Boeing 787 hebt erst 120 Meter hinter der Landebahn ab – 287 Menschen entgehen Katastrophe
Beim Start in München hob eine Boeing 787 der Vietnam Airlines erst 120 Meter hinter dem Ende der Landebahn ab. Der Tailstrike beschädigte das Heck schwer – alle 287 Menschen an Bord überlebten.
Nur 120 Meter hinter dem Ende der Landebahn hob die Boeing 787-9 der Vietnam Airlines am Samstagnachmittag ab. Das Heck schlug auf dem Boden auf, die Bremsen blockierten – 287 Menschen an Bord entgingen nach Einschätzung von Experten nur knapp einer Katastrophe.
Flug VN34 von München nach Hanoi war mit 271 Passagieren und 16 Besatzungsmitgliedern besetzt, als die Maschine um 13:57 Uhr von der Südbahn 26L startete. Laut Aviation Herald brauchte der Jet ungewöhnlich lange zum Abheben und rotierte erst sehr spät.
Der Start
Videos zeigen, wie der langsame Start große Staubwolken aufwirbelte. Nach fotografischen Belegen wurde die Maschine erst etwa 120 Meter – 400 Fuß – hinter dem Ende der befestigten Bahn, bereits im Gras, luftgetragen. Dabei schlug das Heck auf dem Boden auf und wurde schwer beschädigt; das Flugzeug überrollte das Bahnende und beschädigte Landebahn-Leuchtfeuer.
Der Aviation Herald berichtete, Videoaufnahmen legten nahe, dass die Bremsen des rechten Hauptfahrwerks rund 210 Meter vor dem Bahnende aktiviert wurden und die Räder beim Überqueren des Bahnendes blockierten. Ein am 17. August veröffentlichtes Luftbild zeigte, dass sowohl die linken als auch die rechten Bremsen bereits vor dem Bahnende aktiv waren.
„Das hätte einen Feuerball mit hunderten Todesopfern geben können, wenn die Piloten die Maschine nicht noch hochgezogen hätten.“
Heinrich Großbongardt, Luftfahrt-Experte
Rückkehr nach München
Kurz nach dem Abheben meldete die Crew eine Reifendruck-Warnung; zusätzlich wurden Warnungen wegen des Heckkontakts und des niedrigen Reifendrucks ausgelöst. Die Maschine stieg auf Flugfläche 100 – rund 10.000 Fuß –, drehte mehr als zwei Stunden Schleifen über dem Flughafen und ließ nach Angaben der ZEIT bis zu 60 Tonnen Kerosin ab, um ein sicheres Landegewicht zu erreichen.
Etwa 90 Minuten nach dem Start führte die Maschine zwei niedrige Überflüge über die Nordbahn 26R durch und landete schließlich dort. Das linke Hauptfahrwerk zog eine Rauchfahne hinter sich her, die Reifen wurden zerfetzt. Das Flugzeug konnte die Bahn nicht mehr aus eigener Kraft verlassen und blieb liegen.
Chronologie des Vorfalls
15.08.2026, 13:57 Uhr
Start auf Südbahn 26L
Sehr späte Rotation, Tailstrike, Abheben erst 120 Meter hinter dem Bahnende.
15.08.2026, kurz danach
Warnungen im Cockpit
Heckkontakt und Reifendruck werden gemeldet, Crew steigt auf Flugfläche 100 und entscheidet die Rückkehr.
15.08.2026, ca. 90 Minuten später
Landung auf Nordbahn 26R
Zwei niedrige Überflüge, dann Landung mit rauchendem linkem Hauptfahrwerk, Reifen zerfetzt, Maschine bleibt liegen.
15.08.2026, Abend
Evakuierung und Aufräumarbeiten
271 Passagiere und 16 Crewmitglieder unverletzt, Bahn 26R bleibt gesperrt.
16.08.2026
Bericht der vietnamesischen Behörde
CAAV bestätigt Warnungen zu Tailstrike und Reifendruck.
17.08.2026
BFU ermittelt
Luftbild zeigt beidseitig blockierte Bremsen vor dem Bahnende.
Untersuchung und offene Fragen
Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) übernahm die Ermittlungen. Die vietnamesische Luftfahrtbehörde CAAV legte dem Ministerium einen Bericht vor und bestätigte die Warnungen nach dem Start. Mithilfe von Flugdatenschreibern und Voicerecordern müsse nun geklärt werden, was im Cockpit geschah – etwa, warum die Crew den Start nicht rechtzeitig abbrach.
Luftfahrt-Experte Heinrich Großbongardt, bis 2004 Deutschlandsprecher von Boeing, sagte der ZEIT, es hätte einen Feuerball mit hunderten Todesopfern geben können, wenn die Piloten die Maschine nicht noch hochgezogen hätten – auch außerhalb des Flughafengeländes seien Menschen in Gefahr gewesen. Er betonte zugleich: „Die 787 ist ein absolut sicheres Verkehrsflugzeug.“
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Hintergrund
Der Vorfall ereignete sich bei heißem Sommerwetter – laut METAR rund 34 Grad Celsius, wolkenlos. Die zehn Jahre alte Maschine (Inbetriebnahme am 23. April 2016) dürfte wegen des erheblichen Schadens am Heckmodul und am Rumpf mehrere Monate ausfallen; eine Reparatur ist noch offen.
Zuletzt war in diesem Sommer eine Frachtmaschine der K2 Airways ins Arabische Meer gestürzt, wie jux.news berichtete. Der aktuelle Vorfall reiht sich damit in eine Serie von Luftfahrtzwischenfällen ein, bei denen die Ursachen erst durch aufwendige Ermittlungen geklärt werden konnten.