Prinz Harry und Mitkläger müssen 9,54 Millionen Pfund an Daily-Mail-Verlag zahlen
Nach dem verlorenen Datenschutzprozess gegen den Verlag der Daily Mail verurteilt der Londoner High Court Prinz Harry und sechs weitere Prominente zu einer Abschlagszahlung von 9,54 Millionen Pfund. Die Gesamtkosten könnten bis zu 34,5 Millionen Pfund erreichen – deutlich mehr, als die Prozesskostenversicherung abdeckt.
Prinz Harry und sechs weitere Prominente müssen nach dem verlorenen Datenschutzprozess gegen den Verlag der „Daily Mail“ eine erste Abschlagszahlung von 9,54 Millionen Pfund (rund 11,1 Millionen Euro) leisten. Das entschied der Londoner High Court am Freitag, dem 21. August 2026.
Die Zahlung ist bis zum 28. August 2026 um 16 Uhr Ortszeit fällig. Richter Matthew Nicklin verurteilte damit Prinz Harry, den Duke of Sussex (41), sowie Popstar Elton John (79), dessen Ehemann David Furnish, die Schauspielerinnen Sadie Frost und Liz Hurley, den früheren Politiker Sir Simon Hughes und Baroness Doreen Lawrence zur Zahlung an den Verlag Associated Newspapers Limited (ANL).
Es ist die jüngste und teuerste Entscheidung in einem Rechtsstreit, der 2022 begann. Die sieben Prominenten hatten dem Verlag vorgeworfen, über Jahre hinweg mit Telefon-Hacking, Abhörmaßnahmen und Täuschung private Informationen erlangt zu haben. Nach einem elfwöchigen Prozess wies Richter Nicklin alle Klagen am 7. Juli 2026 mangels Beweisen ab – ein Urteil, das bereits die Beweisführung der Kläger gerügt hatte.
Das Kostenurteil
In seiner 44-seitigen Kostenentscheidung setzte Nicklin die Abschlagszahlung von 9,54 Millionen Pfund fest – deutlich mehr als die von den Klägeranwälten vorgeschlagenen knapp über 7,9 Millionen Pfund. Der Verlag hatte seine Gesamtkosten auf 34,5 Millionen Pfund (rund 40 Millionen Euro) beziffert.
Besonders streng: Die weiteren Kosten wurden auf „indemnity basis“ festgelegt. Damit muss der Verlag die Angemessenheit seiner Ausgaben nicht mehr nachweisen. Eine Obergrenze setzte der Richter nicht – eine Deckelung sei „zu grob“ und „willkürlich“ gewesen, wie der Guardian berichtet.
Für die Kläger kann das teuer werden. Ihre Prozesskostenversicherung deckt nach Angaben der BBC nur rund 16,2 Millionen Pfund ab. Sollte die volle Forderung bestehen bleiben, müssten Harry und die übrigen Kläger bis zu etwa 18 Millionen Pfund aus eigener Tasche zahlen.
In der Begründung kritisierte Nicklin die Klägerseite scharf. Die schweren Vorwürfe hätten auf „spekulativen und schlussfolgernden“ Grundlagen beruht, und keine einzige Anschuldigung sei freiwillig zurückgezogen worden. „Die kumulative Wirkung dieser Punkte hebt den Fall weit aus der Norm heraus. Das Verhalten war in hohem Maße unvernünftig“, schrieb der Richter.
Kosten im Daily-Mail-Prozess (in Mio. Pfund)
Quelle: High Court, ANL, BBC
Die Reaktionen
Der Verlag sprach von einem „überwältigenden Sieg“ und nannte die Entscheidung eine „vernichtende Kritik an einem Versuch, eine Zeitung und den Ruf ihrer Journalisten, Redakteure und Führungskräfte zu zerstören“.
Sir Simon Hughes zeigte sich gegenüber der BBC „enttäuscht“ und kündigte an, sowohl das Haupturteil als auch die Kostenentscheidung auf eine mögliche Berufung hin zu prüfen. Prinz Harry hatte das Juli-Urteil bereits als „komplette und offensichtliche Vertuschung“ bezeichnet.
„Ich nehme mir jetzt die Zeit, sowohl das Urteil in der Sache als auch die Kostenentscheidung zu prüfen und zu entscheiden, ob ich gegen eines oder beide Urteile Berufung einlege.“
Sir Simon Hughes, ehemaliger Vizechef der Liberaldemokraten
Die Vorgeschichte
Der Rechtsstreit begann 2022. Die sieben Kläger warfen ANL vor, über Jahre systematisch private Informationen illegal beschafft zu haben. Im Januar 2026 begann der elfwöchige Prozess, in dem unter anderem Prinz Harry im Kreuzverhör aussagte; im Februar trat der frühere „Daily Mail“-Chefredakteur Paul Dacre als Zeuge auf.
Chronologie des Rechtsstreits
2022
Klage eingereicht
Prinz Harry und sechs Mitkläger verklagen ANL wegen angeblicher illegaler Informationsbeschaffung.
Januar 2026
Prozessbeginn
Der elfwöchige Prozess startet; Prinz Harry sagt im Kreuzverhör aus.
Februar 2026
Paul Dacre als Zeuge
Der frühere Chefredakteur der „Daily Mail“ tritt vor den High Court.
7. Juli 2026
Klagen abgewiesen
Richter Nicklin weist sämtliche Klagen mangels Beweisen ab.
21. August 2026
Kostenurteil
Harry und die anderen müssen 9,54 Millionen Pfund Abschlagszahlung leisten.
Wie es weitergeht
Die Parteien haben bis zum 2. Oktober 2026 Zeit, Berufung gegen das Haupturteil oder die Kostenentscheidung einzulegen. Für Harry und die übrigen Kläger steht damit fest: Sollte die Entscheidung Bestand haben, müssen sie die 9,54 Millionen Pfund bis zum 28. August überweisen – und möglicherweise noch weit mehr.