Dieter Hallervorden (90) macht kurz vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt massiv Front gegen die AfD – und setzt dabei eine begrifflich belastete Wortwahl ein. Am Freitag, dem 14. August 2026, lud der Schauspieler auf TikTok ein Video hoch, in dem er die Nichtwahl der AfD als „Schädlingsbekämpfung“ bezeichnet.
„Leute, ich bin ja sehr erfolgreich in der Schädlingsbekämpfung. Wie ich das mache? Ja, ich wähle einfach nicht AfD. Ja, versucht’s auch mal. Das hilft“, sagt Hallervorden direkt in die Kamera. Der Clip ist der drastischste einer ganzen Reihe von TikTok-Videos gegen die Partei.
Die AfD, die in Sachsen-Anhalt vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft wird, liegt laut einer Pollytix-Umfrage von Anfang August bei 43 Prozent; die CDU folgt mit 23 Prozent. Am 6. September wird gewählt.
Aktuelle Umfrage Sachsen-Anhalt (Anfang August 2026)
AfD liegt klar vor der CDU
Damit reagiert Hallervorden auf ein Szenario, vor dem er bereits Ende Juli gewarnt hatte: Scheitern SPD, Grüne und FDP an der Fünf-Prozent-Hürde, könnte die AfD schon mit 40 Prozent die absolute Mehrheit erreichen. Bereits Ende Juli hatte er vor einem AfD-Sieg gewarnt.
Weitere Attacken und ein Schmidt-Zitat
In weiteren TikTok-Videos setzt Hallervorden nach. Einem Zitat, das er Helmut Schmidt zuschreibt, stellt er die Worte voran: „Ein Zitat von keinem Geringeren als Helmut Schmidt ins Stammbuch der AfD geschrieben.“ Der frühere Bundeskanzler habe gesagt, Demokratie lebe vom Kompromiss; wer keine Kompromisse machen könne, sei für die Demokratie nicht zu gebrauchen.
„Ob in Sachsen-Anhalt oder an der Spree, Vernunft wählt niemals AfD.“
Schon in den Tagen zuvor hatte Hallervorden die AfD auf TikTok mit einem „Feuersturm“ verglichen: Wer schweigend nichts dagegen tue, verbrenne sich irgendwann den Hintern. Die Berichterstattung über die Clip-Reihe zog ab dem Wochenende an; BUNTE.de berichtete ausführlich.
Wahlkampfhilfe für Schulze, nicht für Merz
Hallervorden tritt im Wahlkampf gemeinsam mit Sachsen-Anhalts Ministerpräsident und CDU-Spitzenkandidat Sven Schulze auf. Die gemeinsame Veranstaltungsreihe trägt den Titel „Kunst braucht Freiheit“. Dabei stellt der 90-Jährige klar, dass seine Unterstützung kein Bekenntnis zur Bundes-CDU ist: „Ich würde, wenn das hier Bundesebene wäre, für Friedrich Merz keine Reklame machen, das ist hier bei Sven anders.“
Zusammen mit Kulturschaffenden wie Axel Prahl und Oliver Kalkofe beteiligt sich Hallervorden zudem an einer Kampagne, die eine absolute Mehrheit der AfD verhindern soll. Sein Ziel formuliert er unmissverständlich: „Wenn SPD, Grüne und FDP an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern, kann die AfD bereits mit 40 Prozent die absolute Mehrheit erreichen. Das möchte ich unbedingt verhindern.“
Chronologie der Eskalation
- Ende Juli 2026Hallervorden warnt vor absoluter AfD-Mehrheit
Der dpa sagt er, er wolle eine absolute Mehrheit unbedingt verhindern.
- 14. August 2026„Schädlingsbekämpfung“-Video
Hallervorden lädt den drastischen TikTok-Clip hoch.
- 16. August 2026Erste kritische Reaktionen
Auf X sammeln sich empörte Kommentare, teils Anzeigen-Drohungen.
- 17. August 2026Medien greifen das Thema auf
Apollo News und Report24 berichten über die Wortwahl.
- 18. August 2026Breite Berichterstattung
BUNTE.de und FOCUS online berichten ausführlich.
- 6. September 2026Landtagswahl in Sachsen-Anhalt
Dann entscheidet sich, ob die AfD stärkste Kraft wird.
Kritik an der belasteten Wortwahl
Rechtskonservative Medien kritisieren Hallervordens Sprache scharf. Report24-Kommentator Heinz Steiner wirft ihm vor, mit dem Begriff „Schädling“ den „Kompass für demokratischen Anstand“ verloren zu haben, und zieht eine Parallele zu Herbert Grönemeyers Äußerung über „rechte Ratten und rechte Rassisten“.
Apollo News dokumentiert zudem, dass sich unter dem Beitrag teils wütende Kommentare sammeln, in denen Nutzer sogar Strafanzeigen wegen Volksverhetzung ankündigen. Der Vorwurf: Der Begriff „Schädlingsbekämpfung“ sei historisch belastet – im Nationalsozialismus sprach man von „Volksschädlingen“.
Einordnung: Der engagierte 90-Jährige
Der in Dessau geborene Hallervorden betreibt dort seit einigen Jahren ein Theater. Er ist seit langem politisch aktiv, positionierte sich früher für die FDP und trat zuletzt auch mit BSW-Gründerin Sahra Wagenknecht auf.
Mit seinen TikTok-Videos nutzt er nun seine Reichweite, um in den finalen Wochen des Wahlkampfs gegen die AfD zu mobilisieren. Ob seine drastische Wortwahl dabei Wähler überzeugt oder abschreckt, wird sich am 6. September zeigen.
