Linke erstmals allein an Spitze – CDU-Wechsel zeigt keine Wirkung
Rund sechs Wochen vor der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus liegt die Linke laut einer Civey-Umfrage erstmals allein vorn. Die CDU verharrt bei 19 Prozent – der Wechsel von Kai Wegner zu Stefan Evers bringt bisher keinen Aufschwung.
Die Linke hat die CDU in der Wählergunst überholt. Laut einer neuen Civey-Umfrage im Auftrag des „Tagesspiegel" kommt die Partei von Spitzenkandidatin Elif Eralp auf 21 Prozent – ein Plus von zwei Punkten. Die CDU bleibt bei 19 Prozent stecken.
Damit liegt die Linke erstmals in dieser Erhebung allein an der Spitze. Der Wechsel an der CDU-Spitze von Kai Wegner zu Stefan Evers zeigt bislang keine positive Wirkung, wie der Tagesspiegel berichtet.
Die Zahlen im Detail
Hinter der Linken und CDU folgen AfD (18 Prozent, +1), Grüne (17 Prozent, unverändert) und SPD (12 Prozent, −1). FDP und BSW kämen jeweils nur auf 3 Prozent und scheiterten an der Fünfprozenthürde. Die sonstigen Parteien erreichen zusammen 7 Prozent. Insgesamt wurden zwischen dem 20. Juli und 3. August rund 3.000 Personen online befragt, die maximale Fehlertoleranz beträgt 3,5 Prozentpunkte.
Civey-Umfrage zur Berlin-Wahl vom 5. August 2026
Quelle: Civey/Tagesspiegel
CDU ohne Aufwind durch Evers
Der Rückzug von Kai Wegner am 10. Juli – ausgelöst durch falsche Angaben zu seinem Tagesablauf während des Stromausfalls am 3. Januar – hätte der Partei eigentlich Luft verschaffen können. Doch die 19 Prozent sind derselbe Wert wie Anfang Juli, bevor Stefan Evers als Spitzenkandidat nominiert wurde. „Ein positiver Effekt nach dem Rückzug des Regierenden Bürgermeisters ist für die Partei damit zunächst nicht zu erkennen", schreibt der Tagesspiegel. Die Berliner Schwäche fügt sich in ein bundesweites Unionstief ein.
Auch t-online konstatiert: „Der neue Spitzenkandidat Stefan Evers konnte bei den Befragten bisher keine neuen Akzente setzen.„ Die WELT formuliert ähnlich: „Bei der Berliner CDU bleibt demnach ein positiver Effekt nach dem Wechsel des Spitzenkandidaten aus.“
Rot-rot-grün hätte Mehrheit
Rein rechnerisch ergibt sich nach Hare/Niemeyer folgende Sitzverteilung im Abgeordnetenhaus (130 Mandate, ohne Überhang- und Ausgleichsmandate): Linke 31 Sitze, CDU 28, AfD 27, Grüne 26 und SPD 18. Ein Bündnis aus Linken, Grünen und SPD käme damit auf 75 Mandate – eine klare Mehrheit. Auch eine Koalition aus CDU, Grünen und SPD wäre mit 72 Sitzen tragfähig. Die bisherige schwarz-rote Regierung unter Wegner wäre mit 46 Mandaten weit von einer Mehrheit entfernt.
Umfrage
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Krach offen für Vieles
SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach hatte sich bereits im Tagesspiegel-Interview zur offenen Koalitionsfrage geäußert. Er schließt nichts aus – weder eine Fortsetzung von Schwarz-Rot noch ein rot-rot-grünes Bündnis.
„Zum jetzigen Zeitpunkt werde ich keine Koalition ausschließen.“
Steffen Krach, SPD-Spitzenkandidat in Berlin
Von Linken-Spitzenkandidatin Elif Eralp und CDU-Konkurrent Stefan Evers gab es bislang keine öffentlichen Reaktionen auf die neuen Umfragezahlen. Auch Grünen-Spitzenkandidat Werner Graf hält sich eine Koalition mit beiden Lagern offen.
Wahl in sechs Wochen
Am 20. September wählen rund 2,4 Millionen Berlinerinnen und Berliner ein neues Abgeordnetenhaus und alle zwölf Bezirksverordnetenversammlungen. Seit der Wiederholungswahl 2023 regiert eine schwarz-rote Koalition unter Kai Wegner. Dessen umstrittene Angaben zum Stromausfalltag hatten den Druck so erhöht, dass er am 10. Juli seinen Verzicht erklärte. Die Civey-Zahlen decken sich weitgehend mit einer Infratest-dimap-Erhebung von Mitte Juli, die die Linke mit 22 Prozent sah. Eine Insa-Umfrage vom 23. Juli für „Nius" zeichnete dagegen ein anderes Bild: Dort lag die AfD mit 19 Prozent vorn, CDU und Linke folgten mit je 18 Prozent. Die SPD fährt mit 12 Prozent einen weiteren Tiefstwert ein.
Meinungsforscher mahnen zur Vorsicht: Kurzfristige Wahlentscheidungen und schwindende Parteibindungen machten Prognosen unsicher. Bis zum Wahltag kann sich noch viel verschieben.