Linke zieht in Berlin auf 22 Prozent davon – SPD fällt auf 12 Prozent
Knapp vier Wochen vor der Abgeordnetenhauswahl liegt die Linke laut Forsa mit 22 Prozent klar vorn. CDU und AfD kommen auf je 18 Prozent, die SPD stürzt auf 12 Prozent ab.
Knapp vier Wochen vor der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus liegt die Linke laut einer neuen Forsa-Umfrage klar vorn. Die am 22. August veröffentlichte Erhebung im Auftrag von t-online sieht die Partei von Spitzenkandidatin Elif Eralp bei 22 Prozent – vier Prozentpunkte vor der Konkurrenz.
Auf Platz zwei landen die CDU von Stefan Evers und die AfD von Kristin Brinker mit jeweils 18 Prozent. Die Grünen um Werner Graf kommen auf 16 Prozent, die SPD mit Steffen Krach stürzt auf 12 Prozent ab. BSW (4 Prozent) und FDP (3 Prozent) würden den Einzug ins Landesparlament verpassen.
Forsa-Umfrage zur Berliner Abgeordnetenhauswahl
Stimmenanteile in Prozent, Befragung 4.–18. August 2026
Quelle: Forsa/t-online, August 2026
Befragt wurden vom Institut Forsa im Auftrag von t-online 1.535 Wahlberechtigte im Zeitraum vom 4. bis 18. August. Die Fehlertoleranz beträgt plus/minus drei Prozentpunkte.
SPD stürzt ab – Linke baut Vorsprung aus
In der Vorwoche hatte die Insa-Umfrage für die „Bild“ noch ein anderes Bild gezeigt: Damals lag die Linke mit 19 Prozent knapp hinter der CDU (20 Prozent), AfD 17, Grüne 16, SPD 15. Innerhalb weniger Tage verlor die SPD drei Punkte, während die Linke drei zulegte. Schon Anfang August hatte eine Civey-Umfrage die Linke erstmals allein an der Spitze gesehen, wie jux berichtete.
Für die Regierungspartei SPD ist der Absturz besonders schmerzhaft: Mit 12 Prozent liegt sie nur noch sieben Punkte über der Fünf-Prozent-Hürde und sechs Punkte hinter der Linken. Auch CDU und AfD profitieren nicht vom SPD-Verlust – beide stagnieren bei 18 Prozent.
Kein Zweierbündnis – nur Dreierkoalitionen möglich
Für eine Regierungsbildung reicht es laut der Umfrage für kein Zweierbündnis. Da rund 14 Prozent der Stimmen an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern, liegt die faktische Mehrheitsschwelle bei etwa 44 Prozent. Linke, Grüne und SPD kämen zusammen auf 50 Prozent, CDU, Grüne und SPD auf 46 Prozent.
Die Wählerinnen und Wähler bevorzugen derzeit ein Bündnis aus Linken, Grünen und SPD: 37 Prozent halten dieses Modell für das beste. 19 Prozent wünschen sich rechnerisch eine Koalition aus CDU und AfD, die politisch allerdings ausgeschlossen ist. Eine Fortsetzung von Schwarz-Rot wünschen nur 13 Prozent, ein schwarz-grün-rotes Bündnis 9 Prozent – das zeigt die Umfrage, über die auch die WELT berichtet.
Umfrage
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Enteignen oder Neubau – der zentrale Wahlkampfkonflikt
Die Linke macht den Wahlkampf vor allem über die Wohnungspolitik. Sie will große Immobilienkonzerne vergesellschaften und das Volksbegehren „Deutsche Wohnen & Co. enteignen“ aus dem Jahr 2021 umsetzen. Die CDU hält dagegen und setzt auf Wohnungsbau statt Enteignung, wie die Frankfurter Rundschau berichtet.
„Die Berlinerinnen und Berliner haben beim Volksentscheid ‚Deutsche Wohnen & Co. enteignen' für die Vergesellschaftung großer Immobilienkonzerne gestimmt. Der Auftrag, dieses Votum umzusetzen, geht an jeden neuen Senat in Berlin, egal wer ihn anführt.“
Maximilian Schirmer, Landesvorsitzender Die Linke Berlin
Evers kontert: Bauen statt Enteignen
CDU-Spitzenkandidat Stefan Evers widerspricht dieser Linie deutlich. Für ihn ist der Weg aus der Wohnungsnot nicht die Vergesellschaftung, sondern der Neubau. Der Finanz- und Kultursenator, der nach dem Rückzug von Kai Wegner die CDU in den Wahlkampf führt, setzt auf eine andere Strategie.
„Die Antwort liegt im Wohnungsbau – und nicht im Enteignen. Nur neue Wohnungen werden das Problem lösen.“
Stefan Evers, CDU-Spitzenkandidat und Finanzsenator
Die Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus findet am 20. September 2026 statt; zeitgleich wählt Mecklenburg-Vorpommern. Bis dahin können sich die Umfragen angesichts der üblichen Unsicherheiten noch deutlich verschieben.