Die AfD-Fraktion im Thüringer Landtag hat am 19. August 2026 zum zweiten Mal in diesem Jahr einen Antrag auf ein konstruktives Misstrauensvotum gegen Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) eingereicht. Eine Sprecherin der Landtagsverwaltung bestätigte den Eingang, wie die Welt berichtet.
Bereits im Februar war ein solcher Antrag von AfD-Fraktionschef Björn Höcke gescheitert. Anlass ist die Plagiatsaffäre: Die TU Chemnitz erkannte Voigt die Doktorwürde ab, sein Einspruch wurde in der Woche zuvor abgewiesen.
Der neue Anlauf der AfD
Höcke begründete den neuen Anlauf laut Fraktionsmitteilung mit den Querelen und dem Richtungsstreit beim Koalitionspartner BSW. Ein Verbleib Voigts im Amt sei „allein aus Gründen der politischen Hygiene“ nicht möglich, erklärte er in Erfurt.
„Wir haben dem BSW mehrfach die Hand gereicht und vorgeschlagen, einen unabhängigen Kandidaten zu finden, der einen politischen Neuanfang für Thüringen ermöglichen kann“
Höcke hatte zuvor versucht, BSW-Gründerin Sahra Wagenknecht als Nachfolgerin Voigts zu gewinnen; diese lehnte das Angebot jedoch ab.
Mehrheitsverhältnisse und Rechtslage
Nach der Thüringer Landesverfassung kann der Landtag dem Ministerpräsidenten das Misstrauen nur dadurch aussprechen, dass er mit der Mehrheit seiner Mitglieder einen Nachfolger wählt. Die AfD stellt 32 der 88 Abgeordneten, bräuchte für einen Erfolg aber mindestens 45 Stimmen.
Sitzverteilung im Thüringer Landtag
Die Brombeer-Koalition aus CDU, BSW und SPD verfügt nur über 44 Sitze. Neben den drei Regierungsparteien, der Linken und der vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuften AfD ist keine weitere Partei im Parlament vertreten.
Die Lage beim BSW
Zwei BSW-Landtagsabgeordnete aus dem Wagenknecht-Lager haben angekündigt, Voigt nicht länger zu unterstützen, wollen aber weiterhin nicht gegen Anträge und Gesetze der Regierungskoalition stimmen und in der BSW-Fraktion bleiben.
Die BSW-Landtagsfraktion und der von Landesfinanzministerin Katja Wolf geführte BSW-Landesvorstand lehnten am Montag zuvor einen Sturz Voigts mit großer Mehrheit ab und halten an der Koalition mit CDU und SPD fest – trotz anderslautender Forderung der BSW-Bundesspitze um Sahra Wagenknecht, die auf einen überparteilichen Ministerpräsidenten drängt. Das BSW verfügt über 15 Stimmen im Landtag, schließt aber mehrheitlich jede Zusammenarbeit mit der AfD aus.
Endgültig klären soll die Positionierung ein Sonderparteitag, für den noch ein Termin gesucht wird.
Chronologie der Affäre
Die Plagiatsvorwürfe gegen Voigt reichen bis kurz vor die Landtagswahl 2024 zurück. Seitdem hat sich die Lage zugespitzt:
Chronologie der Affäre
- 2024Erste Plagiatsvorwürfe
Kurz vor der Landtagswahl 2024 kommen erste Vorwürfe gegen Mario Voigts Dissertation auf.
- Januar 2026Doktortitel aberkannt
Die TU Chemnitz erkennt Voigt nach langer Prüfung die Doktorwürde ab.
- Februar 2026Erstes Misstrauensvotum scheitert
Ein von der AfD beantragtes konstruktives Misstrauensvotum gegen Voigt scheitert im Landtag.
- ca. 12.08.2026Einspruch abgewiesen
Voigts Einspruch gegen die Aberkennung des Doktortitels wird von der TU Chemnitz abgewiesen.
- 17.08.2026BSW lehnt Sturz ab
BSW-Landesvorstand und BSW-Fraktion lehnen einen Sturz Voigts mit großer Mehrheit ab und halten an der Koalition fest.
- 19.08.2026Zweiter Misstrauensantrag
Die AfD-Fraktion reicht zum zweiten Mal einen konstruktiven Misstrauensantrag gegen Voigt ein.
Reaktionen der Koalition
Der CDU-Landtagsfraktionsvorsitzende Andreas Bühl warf Höcke „Machtspiele“ vor und schloss einen Erfolg des Antrags aus.
„Eine belastbare Aussicht auf die erforderliche Mehrheit hatte er nie und hat er weiterhin nicht. Höcke will nur Chaos stiften.“
SPD-Fraktionschef Lutz Liebscher erklärte, Höcke habe „kein Interesse an konstruktiver Politik“ und wolle „provozieren, blockieren und Thüringen politisch vorführen“. Das erneute Misstrauensvotum sei „nichts anderes als parlamentarischer Krawall mit Ansage – ohne tragfähige Mehrheit, ohne tragfähigen Plan“.
Einordnung
Der AfD-Antrag fällt in eine Zeit richtungsweisender Landtagswahlkämpfe: Im September 2026 wird in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin gewählt; die AfD führt in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern in Umfragen deutlich.
