AfD-Politiker Tillschneider bricht Podcast-Aufnahme ab
Bei der Aufnahme des Funke-Podcasts „Amann unframed“ kam es zum Eklat: Hans-Thomas Tillschneider stand auf und verließ das Studio. Auslöser waren kritische Fragen von Melanie Amann zum AfD-Programm und zu Björn Höcke.
Knapp 50 Minuten hatte die Aufnahme gedauert, dann stand Hans-Thomas Tillschneider auf und verließ das Studio. Am 19. August 2026 brach der stellvertretende AfD-Landesvorsitzende von Sachsen-Anhalt den Podcast „Amann unframed“ der Funke Mediengruppe in Berlin ab – mitten im Gespräch mit Journalistin Melanie Amann.
Eigentlich wollte Tillschneider über sein Buch und seine Person sprechen. Doch Amann konfrontierte ihn mit kritischen Nachfragen zum Programm seiner Partei. Anlass war die anstehende Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September 2026, bei der die AfD in Umfragen mit mehr als 40 Prozent deutlich vorne liegt, wie t-online berichtet.
Der Politiker wies zunächst den Rechtsextremismusvorwurf gegen seine Partei zurück. Der Begriff habe „keinen Sachgehalt“, sondern vor allem einen „Machtgehalt“, sagte er laut Merkur. Amann hakte bei Integrationsmaßnahmen und der AfD-Forderung nach, Vereine sollten Staatsgeld nur noch bei einem „Bekenntnis zur demokratischen Ordnung und patriotischen Grundhaltung“ erhalten.
Die Eskalation
Zum Eklat kam es, als Amann nach einem AfD-Mitglied fragte, dem der Generalbundesanwalt die Mitgliedschaft in der mutmaßlich rechtsterroristischen Organisation „Sächsische Separatisten“ vorwirft. Der Thüringer AfD-Landeschef Björn Höcke hatte zuvor gefordert, dem Mann die AfD-Mitgliedsrechte zurückzugeben, wie die Welt schreibt.
Tillschneider wollte sich dazu nicht mehr äußern. „So, mehr will ich dazu auch nicht sagen. […] Ich habe mich auch nicht allzu intensiv damit befasst“, zitiert der Express. Dann warf er Amann vor: „Ich empfinde Ihre Fragen als destruktiv und suggestiv und in höchstem Maße unfair“ – und sprach von „Hardcore-Framing“.
Die Moderatorin versuchte, die Lage zu entschärfen. „Darf ich noch eine Frage? Es geht mir nur darum, Ihre Position zu verstehen, und ich finde, es ist legitim, diese Fragen zu stellen“, wird sie zitiert. Doch Tillschneider blieb bei seinem Entschluss.
Der Abgang
Gegen Ende der Folge erklärte Tillschneider, er habe gedacht, es gehe um sein Buch und seine Person, nicht um Björn Höcke. Dann stand er auf und ging. Als Amann noch versuchte, ihn aufzuhalten, war er bereits aufgestanden: „Das war’s jetzt. Also, so redet man nicht“, berichtet die Welt.
„Und deswegen will ich das hier jetzt beenden. So muss ich mich nicht behandeln lassen.“
Der Podcast dauerte insgesamt knapp 50 Minuten, melden t-online, FOCUS und stern übereinstimmend. Tillschneider wollte sich auf Nachfrage nicht zu dem Vorfall äußern.
Wahlkampf in Sachsen-Anhalt
Hintergrund ist der heiße Wahlkampf in Sachsen-Anhalt: Die AfD führt die Umfragen mit über 40 Prozent an. Spitzenkandidat Jan Siegmund hatte zuletzt angekündigt, im Fall einer Regierungsbeteiligung NGOs zu streichen und den Verfassungsschutz abzuschaffen.
Der Ablauf im Überblick
19. August 2026
Podcast-Aufnahme
Melanie Amann befragt Tillschneider zum AfD-Wahlprogramm; nach rund 50 Minuten bricht er ab.
19. August 2026
Veröffentlichung
Die Folge erscheint; erste Berichte bei t-online, FOCUS, WELT und stern.
20. August 2026
Weitere Berichte
Merkur, Express und Berliner Morgenpost greifen den Abbruch auf.
6. September 2026
Landtagswahl
Wahl in Sachsen-Anhalt; AfD liegt in Umfragen deutlich vorn.