600 Drohnen greifen Moskau an – ein Toter und Großlager in Flammen
Bild: KI-generiert
Ukraine-Krieg

600 Drohnen greifen Moskau an – ein Toter und Großlager in Flammen

Die Ukraine hat in der Nacht zum Sonntag einen ihrer massivsten Drohnenangriffe auf die Region Moskau geflogen. Rund 600 Drohnen waren nach Angaben des Bürgermeisters im Anflug, ein 83-Jähriger starb, das größte Wildberries-Lager brannte aus.

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In der Nacht zum Sonntag hat die Ukraine einen ihrer bislang größten Drohnenangriffe auf die Region der russischen Hauptstadt geflogen. The Guardian zitiert den Moskauer Bürgermeister Sergej Sobjanin, wonach von gestern Abend bis 6:30 Uhr Ortszeit rund 600 Drohnen in Richtung Moskau unterwegs waren – 201 davon wurden allein in der Region Moskau zerstört.

Sobjanin schrieb auf Telegram: „Von gestern Abend bis 6:30 Uhr waren 600 Drohnen auf dem Weg in die Region Moskau, 201 davon wurden in der Region Moskau zerstört.“ Das russische Verteidigungsministerium gab später an, über Nacht insgesamt 822 ukrainische Drohnen zerstört zu haben.

Der Gouverneur des Moskauer Gebiets, Andrej Worobjow, sprach von einem der größten Angriffe der letzten Zeit. Nach den Behördenangaben wurde ein 83-jähriger Mann getötet, als eine Drohne auf sein Grundstück fiel – teils ist von Podolsk, teils vom Rajon Ramenskoje die Rede.

Wohnhaus getroffen: 83-Jähriger stirbt

In Podolsk, rund 40 Kilometer südlich von Moskau, wurden zudem drei Menschen verletzt. In Domodedowo, Standort eines der Moskauer Flughäfen, geriet ein Lager mit Medikamenten in Brand, mehrere Wohnhäuser wurden beschädigt. Auch eine Schule war nach Angaben von Der Spiegel betroffen.

Videos in sozialen Netzwerken zeigten riesige Flammen und Rauchsäulen. Das Ausmaß der Zerstörung ist erheblich, die genaue Zahl der beschädigten Gebäude war zunächst nicht bekannt.

Größtes Wildberries-Lager brennt lichterloh

Zentrales Bild der Nacht war ein Großbrand im Logistikzentrum des russischen Onlinehändlers Wildberries im Ort Koledino bei Podolsk. Das Lager mit über 200.000 Quadratmetern Fläche gilt als einer der größten Standorte des als „russisches Amazon“ bezeichneten Unternehmens. Wie jux.news berichtet, hatte die Ukraine bereits zuvor rund 20 Wildberries-Lager angegriffen.

Nach Angaben Gouverneur Worobjows wurden alle Mitarbeiter rechtzeitig evakuiert, niemand wurde verletzt. Das ukrainische Militär erklärte, mit FP-1-Drohnen sieben der zehn größten Wildberries-Lager außer Betrieb gesetzt zu haben – das Koledino-Lager sei das flächenmäßig größte.

Die Ukraine wirft Wildberries vor, Militärgüter zu vertreiben; Unternehmen und Kreml bestreiten das. Wildberries bestätigte den Angriff und teilte mit, die Arbeit werde über andere Objekte abgewickelt.

Luftabwehr meldet Rekordzahl

Das russische Verteidigungsministerium gab an, über Nacht 822 ukrainische Drohnen zerstört zu haben. Über 24 Stunden betrachtet will es sogar 1.478 Drohnen abgeschossen haben – die höchste je beanspruchte Tageszahl. Der Guardian weist allerdings darauf hin, dass diese Zahl vermutlich übertrieben und nicht unabhängig überprüfbar ist.

Der ukrainische Sicherheitsexperte Serhii Kuzan räumte ein, Russland treibe seine Zahlen „bewusst in die Höhe“. Er hielt es aber für „gut möglich“, dass es sich um den größten Angriff auf die Region Moskau handelte – mindestens auf Augenhöhe mit den Attacken auf die Ölraffinerie im Moskauer Stadtteil Kapotnja im Mai.

Gemeldete ukrainische Drohnenangriffe auf Moskau im Zeitverlauf

Anzahl der gemeldeten Drohnen je Nacht (Angaben russischer Behörden)

Quelle: Russische Behördenangaben

Kein Einzelfall – Ukraine setzt auf Distanzwaffen

Die Ukraine führt beinahe täglich große Drohnenwellen gegen die Hauptstadtregion aus. Erst im Juni hatte sie mit 660 Drohnen die bislang größte Einzelnachtattacke geflogen. Die nun gemeldeten 600 Drohnen liegen knapp darunter, aber der reale Schaden in der Region dürfte größer sein.

Für ihre Gegenschläge nutzt Kiew vor allem Drohnen, zunehmend aber auch selbst entwickelte Marschflugkörper wie die „Flamingo“. Der Angriff auf das größte Wildberries-Lager zeigt, dass die ukrainischen Streitkräfte gezielt wirtschaftlich bedeutende Ziele treffen – und damit den Druck auf die russische Hauptstadtregion erhöhen.