CDU-Wahlkämpfer kritisieren Parteispitze als „zu weit links“
In Niedersachsen werfen CDU-Wahlkämpfer der Parteispitze um Kanzler Merz eine Linksdrift vor. Wenige Wochen vor der Kommunalwahl droht der Union die nächste Schlappe – Umfragen zeigen historische Tiefstwerte.
In der CDU rumort es an der Basis. Wenige Wochen vor den Kommunalwahlen in Niedersachsen am 13. September werfen Wahlkämpfer der Parteispitze um Bundeskanzler Friedrich Merz vor, die Partei drifte „zu weit nach links“. Das berichtet die WELT am 14. August. Der Vorwurf reiht sich ein in eine Serie von Attacken aus den eigenen Reihen gegen den Kurs von Kanzler Merz, wie zuletzt nach dem Absturz in Sachsen-Anhalt.
Der Name des konkreten Wahlkämpfers, der das Zitat äußerte, ist im öffentlich zugänglichen Teil des Artikels nicht genannt. Die WELT schreibt lediglich, unter den Wahlkämpfern an der Basis rumore es. Die Kritik richtet sich gegen den Kurs der Parteiführung in Berlin, der aus Sicht der Basis zu stark nach links gerückt sei.
Union fällt auf historisches Tief
Die Stimmung an der Basis fällt mit katastrophalen Umfragewerten zusammen. Laut einer Forsa-Erhebung für den RTL/ntv-Trendbarometer vom 4. bis 10. August kommt die Union in der Sonntagsfrage nur noch auf 21 Prozent. Rechnet man die Nichtwähler ein, würden nur noch 15 von 100 Wahlberechtigten der Union ihre Stimme geben – der niedrigste Wert seit 1949. Forsa-Chef Manfred Güllner führt die Schwäche vor allem auf die schlechte Bewertung von Kanzler Merz zurück: 85 Prozent der Befragten sind mit dessen Arbeit unzufrieden.
Sonntagsfrage: AfD klar vor Union
Quelle: Forsa/RTL/ntv-Trendbarometer, August 2026
Die AfD liegt damit deutlich vor der Union. Auch beim Kompetenzwert fiel die CDU/CSU von 41 Prozent im Januar 2021 auf nur noch 12 Prozent und wurde erstmals von der AfD mit 13 Prozent überholt.
Lechner gibt sich optimistisch
Niedersachsens CDU-Landeschef Sebastian Lechner startete am 12. August eine vierwöchige Sommertour durch die Kommunen. Beim Auftakt am Steinhuder Meer zeigte er sich trotz des Gegenwinds kämpferisch. Wie die WELT berichtet, steuerte er selbst ein Rettungsboot über den See.
„Wir werden eine Reihe von Bürgermeisterinnen- und Bürgermeisterwahlen gewinnen. Und wir werden auch wieder stärkste Kraft im Land.“
Sebastian Lechner, CDU-Landeschef Niedersachsen
Lechner setzt auf den Persönlichkeitsfaktor. „Sicherlich kann man sich nicht völlig frei machen von dem großen Wasser, wie wir immer sagen“, sagte er. Kommunalwahlen seien Persönlichkeitswahlen, bei denen es darauf ankomme, ob man den Kandidaten aus der Feuerwehr oder dem Schützenverein kenne. Deshalb baue er darauf, viel über diesen Faktor machen zu können.
Kommunalwahl als Stimmungstest
Für die CDU geht es in Niedersachsen um viel: Seit 1981 ist die Partei bei Kommunalwahlen dort ungeschlagen. Eine Niederlage wäre eine weitere Blamage für Kanzler Merz und würde den Unmut an der Basis weiter anheizen. Stichwahlen sind für den 27. September angesetzt.