atlantic; über die Details berichtete auch die Ukrainska Pravda.
Selenskyj wollte mit Trump einen „großen Gefallen“ von Musk erwirken: die Aufhebung der geografischen Sperre für russisches Gebiet. Bislang erlaubt Musk der Ukraine die Nutzung von Starlink nur auf eigenem Territorium – einschließlich der Krim und besetzter Gebiete –, nicht aber innerhalb Russlands. Der ukrainische Präsident bat zudem um ein direktes Treffen mit Musk, das der SpaceX-Chef ablehnte. Noch im Juli hatte Selenskyj nach einem Telefonat mit Trump von einer realen Aussicht auf ein Kriegsende gesprochen.
Worum es militärisch geht
Selenskyj erläuterte Trump, Kiew müsse kleine, mobile Ziele auf russischem Boden treffen können: ballistische Raketen-Abschussrampen, die oft auf Lastwagen montiert und über Russland verteilt sind. Mit diesen Rampen beschießt Moskau ukrainische Städte mit ballistischen Raketen. Ohne Starlink-Verbindung sind ukrainische Langstreckendrohnen auf weniger präzise KI-Navigation angewiesen.
Der ukrainische Drohnenunternehmer Denys Shtilerman, Mitgründer des Rüstungsunternehmens Fire Point, brachte die Strategie gegenüber The Atlantic auf den Punkt: „Statt die Pfeile abzuschießen, würden wir die Bogenschützen treffen.“ Gemeint ist: Statt russische Raketen mit Patriot-Abfangraketen abzufangen, sollen die mobilen Abschussrampen zerstört werden. Die Ukraine hat entlang der Front bereits eine rund 50 Kilometer breite „Todeszone“ errichtet, in der russische Truppen kaum vorankommen – ermöglicht durch Starlink-gesteuerte Drohnen, wie t-online unter Berufung auf den österreichischen Oberst Markus Reisner berichtet.
Musks Haltung und der Präzedenzfall 2023
Musk hat seine Ablehnung bislang nicht direkt öffentlich begründet. Der geschasste ukrainische Ex-Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow, der in Kiew als Starlink-Vermittler gilt, versucht über informelle Kanäle auf Musk einzuwirken. Zwei enge Vertraute Fedorows erklärten gegenüber The Atlantic: „At the moment, there is no positive decision“ – bislang gebe es keine positive Entscheidung. Musk argumentiere weiter mit dem Risiko einer russischen Eskalation und halte den Ukrainern entgegen, es sei „Zeit für einen Deal“ zur Beendigung des Krieges.
Bereits 2023 zog Musk eine ähnliche Linie: Damals verweigerte er die Aktivierung von Starlink rund um Sewastopol auf der Krim für einen Angriff auf die russische Schwarzmeerflotte. Er bestätigte im September 2023, er habe die Anfrage Kiews abgelehnt, weil SpaceX sonst „explizit mitschuldig“ an einem „großen Kriegsakt“ geworden wäre. Schon im Februar 2023 hatte SpaceX-Präsidentin Gwynne Shotwell erklärt, Starlink sei nie als Waffe vorgesehen.
„Starlink war nicht dafür gedacht, in Kriege verwickelt zu werden. Es wurde entwickelt, damit die Menschen Netflix schauen und entspannen können, für die Schule online gehen und gute, friedliche Dinge tun können – nicht für Drohnenangriffe.“
Die Rolle Trumps und der US-Politik
Der Vorstoß ist auch eine Reaktion auf den akuten Mangel an Patriot-Abfangraketen. Durch den US-Krieg gegen den Iran sind die US-Bestände stark dezimiert. Die Ukraine hat Washington um 300 Patriot-Abfangraketen gebeten; Trump bot stattdessen eine Lizenz zur Eigenproduktion an – ein Prozess, der Jahre dauern würde. US-NATO-Botschafter Matthew Whitaker schloss am 3. August 2026 eine solche Lizenz jedoch aus und relativierte damit frühere Zusagen Trumps vom NATO-Gipfel im Juli.
Trump selbst hatte bereits Ende Juli bei einer Kabinettssitzung in Camp David erklärt, die Weitergabe sensibler Militärtechnologie sei schwierig, weil Empfängerländer „sich eines Tages gegen einen wenden“ könnten. Selenskyj erklärte nach dem Treffen am 28. Juli vor Journalisten in Washington: „The real problem is anti-ballistic systems and anti-ballistic missiles“ – das eigentliche Problem seien Flugabwehrsysteme und Abfangraketen.
Der Starlink-Streit in der Chronologie
- 8. Februar 2023SpaceX schränkt Drohnennutzung ein
Präsidentin Gwynne Shotwell erklärt, Starlink sei nie als Waffe gedacht; die Nutzung zur Drohnensteuerung wird eingeschränkt.
- September 2023Musk lehnt Sewastopol-Aktivierung ab
Musk verweigert die Starlink-Aktivierung rund um Sewastopol auf der Krim für einen Angriff auf die Schwarzmeerflotte.
- 28. Juli 2026Selenskyj bittet Trump um Hilfe
Im Weißen Haus bittet Selenskyj Trump, Musk zur Freigabe für Drohnenangriffe in Russland zu bewegen. Trump sagt nur Prüfung zu.
- 30. Juli 2026The Atlantic macht Vorgang öffentlich
Das US-Magazin berichtet über die Bitte und Musks Ablehnung eines Treffens mit Selenskyj.
- 6. August 2026Gespräche laufen weiter
Ex-Verteidigungsminister Fedorow bestätigt, dass die Verhandlungen mit Musk über die Starlink-Nutzung noch andauern.
Was das für die Ukraine bedeutet
Für Kiew ist die verweigerte Satellitenfreigabe ein harter Schlag. Ohne Starlink sind ukrainische Drohnen bei der Jagd auf die mobilen russischen Raketen-Abschussrampen jenseits der Grenze praktisch blind. Die Ukraine hat als Alternative das militärische Starshield-Netz von SpaceX ins Spiel gebracht, doch ukrainische Beamte räumen ein, Starshield sei teurer und schwerer in bestehende Drohnensysteme zu integrieren.
Sollte Musk bei seinem Nein bleiben, hat die Ukraine kurzfristig kaum Alternativen. Die Lage wird zusätzlich durch den Mangel an Patriot-Raketen verschärft: Russland feuerte allein im Juli 2026 126 ballistische Raketen auf die Ukraine ab – ein neuer Monatsrekord. Beim Angriff auf die Region Kiew am 5. August 2026 konnte die ukrainische Luftabwehr keinen einzigen von 24 ballistischen Flugkörpern abfangen; 17 Menschen starben.
