Rom verlangt Entschädigung für 22.500 Migranten auf deutschen NGO-Schiffen
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Asylstreit

Rom verlangt Entschädigung für 22.500 Migranten auf deutschen NGO-Schiffen

Italien legt neue Zahlen vor: Mehr als die Hälfte aller Ankünfte privater Seenotretter gehen auf deutsche Organisationen zurück. Innenminister Piantedosi knüpft Rücknahmen an eine Kompensation – und Salvini greift Berlin scharf an.

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Rom erhöht den Druck auf Berlin: Seit dem Amtsantritt von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni im Oktober 2022 haben deutsche Hilfsorganisationen rund 22.500 Migranten in italienische Häfen gebracht. Das ist mehr als die Hälfte aller Ankünfte privater Rettungsschiffe – und Italien verlangt dafür nun eine Entschädigung.

Die Zahlen legte das italienische Innenministerium am 17./18. August vor, wie die WELT berichtet. Insgesamt kamen in diesem Zeitraum etwa 42.300 Menschen mit privaten Rettungsschiffen an. Zählt man weitere 4.500 Migranten hinzu, die Schiffe anderer europäischer Organisationen unter deutscher Flagge an Land brachten, entfallen fast zwei Drittel aller NGO-Ankünfte auf eine Beteiligung Deutschlands.

Zum Vergleich: Italienische Organisationen brachten nur knapp 4.700 Menschen an Land, spanische gut 5.600. Innenminister Matteo Piantedosi knüpft die nach dem Gemeinsamen Europäischen Asylsystem (GEAS) vorgesehene Rücknahme von Migranten an eine Kompensation durch Deutschland – zuvor müsse Berlin Italien „in irgendeiner Form“ entschädigen.

Der Streit schwelt seit Jahren: Die frühere Ampelregierung stellte jährlich rund zwei Millionen Euro für die zivile Seenotrettung bereit, was Melonis Regierung scharf kritisierte. Die Bundesregierung unter Friedrich Merz strich die Förderung 2025; Organisationen wie Sea-Watch, Sea-Eye, SOS Humanity und Resqship fahren dennoch weiter.

Ankünfte privater Rettungsschiffe in Italien

Migranten, Oktober 2022 bis Juli 2026

Quelle: Italienisches Innenministerium, August 2026

Salvinis Attacke auf Berlin

Italiens Vizeministerpräsident Matteo Salvini schlägt schärfere Töne an. Er fordert die Regierungen in Deutschland und Spanien auf, ihre Hilfsorganisationen zu stoppen, die Migranten an die italienische Küste brächten.

Ich appelliere an unsere Freunde in der spanischen und deutschen Regierung, ihre Hilfsorganisationen zurückzupfeifen, damit diese nicht länger illegale Einwanderer an die italienische Küste schleusen.
Matteo Salvini, Vizeministerpräsident Italiens (Lega)

Grenzkontrollen und Tote auf der Mittelmeerroute

Italien hält zudem an den Anfang August eingeführten Kontrollen im Schiffs- und Flugverkehr mit Spanien fest. Anders als zunächst angekündigt fiel am Samstag keine Entscheidung über ein Ende; Rom wartet auf eine Lageeinschätzung des Geheimdienstes AISE zu möglichen neuen Bewegungen nach Ceuta. Die Maßnahme war eingeführt worden, nachdem Italien zuletzt das Schengen-Abkommen mit Spanien ausgesetzt hatte.

Parallel melden Helfer neue Todesfälle: Die italienische Organisation Emergency barg sieben Tote vor der libyschen Küste, Sea-Watch und Resqship fanden drei weitere Leichen. Seit Jahresbeginn sind nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration mindestens 872 Menschen auf der zentralen Mittelmeerroute gestorben oder gelten als vermisst.

Der Streit in Etappen

  1. Oktober 2022
    Meloni übernimmt das Amt

    Beginn des von Rom ausgewerteten Zeitraums; die Zahl der NGO-Ankünfte wird erfasst.

  2. Ende Februar 2026
    Somalierin erreicht Lampedusa

    Eine 22-Jährige kommt über Lampedusa in die EU und reist später nach Deutschland weiter.

  3. 12. Juni 2026
    Neue EU-Asylregeln

    Das Gemeinsame Europäische Asylsystem (GEAS) tritt in Kraft – die rechtliche Grundlage für Rücküberstellungen.

  4. 17./18. August 2026
    Rom legt Zahlen vor

    22.500 Migranten mit deutschen NGO-Schiffen; Piantedosi bekräftigt die Entschädigungsforderung.

Berlin pocht auf Rücknahmen – Testfälle entscheiden

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt und sein Amtskollege Piantedosi suchen nach Angaben des Innenministeriums weiter eine einvernehmliche Lösung. Berlin will die drei Migranten als Test für weitere Überstellungen durchsetzen; Rom hat angekündigt, sie nicht einreisen zu lassen und sofort zurückzuschicken.

Die Bilanz zeigt das Ungleichgewicht, wie Apollo News berichtet: In drei Jahren stellte Deutschland rund 35.000 Übernahmeersuchen an Italien – tatsächlich zurückgebracht wurden lediglich 15 Migranten. Im ersten Halbjahr 2026 akzeptierte Rom zwar 1.753 Ersuchen, vollzogen wurden Rückführungen aber kaum.

Juristisch kann Italien Migranten nicht allein deshalb Deutschland zuordnen, weil sie von deutschen Schiffen aufgenommen wurden – eine automatische Zuständigkeit sieht das EU-Asylrecht nicht vor. Ob die für den 19. August geplante Rücküberstellung tatsächlich stattfindet, ist offen.

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