Rund 1.800 Menschen mussten in der Nacht ihre Häuser verlassen, weil ein Waldbrand in der Eifel auf den Ortsteil Gey zuraste. Das Feuer war seit Donnerstagnachmittag außer Kontrolle und erreichte am Freitagmorgen eine Ausdehnung von etwa 300 Hektar – umgerechnet rund 420 Fußballfelder.
Wie die tagesschau berichtet, entschied die Feuerwehr kurz vor vier Uhr morgens die Evakuierung, nachdem der Wind gedreht hatte und das Feuer bis auf 300 Meter an den Ort herangerückt war. Gegen acht Uhr war die Räumung abgeschlossen, auch ein Pflegeheim mit 15 Bewohnerinnen und Bewohnern wurde geleert.
Am Vormittag lag das Feuer nur noch etwa 150 bis 200 Meter von Gey entfernt. Landrat Ralf Nolten sprach von einer „Großschadenslage“, die Warn-App Nina meldete die höchste Stufe. NRW-Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen sagte: „Wir haben hier in Hürtgenwald mit einem Ausmaß zu tun, mit dem wir so nichts zu tun hatten in Jahrzehnten. Das ist einfach eine andere Hausnummer.“
Der Brand zählt zu den schwersten in Deutschland in diesem Sommer – eine Dimension, die an die Katastrophen in Südeuropa erinnert: In Frankreich mussten im Juli 224.000 Menschen vor einer Feuerwalze fliehen.
Weltkriegsmunition explodiert im Brandgebiet
Erschwert wird der Einsatz durch Altlasten aus dem Zweiten Weltkrieg. Im Waldboden liegt Munition, die in der Nacht bereits explodierte. Landrat Nolten sagte, man habe „auch die Schläge gehört“. Deshalb dürfen einzelne Feuerwehrleute mit Löschrucksäcken nicht hinein.
Wechselnde Winde, Temperaturen bis 38 Grad und das Fehlen nächtlicher Löschflüge verschärfen die Lage. Die Feuerwehr setzt inzwischen auch kontrollierte Gegenfeuer ein, um Brandschneisen zu schlagen. Ein Sprecher erklärte gegenüber der „Bild“: „Verbrannte Fläche brennt nicht noch einmal.“
Chronologie der Brandnacht
- 13. August 2026, NachmittagDrei Brände brechen aus
Im Wald bei Hürtgenwald entstehen drei Brände, einer breitet sich aus. Zunächst stehen rund 25 Hektar in Flammen.
- 14. August 2026, NachtWind dreht, Munition explodiert
Das Feuer rückt von rund 500 auf 300 Meter an Gey heran. Im Brandgebiet explodiert Weltkriegsmunition.
- 14. August 2026, gegen 4 UhrEvakuierung entschieden
Die Feuerwehr beschließt die Räumung des Ortsteils Gey mit rund 1.800 Menschen.
- 14. August 2026, ca. 8 UhrAlle Bewohner weg
Die Evakuierung ist abgeschlossen, auch ein Pflegeheim mit 15 Personen ist geräumt.
- 14. August 2026, VormittagFeuer 150 Meter vor Gey
Die Flammen kommen bis auf 150 bis 200 Meter heran, die Anlaufstelle in Straß muss wegen Ascheregens verlegt werden.
- 14. August 2026, Abend300 Hektar brennen
Bundeswehr-Panzer schlagen Schneisen, Gegenfeuer werden eingesetzt. Fünf Verletzte sind gemeldet, Evakuierte dürfen nicht zurück.
Bundeswehr-Panzer fräsen Schneisen
Zur Unterstützung sind Pionierpanzer der Bundeswehr im Einsatz, die Wege durch den dichten Wald fräsen. Hubschrauber bekämpfen das Feuer aus der Luft. Laut tagesschau sind rund 200 Feuerwehrkräfte vor Ort, später wurden 450 bis 500 zusätzliche Einsatzkräfte aus ganz NRW angefordert.
Auch Polizei-Wasserwerfer, Land- und Forstwirte sowie Privatpersonen helfen. Der Krisenstab des Kreises Düren tagt, in Düsseldorf lief im Landwirtschaftsministerium eine Krisensitzung. Ministerin Gorißen und Umweltminister Oliver Krischer machten sich vor Ort ein Bild.
„Ich danke allen Einsatzkräften für ihren unermüdlichen und oft bis zur Erschöpfung reichenden Einsatz.“
Fünf Verletzte, Anlaufstelle verlegt
Die Evakuierten aus Gey durften am Abend „auf keinen Fall“ in ihre Häuser zurück. Wie die Rheinische Post berichtet, wurde die Anlaufstelle in der Grundschule Straß wegen Ascheregens aufgegeben und in eine Förderschule nach Düren verlegt. Wegen Rauchniederschlags wurden Bewohner mehrerer Dürener Stadtteile sowie in Bonn, dem Rhein-Sieg-Kreis und Teilen von Euskirchen aufgefordert, geschlossene Räume aufzusuchen.
Bislang wurden fünf Verletzte gemeldet: eine ältere Person erlitt bei der Evakuierung Herzprobleme, vier Einsatzkräfte wurden leicht verletzt – darunter eine Schnittverletzung und Kreislaufprobleme. Die Autobahn-Ausfahrten Düren und Langerwehe an der A4 sind gesperrt, die B399 ist dicht.
Ministerpräsident Hendrik Wüst schrieb auf X: „Feuerwehr, Polizei & Hilfsorganisationen sind seit gestern Nachmittag im Hürtgenwald im Einsatz, viele von ihnen ohne Pause. Unser Land hält zusammen!“ Bundesinnenminister Alexander Dobrindt nannte den Einsatz „unter schwierigsten Bedingungen herausragend“. Die Brandursache ist noch unklar, die Polizei ermittelt.
