187.744 Unternehmen geben 2025 auf – fast jede dritte freiwillige Schließung wegen Ruhestand
Creditreform und ZEW melden für 2025 einen Rekord bei Unternehmensschließungen: 187.744 Betriebe gaben auf, nur 13 Prozent wegen Insolvenz. Der Haupttreiber: der Ruhestand der Inhaber ohne Nachfolger.
187.744 Unternehmen haben 2025 in Deutschland aufgegeben – fast zehn Prozent mehr als im Vorjahr und so viele wie seit fast 20 Jahren nicht. Das ist der zentrale Befund der gemeinsamen Jahresanalyse von Creditreform und dem Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), die am Montag veröffentlicht wurde.
Doch die Zahl allein erzählt nicht die ganze Geschichte: Nur 13 Prozent der Schließungen gingen auf ein Insolvenzverfahren zurück, also etwa jede achte. Die große Mehrheit der Aufgaben erfolgte laut ZEW-Forscherin Sandra Gottschalk „nahezu geräuschlos“. Wie das Handelsblatt berichtet, unterscheidet sich die Lage damit von klassischen Insolvenzwellen.
„Die Krisendynamik frisst sich mittlerweile durch die gesamte Breite der Wirtschaft. Anders als in früheren Jahren beenden nun auch eigentlich gesunde Firmen ihre Geschäftstätigkeit.“
Damit beschreibt Hantzsch eine Entwicklung, die weit über klassische Pleiten hinausgeht: Es schließen zunehmend Betriebe, die nicht zahlungsunfähig sind, sondern für die sich die Fortführung nicht mehr lohnt oder für die sich keine Nachfolge findet. Die Zahl der Insolvenzen bleibt hoch, aber der Haupttreiber ist ein anderer.
Der Ruhestand als Hauptursache
Nicht die Pleite, sondern der Ruhestand treibt das Sterben: Fast ein Drittel aller freiwilligen Schließungen erfolgt mittlerweile aus Altersgründen, weil Firmeninhaber in den Ruhestand gehen und keinen Nachfolger finden. Das erklärt ZEW-Forscherin Sandra Gottschalk mit deutlichen Worten.
„Immer mehr Betriebe schließen, weil Firmeninhaber in den Ruhestand gehen und keinen Nachfolger finden. Fast ein Drittel aller freiwilligen Schließungen erfolgt mittlerweile aus Altersgründen - deutlich mehr als noch vor 10 oder 15 Jahren.“
Sandra Gottschalk, Forscherin am ZEW Mannheim
Die demografische Entwicklung verschärft das Problem: Die Babyboomer-Generation geht in den Ruhestand, und in vielen Branchen fehlt der unternehmerische Nachwuchs. Diese Lücke lässt sich nicht durch staatliche Programme allein schließen, wie die Analyse zeigt. Die sinkende Bevölkerungszahl verstärkt den Trend.
Gastgewerbe und Gesundheitswesen besonders betroffen
Am stärksten traf es das Gastgewerbe: Rund 15.000 Gaststätten und Beherbergungsunternehmen machten 2025 dicht – 15 Prozent mehr als 2024. Die Analyse betont, dass selbst der seit Januar 2026 geltende ermäßigte Mehrwertsteuersatz von 7 Prozent auf Speisen die Lage nicht abmildern konnte. Hohe Personal- und Betriebskosten sowie Fachkräftemangel belasten die Branche.
Auch im Gesundheitswesen setzte sich die Negativentwicklung fort: Knapp 11.000 Einrichtungen schlossen, doppelt so viele wie 2008. Allein 5.500 Arztpraxen gaben auf – fast ein Viertel mehr als im Vorjahr. Häufigster Grund: Ärztinnen und Ärzte treten in den Ruhestand und finden niemanden, der ihre Praxis fortführt.
Die Chronologie
2007
Letzter Höchststand
Fast 208.000 Unternehmen schlossen – der letzte Wert über dem aktuellen Niveau.
2025
Rekordjahr 2025
187.744 Unternehmen geben auf, knapp zehn Prozent mehr als 2024.
2026-01-01
Mehrwertsteuersenkung
Der ermäßigte Satz von 7 Prozent auf Speisen tritt in Kraft, kann die Lage im Gastgewerbe aber nicht verbessern.
2026-08-17
Veröffentlichung der Analyse
Creditreform und ZEW präsentieren die Zahlen für 2025.
Arbeitsmarkt und politische Reaktion
Das Firmensterben hinterlässt Spuren auf dem Arbeitsmarkt: Erstmals seit der Corona-Krise sank im zweiten Quartal 2026 die Beschäftigtenzahl im Dienstleistungssektor, besonders in Handel, Verkehr und Gastgewerbe. In der Industrie ging die Zahl der Erwerbstätigen um 2,0 Prozent zurück. Insgesamt waren rund 45,7 Millionen Menschen erwerbstätig, wie die tagesschau berichtet.
Die Politik steht unter Druck: Creditreform-Experte Hantzsch hatte die Lage bereits als „Krisenzange“ beschrieben, die die Wirtschaft von zwei Seiten packt – geopolitische Verwerfungen wie der Iran-Krieg und die US-Zölle einerseits, hohe Energiepreise und Bürokratie andererseits.
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Die kommenden Monate werden zeigen, ob die Politik mit gezielten Maßnahmen gegensteuert – etwa bei der Nachfolgeberatung oder bei den Kosten für Energie und Personal. Sonst droht sich der Trend fortzusetzen.