Weidel beschimpft Regierung als „Flachzangen“ und kündigt Euro-Ausstieg an
Im ZDF-Sommerinterview attackiert AfD-Chefin Alice Weidel Kanzler Merz und Finanzminister Klingbeil persönlich. Sie bekräftigt den Euro-Ausstieg, will Schengen kündigen und alle Syrer zurückführen – und sagt der CDU den Untergang voraus.
Die AfD-Vorsitzende Alice Weidel hat im letzten ZDF-Sommerinterview des Jahres die Bundesregierung frontal attackiert: Regierungspolitiker seien „Flachzangen“, die das Land kaputtmachten. Im Gespräch mit ZDF-Journalist Wulf Schmiese, das wegen früherer Proteste in Berlin diesmal ungestört in Wien aufgezeichnet wurde, legte Weidel nach und nannte Kanzler Friedrich Merz (CDU) und Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) namentlich.
„Ich will nicht mehr angelogen werden von irgendwelchen Flachzangen, die da oben sitzen und irgendwas versprechen und genau das Gegenteil von dem tun.“
Alice Weidel, AfD-Bundesvorsitzende
Auf die Nachfrage, wen sie meine, legte Weidel nach: „Entweder Sie können es nicht, oder es ist Vorsatz. Herr Merz kann es nicht. Herr Klingbeil kann es auch nicht.“ Zugleich griff sie die Brandmauer gegen die AfD scharf an und nannte sie „das Undemokratischste, was es gibt“. Der Leidtragende sei zu Recht die CDU: „Die geht daran kaputt.“ Erst Anfang Juli hatte Weidel bereits Merz und die CDU scharf attackiert.
Euro-Ausstieg und Schengen-Aus
Auf die Frage nach der AfD-Forderung eines Euro-Ausstiegs verteidigte Weidel den Kurs und bekannte sich im Fall einer Regierungsübernahme dazu. Den Euro nannte sie eine „instabile Währung“ bzw. „Weichwährung“, die mit Vermögensverlusten für die normale Bevölkerung einhergehe, wie WELT berichtet.
„Deutschland ging es deutlich besser vor der Euro-Einführung. Wir sehen eine breite Verarmung breiter arbeitender Bevölkerungsschichten.“
Alice Weidel, AfD-Bundesvorsitzende
Auch beim Grenzschutz legte Weidel einen harten Kurs fest: „Wir werden sie zumachen, wir werden aus Schengen aussteigen, damit solche Leute wie aus Ceuta gar nicht mehr zu uns kommen.“ Diesen Vertrag werde man aufkündigen, zitiert Die Zeit.
Deutschland müsse aufhören, Menschen einzubürgern, die das Land verlassen müssten, sagte Weidel laut BILD. Auf den Einwand des Moderators, dafür seien Rücknahmeabkommen nötig, ging sie nicht ein.
Auto-Krise: Kritik am Verbrenner-Aus
Eingangs hatte Schmiese die AfD-Chefin mit der Krise der deutschen Autoindustrie konfrontiert: Hunderttausende Beschäftigte sorgten sich um ihre Jobs, allein der Zulieferer ZF in Weidels Wahlkreis wolle bis 2028 rund 14.000 Stellen abbauen. Weidel kritisierte das Verbrenner-Aus, EU-Vorgaben und Subventionen für E-Autos, die chinesischen Herstellern zugutekämen, wie n-tv berichtet.
Ein konkretes Rezept, wie deutsche Hersteller verlorene Marktanteile in China zurückgewinnen könnten, blieb sie laut BILD schuldig. Gegenüber ZDFheute fasste sie ihre Positionen als „Markt- und Technologieoffenheit“ zusammen: keine Eingriffe in den Markt, keine Verbotspolitik.
Weidel: CDU wird keine Wahl mehr gewinnen
Der CDU sagte Weidel voraus, sie werde „keine einzige Bundestagswahl mehr gewinnen“. Angesichts der Umfragen, in denen die AfD bundesweit bis zu acht Prozentpunkte vor CDU/CSU liegt, gab sie sich siegessicher: „Wir werden in den ersten Bundesländern regieren. Und wir werden auch im Bund regieren.“
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Schmiese hält Weidel „Mimosenhaftigkeit“ vor
Zum Ende drehte der Moderator den Spieß um. Er erinnerte an ein Parteiverfahren gegen einen AfD-Abgeordneten, der Weidel als „Alice Merkel“ bezeichnet hatte: Wer andere als „Flachzangen“ beschimpfe, müsse auch Kritik aushalten können – das wirke „mimosenhaft“.
Weidel wies den Vorwurf zurück; die Menschen interessierten sich nicht für parteiinterne Streitereien, sondern für sichere Straßen, Arbeitsplätze und Renten. Schon im Juli hatte sie im ZDF-heute-journal Moderatorin Dunja Hayali „Framing“ vorgeworfen. BILD resümierte, es habe sich um ein hektisches Wortgefecht gehandelt, bei dem Weidel sich oft in Grundsatzvorträgen verlor und konkrete Antworten schuldig blieb.