Ein russisches Kriegsschiff mit nuklearfähigen Hyperschallraketen ist in der Woche vor dem 17. August 2026 durch die Ostsee gefahren und nahe der deutschen Insel Fehmarn gesichtet worden. Wie der britische Telegraph zuerst berichtete, fuhr die Fregatte „Admiral Kasatonow“ dabei zeitweise mit abgeschaltetem Ortungssender.
Die Bundeswehr äußerte sich auf Anfrage zunächst nicht, wie t-online zusammenfasst. Auch aus Moskau lag zunächst keine Stellungnahme vor. Damit blieb am Montagnachmittag offen, ob sich das Schiff noch in der Nähe Fehmarns befand.
Zirkon-Raketen mit 1.000 Kilometern Reichweite
Die Fregatte gehört zur russischen Nordflotte und zählt zu den modernsten Überwasserkampfschiffen der Marine. Sie wurde 2020 in Dienst gestellt und kann sowohl Langstreckenangriffe führen als auch U-Boote bekämpfen. An Bord sind Kalibr-Marschflugkörper und nuklearfähige Zirkon-Hyperschallraketen vom Typ 3M22.
Die Zirkon-Raketen sollen laut russischen Angaben eine Reichweite von rund 1.000 Kilometern haben. Von der westlichen Ostsee aus wären damit mehrere Nato-Staaten erreichbar – darunter Deutschland, Dänemark, Schweden und Polen. Russland hat die Waffe im Krieg gegen die Ukraine bereits eingesetzt. Vor der Verlegung in die Ostsee operierte die Fregatte laut Focus online im Mittelmeer und im Ärmelkanal und eskortierte dort russische Schiffe.
Der Telegraph berichtete außerdem, dass die Fregatte zeitweise mit abgeschaltetem Ortungssender fuhr. UNITED24 Media dokumentiert: Am 17. August verließ das Schiff die Ostsee – auf einem Foto eskortiert es den LNG-Tanker „Portovyy“.
Drohungen aus Moskau
Die Verlegung folgt auf scharfe Drohungen aus Moskau im Streit um die sogenannte russische Schattenflotte. Darunter versteht der Westen ein Netzwerk oft alter Tanker und Frachter, mit denen Russland Sanktionen umgeht und weiter Öl transportiert. Großbritannien und Frankreich haben zuletzt mehrere solcher Schiffe kontrolliert oder festgesetzt: Im Juni enterten britische Royal Marine Commandos die „Smyrtos“ vor der südenglischen Küste, zuvor stoppten französische Kräfte im Atlantik die „Tagor“.
„Es ist nichts anderes als Piraterie und Raub. Wenn so etwas getan wird, sind wir gezwungen, in gleicher Weise zu reagieren … [Russland kann sich rächen] in jedem Gebiet, in dem wir es für notwendig und angemessen halten.“
Dmitri Medwedew, Vizechef des russischen Sicherheitsrats, drohte ebenfalls: Russland habe das Recht, jedes Handelsschiff eines feindlichen Staates anzugreifen, wenn der Verdacht bestehe, es transportiere Ladung „im Interesse des Feindes“.
Zweites russisches Kriegsschiff in wenigen Wochen
Die „Admiral Kasatonow“ ist binnen weniger Wochen bereits das zweite russische Kriegsschiff in der Ostsee. Ende Juli 2026 war dort der Zerstörer „Admiral Lewtschenko“ aufgetaucht. Parallel berichtete der Telegraph, Russland habe nahe der ukrainischen Grenze geheime Stützpunkte für Angriffsdrohnen errichtet, die tief in Nato-Gebiet vordringen könnten. US-Geheimdienste warnten demnach, Russland könne binnen weniger Wochen einen begrenzten Schlag gegen Polen oder einen baltischen Staat führen.
Chronologie der Eskalation
- 31. Mai 2026Frankreich setzt Schattenflotten-Tanker fest
Französische Kräfte stoppen im Atlantik die „Tagor“ – unterstützt von einem britischen Militärhubschrauber.
- Juni 2026Britische Marines entern „Smyrtos“
Royal Marine Commandos durchsuchen vor der südenglischen Küste das sanktionierte Schiff.
- Ende Juli 2026Zerstörer vor Ostsee
Der russische Zerstörer „Admiral Lewtschenko“ wird in der Ostsee gesichtet.
- 10.–14. August 2026Fregatte nahe Fehmarn
Die „Admiral Kasatonow“ fährt zeitweise ohne Ortungssender durch die Ostsee.
- 17. August 2026Enthüllung und Ausfahrt
Der Telegraph berichtet; laut UNITED24 Media verlässt die Fregatte an diesem Tag die Ostsee, eskortiert den LNG-Tanker „Portovyy“.
Offene Fragen zur deutschen Reaktion
Die Bundeswehr beantwortete die Anfrage des Telegraph zunächst nicht; auch aus Moskau lag zunächst keine Stellungnahme vor. Damit bleibt offen, wie deutsche und Nato-Stellen auf die Sichtung reagieren – und ob weitere russische Schiffe folgen. Die Ostsee gilt als eine der wichtigsten Handels- und Militärrouten Europas.
Die jüngste Eskalation reiht sich in eine wachsende militärische Spannung ein. Während Moskau mit Hyperschallraketen droht, arbeiten auch andere Länder an neuen Waffen – eine ukrainische Rakete steht offenbar vor dem ersten Einsatz gegen Moskau.
