Knobloch warnt vor AfD und rät zu radikalen Mitteln
Die Holocaust-Überlebende Charlotte Knobloch vergleicht die AfD mit der NSDAP vor der Machtergreifung und fordert radikale Gegenwehr. Ein Verbotsverfahren müsse erneut geprüft werden.
Die Holocaust-Überlebende Charlotte Knobloch zieht einen drastischen Vergleich: Die AfD sei so gefährlich wie keine andere Partei seit der NSDAP. Im Interview mit dem stern rät die 93-Jährige zu „radikalen Mitteln“ und fordert, ein AfD-Verbotsverfahren erneut zu prüfen.
„Ich sehe in vielen Bereichen keinen Unterschied mehr zur NSDAP, bevor diese an die Macht gekommen ist“, sagte Knobloch dem Magazin. Wie der Tagesspiegel berichtet, verglich sie die AfD auch mit früheren rechtsextremen Parteien.
„Ich sehe in vielen Bereichen keinen Unterschied mehr zur NSDAP, bevor diese an die Macht gekommen ist. Ich habe viele schreckliche Parteien erlebt: NPD, Republikaner, DVU. Sie sind gekommen und wieder verschwunden. Keine war so gefährlich, wie es die AfD ist.“
Charlotte Knobloch, Präsidentin der IKG München und Oberbayern
Knobloch, die von 2006 bis 2010 den Zentralrat der Juden in Deutschland führte, betonte: NPD, Republikaner und DVU seien gekommen und wieder verschwunden. „Keine war so gefährlich, wie es die AfD ist.“
Radikale Gegenwehr
Angesichts von Äußerungen aus der AfD fragt Knobloch: „Wo ist die Justiz? Wieso darf man heute ungestraft gegen Menschen hetzen?“ Ihre Konsequenz: „Wir müssen in der Bekämpfung dieser Radikalen selbst zu radikalen Mitteln greifen.“
„Bei vielem, was AfD-Politiker so von sich geben, frage ich mich: Wo ist die Justiz? Wieso darf man heute ungestraft gegen Menschen hetzen? Wir müssen in der Bekämpfung dieser Radikalen selbst zu radikalen Mitteln greifen, anders werden wir es nicht schaffen.“
Charlotte Knobloch, Präsidentin der IKG München und Oberbayern
Konkret plädiert sie dafür, ein AfD-Verbotsverfahren erneut zu prüfen – auch wenn sie die Erfolgsaussichten gering einschätzt. „Versuchen sollte man es vielleicht dennoch“, sagte sie der ZEIT. Bereits Anfang August hatte Ralf Stegner ein schnelles AfD-Verbotsverfahren gefordert.
Auch den Entzug des passiven Wahlrechts für einzelne Personen hält Knobloch für denkbar: „Alles, was helfen könnte, sollte versucht werden.“ Das „radikalste Mittel“ sei jedoch, dass Menschen anfingen nachzudenken.
Wahlen als Anlass
Anlass der Warnung sind die bevorstehenden Landtagswahlen: In Sachsen-Anhalt (6. September) rechnet sich die AfD mit Spitzenkandidat Ulrich Siegmund Chancen auf eine absolute Mehrheit aus und könnte erstmals einen Ministerpräsidenten stellen.
Auch in Mecklenburg-Vorpommern (20. September) liegt die Partei in Umfragen vorn. Bundesweit ist die AfD derzeit stärkste Kraft und wird von mehreren Landesverfassungsschutzbehörden als gesichert rechtsextremistisch eingestuft.
Knoblochs Leben und die bevorstehenden Wahlen
1932
Geburt in München
Charlotte Knobloch wird geboren; sie überlebt den Holocaust als Kind in einem Versteck auf dem Land in Franken.
1985
IKG-Vorsitz
Knobloch übernimmt den Vorsitz der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern.
2006 – 2010
Zentralratspräsidentin
Knobloch ist Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland.
Anfang Juli 2026
Wiederwahl
Knobloch wird als IKG-Präsidentin München und Oberbayern wiedergewählt.
19.08.2026
stern-Interview
Das Interview erscheint; Knobloch warnt vor der AfD und rät zu radikalen Mitteln.
06.09.2026
Wahl in Sachsen-Anhalt
Die AfD hofft auf eine absolute Mehrheit.
20.09.2026
Wahl in Mecklenburg-Vorpommern
Die AfD liegt in Umfragen vorn.
Sorge um Demokratie
Knobloch zeichnet ein düsteres Bild: „Das Land, das es geschafft hatte, wieder zu sich zu kommen, ist ins Schwanken geraten.“ Man müsse darum bangen, „ob das Land ein demokratisches bleibt“.
Zugleich äußert sie Sorge über den wachsenden Antisemitismus: „Mich besorgt der Judenhass, der um sich greift.“ Auf ihre persönliche Konstante angesprochen, antwortet sie: „Der Antisemitismus.“
Zum Vorgehen Israels im Gazastreifen sagt sie, sie halte es nicht für unverhältnismäßig: „Eine Lehre aus dem Holocaust muss sein, dass sich der jüdische Staat zur Wehr setzt.“ Öffentliche Kritik an Israel wolle sie nicht üben.
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Ausblick
Ob Knoblochs Warnung Gehör findet, wird sich bei den Wahlen im September zeigen. In Sachsen-Anhalt könnte die AfD erstmals einen Ministerpräsidenten stellen – ein Szenario, das Knobloch mit ihrer drastischen Warnung verhindern will.