Ceuta-Krise: Meloni macht Ernst
Rom – Nach dem Massenansturm von rund 60.000 Migranten auf die spanische Exklave Ceuta hat Italien am 31. Juli 2026 das Schengen-Abkommen mit Spanien ausgesetzt. Ministerpräsidentin Giorgia Meloni kündigte die Maßnahme bereits am Vortag auf X an: „Die Bilder aus Ceuta sind erschütternd und zeigen einmal mehr, dass unkontrollierte illegale Einwanderung eine konkrete Bedrohung für die Sicherheit der europäischen Grenzen darstellt.“
„Die Bilder aus Ceuta sind erschütternd und zeigen einmal mehr, dass unkontrollierte illegale Einwanderung eine konkrete Bedrohung für die Sicherheit der europäischen Grenzen darstellt. Ich habe mich mit den zuständigen Ministern beraten und wir sind bereit zu handeln, auch mit außergewöhnlichen Maßnahmen wie der Aussetzung von Schengen mit Spanien.“
Das italienische Innenministerium ordnete daraufhin die Wiedereinführung von Grenzkontrollen an den See- und Luftgrenzen zu Spanien an. Eine gemeinsame Landgrenze besteht nicht. In einer ersten Meldung war von einer vollständigen Grenzschließung die Rede, später präzisierte Rom, dass die Kontrollen nur Drittstaatsangehörige betreffen und EU-Bürger weiterhin ohne zusätzlichen Aufwand reisen können.
„Die Regierung hat beschlossen, das Schengen-Regime im See- und Luftverkehr mit Spanien vorübergehend auszusetzen und Grenzkontrollen wieder einzuführen. Es handelt sich um eine außergewöhnliche Maßnahme, die ergriffen wurde, um die nationale Sicherheit zu gewährleisten und mögliche Auswirkungen für unser Land zu verhindern.“
Bundeskanzler Friedrich Merz forderte Spanien auf, die Lage schnell in den Griff zu bekommen, und verlangte von Marokko die sofortige Rücknahme der Migranten. „Der Schutz der Außengrenzen der Europäischen Union ist entscheidend für die Bekämpfung illegaler Migration. Ich habe die klare Erwartung an alle EU-Mitgliedstaaten, dass sie dieser Pflicht nachkommen“, erklärte Merz.
Frankreich und EU verschärfen Ton
Frankreichs Innenminister Laurent Nuñez kündigte an, die Kontrollen an der spanischen Grenze unverzüglich zu verstärken. Präsident Emmanuel Macron schrieb auf X, für Ceuta gelte die Freizügigkeit des übrigen Schengen-Raums nicht.
„Wir können nicht zulassen, dass jemand in die EU kommt, ohne sich an unsere Regeln zu halten. Gefährliche Überfahrten müssen sofort gestoppt und Schleusernetzwerke aufgedeckt werden. Die Bilder, die aus Ceuta kommen, sind inakzeptabel.“
EU-Migrationskommissar Magnus Brunner bot Spanien Unterstützung über die Grenzschutzagentur Frontex an und versicherte: „Keine einzige Person hat die Grenze zum EU-Festland überschritten.“ Für den 1. August wurde eine Krisensitzung von Experten der Mitgliedstaaten einberufen.
Trump instrumentalisiert Bilder
US-Präsident Donald Trump nutzte die Szenen aus Ceuta für seinen Wahlkampf. In einem Telefoninterview mit Fox News nannte er die Bilder „schrecklich“ und warnte: „Merken Sie sich dieses Bild. Das werden wir in drei Jahren sein, wenn die falsche Seite an die Macht kommt.“ Sein Vize-Stabschef Stephen Miller teilte auf X ein Video und schrieb, die Demokraten würden zusehen, wie das Zuhause von Eindringlingen geplündert werde.
Die Eskalation in drei Tagen
- 30. Juli 2026Massenansturm auf Ceuta
Rund 60.000 Migranten durchbrechen die Grenzzäune der spanischen Exklave. Mindestens 57 Menschen ertrinken bei der Überfahrt.
- 31. Juli 2026Italien setzt Schengen aus
Ministerpräsidentin Meloni ordnet Grenzkontrollen an See- und Luftgrenzen zu Spanien an. Frankreich verstärkt seine Kontrollen.
- 1. August 2026Kontrollen treten in Kraft
Die Maßnahme gilt zunächst für einen Monat. Die EU beruft eine Krisensitzung ein.
Madrid: Migranten bereits zurück
Spaniens Außenminister José Manuel Albares erklärte am Abend des 31. Juli, nahezu alle Migranten seien bereits nach Marokko zurückgekehrt. Nach Angaben des Innenministeriums befanden sich nur noch rund 1.700 der ursprünglich bis zu 60.000 Menschen in Ceuta.
„Nahezu alle, die in Ceuta angekommen waren, sind inzwischen wieder nach Marokko zurückgekehrt. Die Integrität des Schengen-Raums ist gewährleistet.“
Ministerpräsident Pedro Sánchez verwies auf Frontex-Daten, wonach über Italien in den vergangenen fünf Jahren mit 478.600 irregulären Einreisen deutlich mehr Migranten in die EU gelangten als über Spanien mit 234.760. Solidarität und Mitgefühl seien freiwillig, die Achtung der europäischen Verträge und der Datenlage aber nicht.
Die italienischen Kontrollen gelten zunächst bis Ende August. Das Schengen-Abkommen erlaubt bei außergewöhnlichen Umständen eine vorübergehende Wiedereinführung von Grenzkontrollen als letztes Mittel. Kritiker in Rom werten den Schritt als vor allem innenpolitisch motivierte Symbolpolitik.





