Selenskyj warnt vor heimlicher Mobilmachung Putins nach Duma-Wahl
Bild: KI-generiert
Ukraine-Krieg

Selenskyj warnt vor heimlicher Mobilmachung Putins nach Duma-Wahl

Wolodymyr Selenskyj warnt vor einer schleichenden russischen Mobilmachung unmittelbar nach der Duma-Wahl im September. Moskau dementiert und spricht von Desinformation – doch Kiew beruft sich auf interne russische Dokumente.

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Russland bereitet nach Erkenntnissen Kiews eine heimliche Mobilmachung vor. Nach der Duma-Wahl im September sollen zusätzlich Hunderttausende Menschen eingezogen werden – ohne offizielle Ankündigung. Präsident Wolodymyr Selenskyj warnte am 11. August in einer Videoansprache vor diesem Szenario.

Der ukrainische Militärgeheimdienst HUR habe Putin einen konkreten Plan zugeschrieben: zusätzlich zur laufenden Rekrutierung von Vertragssoldaten eine schnelle Mobilisierung von mehreren Hunderttausend Russen bis Ende des Jahres sowie eine ähnlich große Zahl im kommenden Jahr. „Alles ist durch interne russische Dokumente bestätigt“, sagte Selenskyj. Die Dokumente wurden jedoch nicht veröffentlicht und sind unabhängig nicht überprüfbar.

Kiew beziffert die russischen Verluste auf mehr als 1,46 Millionen getötete oder schwer verwundete Soldaten; monatlich verliere Russland mindestens 30.000 Kämpfer, 60 Prozent davon getötet. Wie die Kyiv Post berichtet, schrumpfe die russische Truppe in der Ukraine allmählich.

Duma-Wahl als Vorwand

Selenskyj wirft Putin vor, die Parlamentswahl vom 18. bis 20. September als Vorwand für die neue Mobilmachung zu nutzen. Der ukrainische Geheimdienst habe Beweise, dass Russland seine „Pseudo-Wahl“ ausnutze, um den Anschein zu erwecken, die Russen unterstützten den Krieg. Jede zugelassene Partei sei auf die eine oder andere Weise gegen Frieden.

Nach den sogenannten Wahlen plant er [Putin] eine zusätzliche schnelle Mobilmachung von mehreren Hunderttausend Russen bis zum Jahresende – plus ebenso viele im nächsten Jahr.
Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine

Kreml dementiert

Moskau weist die Vorwürfe zurück. Dmitri Medwedew, stellvertretender Vorsitzender des Sicherheitsrats, hatte bereits im Juli erklärt, Russland benötige keine neue Mobilmachung: Im ersten Halbjahr 2026 hätten 200.000 Freiwillige Verträge unterzeichnet. Die Berichte nannte er „Lügen, Provokationen und Gerüchte“.

Lügen, Provokationen und Gerüchte
Dmitri Medwedew, stellvertretender Vorsitzender des Sicherheitsrats

Was Experten sagen

Fachleute halten das Szenario diesmal für wahrscheinlicher. Christian Mölling von der Denkfabrik European Policy Centre nannte eine Mobilmachung im stern-Podcast „plausibler“ als in früheren Jahren. Leonid Wolkow, frühere rechte Hand des ermordeten Oppositionsführers Alexej Nawalny, skizzierte ein mögliches Kreml-Narrativ nach der Wahl: Die Gesellschaft habe Einheit demonstriert, jetzt müsse man nachlegen.

Der Militärexperte Janis Kluge von der Stiftung Wissenschaft und Politik beziffert die derzeit in der Ukraine kämpfenden russischen Soldaten auf rund 723.000, davon etwa 168.000 mobilisierte Reservisten. Er ist auf X dennoch „skeptisch“: Die Rekrutierung funktioniere „immer noch irgendwie“, ihre Nebenwirkungen seien bisher politisch weniger problematisch als eine weitere Mobilmachungsrunde.

Russland setzt zunehmend auf ausländische Kämpfer – darunter nordkoreanische Truppen, vor denen Selenskyj bereits gewarnt hat. Auch Gefangene und Freiwillige aus Kolumbien, Peru und Bolivien werden rekrutiert. Die einzige offizielle Mobilmachung 2022 zwang rund 300.000 Menschen in den Krieg und löste Massenflucht aus.

Die Vorgeschichte

  1. September 2022
    Einzige offizielle Mobilmachung

    Rund 300.000 Menschen werden zwangsrekrutiert, landesweite Proteste und Massenflucht folgen.

  2. Juli 2026
    Kreml dementiert

    Medwedew erklärt, keine neue Mobilmachung sei nötig; 200.000 Freiwillige hätten im ersten Halbjahr Verträge unterzeichnet.

  3. 10. August 2026
    Jabloko ausgeschlossen

    Russlands Oberster Gerichtshof schließt die liberale Anti-Kriegs-Partei Jabloko von der Duma-Wahl aus.

  4. 11. August 2026
    Selenskyj warnt

    In einer Videoansprache spricht er von einer heimlichen Mobilmachung Hunderttausender nach der Wahl.

  5. 18.–20. September 2026
    Duma-Wahl

    Der von Kiew genannte Auslöser für die erwartete Mobilmachung.

Ob der Kreml tatsächlich eine neue Mobilmachung ausruft, ist unklar. Sicher ist nur: Die Duma-Wahl ist für den 18. bis 20. September angesetzt – der Zeitpunkt, den Kiew als Auslöser für die Rekrutierung nennt.