Die Straße von Hormus bleibt blockiert – und Teheran will für eine spätere Durchfahrt sogar eine Maut erheben. Das erklärte die iranische Behörde für die Meerenge (PGSA) am 13. August 2026, nur Stunden nachdem US-Präsident Donald Trump die Wasserstraße für „zu 100 Prozent“ von den USA kontrolliert erklärt hatte.
Trump hatte bereits am 11. August behauptet, die Meerenge sei von Minen geräumt und werde von den USA kontrolliert. Einen Tag später legte er nach: „Sie gehört uns.“ Falls der Iran sich widersetze, würden die Iraner „hinweggefegt“. Zugleich forderte Trump Entschädigungszahlungen von Teheran, wie die Tagesschau berichtet.
Was der Iran fordert
Laut fr.de erklärte die PGSA auf X, die Straße von Hormus bleibe geschlossen, bis Teherans Bedingungen erfüllt seien. Dazu zählen ein Ende aller US-Drohungen, die Aufhebung der Seeblockade iranischer Häfen, der Abzug amerikanischer Streitkräfte und eine vollständige Entschädigung.
Der neue Vorsitzende des iranischen Nationalen Sicherheitsrats, Mohsen Rezaei, betonte laut dem Staatssender Press TV, die USA müssten den Krieg gegen den Iran und seine Verbündeten beenden und eingefrorenes iranisches Geld freigeben. Der frühere Kommandeur der Revolutionsgarden gilt als eine der dienstältesten Figuren des iranischen Machtapparats.
„Solange die USA ihr Verhalten nicht ändern und die Bedingungen des Irans nicht akzeptieren, wird die Straße von Hormus nicht wieder geöffnet.“
Maut mit Umweltschäden begründet
Teheran begründet die geplante Durchfahrtsgebühr mit jahrzehntelangen Umweltschäden im Persischen Golf und im Golf von Oman. Außenamtssprecher Ismail Baghai schrieb auf X, die Verschmutzung habe im Iran Schäden in Höhe von Billionen Dollar verursacht. Nutznießer des Schiffsverkehrs hätten eine „rechtliche und moralische Verpflichtung“, zur Behebung beizutragen.
Baghai verwies auf eine Ölverschmutzung vor der Insel Qeschm und auf einen vor Oman havarierten Tanker der russischen Schattenflotte. Greenpeace warnt, Korallenriffe, Mangrovenwälder und Entsalzungsanlagen seien massiv gefährdet.
Trump contra Faktenlage
Die britische Behörde für Schifffahrtssicherheit (UKMTO) meldete am Abend des 12. August, Angriffe und Schikanen der iranischen Revolutionsgarden in der Meerenge hielten an. Es bestehe weiter das Risiko treibender oder nicht kartierter Minen, der Handelsverkehr laufe nur auf reduziertem Niveau, wie n-tv berichtet.
Die USA lehnen eine Maut ab. Trump hatte gewarnt, der Iran werde „sehr hart“ getroffen, sollte die Straße nicht bald geöffnet werden. Mit der Lagebeschreibung der Schifffahrtsbehörde steht Trumps Darstellung einer vollständigen Kontrolle und Minenfreiheit im Widerspruch.
Vom Kriegsbeginn bis zur Blockade
- Ende Februar 2026USA und Israel starten Krieg gegen den Iran
Die Schifffahrt durch die Straße von Hormus kommt fast zum Erliegen.
- 8. April 2026Waffenruhe tritt in Kraft
Trump erklärt sie später für beendet; der Iran setzt das Rahmenabkommen nach weiteren Angriffen aus.
- 10. August 2026Iran kündigt Maut an
Teheran will künftig Gebühren für die Durchfahrt erheben; Mohsen Rezaei wird neuer Sicherheitsratschef.
- 11. August 2026Trump erklärt Meerenge für minenfrei
Die USA kontrollierten die Straße von Hormus „zu 100 Prozent“.
- 13. August 2026Iran kontert
Die PGSA erklärt, die Blockade bleibe bestehen; Außenamtssprecher Baghai begründet die Maut mit Umweltschäden.
Ölpreise steigen, US-Munition schwindet
Die festgefahrenen Verhandlungen treiben die Ölpreise nach oben. Am 11. August erreichte Brent 88,00 Dollar und WTI 82,45 Dollar – jeweils den höchsten Stand seit dem 31. Juli, wie der Kurier meldet. Bereits im Juli hatte Brent die 100-Dollar-Marke durchbrochen.
Die Internationale Energieagentur (IEA) senkte wegen der hohen Öl- und Treibstoffpreise ihre Prognose: Die tägliche globale Nachfrage dürfte in diesem Jahr um durchschnittlich 1,6 Millionen Barrel sinken – der stärkste Einbruch seit der Corona-Krise.
Auch militärisch wächst der Druck auf Washington. Einem Reuters-Bericht zufolge sind die Bestände an Boden-Boden-Raketen vom Typ PrSM und Atacms erschöpft; rund die Hälfte aller Thaad-Raketen und etwa zwei Drittel der Patriot-Flugabwehrraketen seien verschossen, wie der Spiegel berichtet. Das Pentagon wurde aufgefordert, „kreative Lösungen“ zu finden.
Österreich drängt auf Diplomatie
Außenministerin Beate Meinl-Reisinger (Neos) telefonierte am 13. August mit ihrem iranischen Amtskollegen Abbas Araqchi. Sie betonte die Dringlichkeit diplomatischer Bemühungen und warnte, die Blockade habe desaströse Folgen für die Weltwirtschaft und drohe insbesondere den globalen Süden in eine Hungerkrise zu treiben.
„Es kann keine militärische Lösung geben. Die Möglichkeit zu einer diplomatischen Lösung gibt es.“
Ob die für Samstag erwartete Einigung zwischen Iran und Oman zustande kommt, ist offen. Bis dahin behält Teheran in der Meerenge die Initiative – und Trumps Drohungen laufen ins Leere.
