Özdemir warnt vor AfD-Ministerpräsident als Sicherheitsrisiko für Deutschland
Baden-Württembergs Ministerpräsident Cem Özdemir warnt vor einem AfD-Ministerpräsidenten in Sachsen-Anhalt. Er befürchtet, dass nachrichtendienstliche Informationen an autoritäre Herrscher und Verbrecher abfließen könnten. Die AfD führt die Umfragen zur Landtagswahl am 6. September an.
Baden-Württembergs Ministerpräsident Cem Özdemir (Grüne) hat vor einem AfD-Ministerpräsidenten in Sachsen-Anhalt als Sicherheitsrisiko für Deutschland gewarnt. Im Interview mit der Mitteldeutschen Zeitung sagte er, die Ministerpräsidenten würden alles dafür tun, dass keine nachrichtendienstlichen Informationen an autoritäre Herrscher und Verbrecher abfließen.
Hintergrund ist die Landtagswahl am 6. September. Die AfD führt die Umfragen seit Monaten deutlich an, Spitzenkandidat Ulrich Siegmund könnte Regierungschef werden – und damit Zugriff auf Geheimakten, V-Leute und die Polizei erhalten.
„Die Ministerpräsidenten würden alles dafür tun, dass Deutschlands nationale Souveränität gewahrt wird und keine nachrichtendienstlichen Informationen abfließen an autoritäre Herrscher und irgendwelche Verbrecher, die Deutschland schaden wollen. Das ist eine Frage deutscher Interessen.“
Cem Özdemir, Ministerpräsident Baden-Württemberg (Grüne)
AfD führt Umfragen deutlich an
Die AfD liegt in Umfragen bei mehr als 40 Prozent, wie der SWR berichtet. In Sachsen-Anhalt wird die Partei vom Landesverfassungsschutz seit November 2023 als gesichert rechtsextremistisch eingestuft – begründet mit muslimfeindlichen, rassistischen und antisemitischen Aussagen von Funktionären.
Ulrich Siegmund, Spitzenkandidat der AfD, hat im Podcast „Ungeskriptet“ offen über Pläne für einen radikalen Staatsumbau gesprochen. Er nannte den Verfassungsschutz „völlig ad absurdum geraten“ und kündigte an, dessen Abschaffung oder Rückführung auf „eigentliche Aufgaben“ ergebnisoffen zu prüfen.
Eskalation bis zur Wahl
November 2023
AfD als gesichert rechtsextremistisch eingestuft
Der Verfassungsschutz Sachsen-Anhalt stuft die AfD als gesichert rechtsextremistisch ein.
15. August 2026
Siegmund im Podcast
Ulrich Siegmund spricht im Podcast „Ungeskriptet“ über Pläne zum Verfassungsschutz und einen radikalen Staatsumbau.
16. August 2026
Özdemir-Interview
Die Mitteldeutsche Zeitung veröffentlicht das Interview mit Özdemir, in dem er vor einem AfD-Ministerpräsidenten warnt.
17. August 2026
Medienberichte und AfD-Replik
WELT, SWR und weitere berichten; AfD-BW-Chef Frohnmaier widerspricht.
6. September 2026
Landtagswahl
Die AfD führt in Umfragen mit über 40 Prozent.
AfD weist Warnung zurück
„Wenn die Ministerpräsidenten der anderen Parteien bisher die Souveränität Deutschlands gewahrt hätten, hätten sie niemals zulassen dürfen, dass unsere deutschen Staatsgrenzen millionenfach durch illegale Migranten verletzt werden.“
Markus Frohnmaier, AfD-Landesvorsitzender Baden-Württemberg
Frohnmaier versicherte zugleich, mit Ulrich Siegmund als Ministerpräsident werde es keinen nachrichtendienstlichen Informationsfluss ins Ausland geben. Der SWR weist darauf hin, dass Frohnmaier selbst wegen seiner Nähe zu Russland in der Kritik stand: Er nahm an einem Wirtschaftsforum in St. Petersburg teil, das aus Sicht von CDU-Politiker Marc Henrichmann von russischen Geheimdiensten zur Informationsgewinnung genutzt wird.
Verbotsdebatte und Ausblick
Özdemir konkretisierte am Montag gegenüber der taz seine Haltung zu einem AfD-Verbotsverfahren. In einigen ostdeutschen Bundesländern gehe die AfD einen „hart völkischen Weg“ und bettle „geradezu um ein Verbot“, wie es Artikel 21 des Grundgesetzes regle. Das sei aber nicht in jedem Bundesland gleichermaßen der Fall; eine deutschnationale Partei sei von der Verfassung abgedeckt.
Am 6. September entscheidet sich, ob die AfD erstmals einen Ministerpräsidenten stellt. Sollte Siegmund gewinnen, hätte er sofortigen Zugriff auf alle gesammelten Informationen – einschließlich nachrichtendienstlich gewonnener Erkenntnisse.