Merz erntet Buhrufe und Pfeifkonzert in Hürtgenwald – und weist Kritik zurück
Der Kanzler wurde in Hürtgenwald-Gey mit Buhrufen, Pfiffen und hupenden Traktoren empfangen. Demonstranten warfen ihm vor, erst nach dem Ende der Löscharbeiten gekommen zu sein. Merz sprach von Klimawandel und kündigte Beratungen zur Krisenvorbereitung an.
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) ist am Samstagnachmittag im brandbetroffenen Hürtgenwald-Gey mit einem Pfeifkonzert, Buhrufen und hupenden Traktoren empfangen worden. Der erste öffentliche Auftritt nach seinem dreiwöchigen Sommerurlaub wurde für den Kanzler zum Spießrutenlauf, als er den Einsatzkräften für ihre Arbeit danken wollte.
Rund eine Woche nach dem größten Waldbrand der NRW-Geschichte besuchte Merz den Ortsteil Gey. Auf Plakaten stand: „Der Wald brennt, und Friedrich pennt“ und „Kommst du erst jetzt? Zu spät!“. Demonstranten riefen „Merz, wie war dein Urlaub?“; zeitweise war die Ansprache des Kanzlers wegen des Lärms kaum zu verstehen.
Der Besuch fand zwei Tage nach dem Ende der Löscharbeiten statt. Mehrere Vertreter der NRW-Landesregierung hatten das Brandgebiet bereits zuvor besucht; Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) hatte dafür seinen Urlaub unterbrochen. Merz beendete gerade seinen dreiwöchigen Urlaub.
Kritik am späten Auftritt
Schon im Vorfeld war Kritik laut geworden, dass der Kanzler sich erst nach dem Ende des Feuers gemeldet habe. Anwohner nannten den Besuch einen „PR-Stunt“, während Einsatzkräfte das späte Kommen verteidigten: Während der Löscharbeiten hätte ein Kanzlerbesuch eher gestört, wie ein ARD-Reporter aus dem Ort berichtete.
Der Landrat des Kreises Düren, Ralf Nolten, bestätigte, dass er Merz ausdrücklich gebeten habe, nicht während des Brandes zu kommen. „Ich brauche keine Politiker, sondern ich brauche solche Leute, die den Löschschlauch halten“, zitierte Nolten einen Feuerwehrmann. Er forderte diejenigen, die ihren Unmut äußerten, auf, Feuerwehr, THW oder Rotem Kreuz beizutreten – dafür erhielt er langen Applaus, auch vom Kanzler.
„Es war klar, es ist besser er kommt erst, wenn alles vorbei ist.“
Ralf Nolten, Landrat des Kreises Düren
Merz reagiert: „Ich lasse mich nicht beeindrucken“
Merz wies die Vorwürfe zurück. Er habe sich bewusst für einen Besuch nach dem Brand entschieden, damit die Einsatzkräfte „in Ruhe ihren Job machen können“. Mit Blick auf die Protestierenden sagte er: „Ich lasse mich von denen, die herumschreien, nicht beeindrucken. Ich spreche mit denen, die helfen.“
Den Waldbrand ordnete der Kanzler in den Zusammenhang mit dem Klimawandel ein: „Der bedauerliche Befund ist, wir müssen damit rechnen, dass wir häufiger solche Ereignisse haben. Das ist Klimawandel“, sagte er. Die Regierung werde alles tun, um den Klimawandel zurückzudrängen, müsse aber auch lernen, mit ihm zu leben. Konkrete Maßnahmen nannte er nicht.
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Chronologie vom Brand bis zum Kanzlerbesuch
Der Waldbrand war am 13. August aus noch ungeklärter Ursache ausgebrochen; menschliches Fehlverhalten gilt als möglich. Zeitweise kämpften rund 1.400 Menschen gegen die Flammen, die bis auf 250 Meter an Grundstücke heranrückten.
Der Ablauf im Überblick
13. August 2026
Brand bricht aus
Im Hürtgenwald bricht ein Feuer aus, die Ursache ist ungeklärt; menschliches Fehlverhalten gilt als möglich.
13.–14. August 2026
Evakuierung in Gey
Rund 1.800 Bewohner müssen ihre Häuser verlassen, bis zu 1.400 Einsatzkräfte kämpfen gegen den Brand.
20./21. August 2026
Löscharbeiten beendet
Die Feuerwehr schließt die Löscharbeiten ab; das betroffene Waldgebiet wird gesperrt.
22. August 2026
Kanzlerbesuch mit Protesten
Merz besucht Gey, dankt den Einsatzkräften und wird mit Buhrufen, Pfiffen und Traktor-Hupen empfangen.
Ob die geplante Auswertung bei der Kabinettsklausur in Neuhardenberg zu konkreten Konsequenzen führt, blieb offen. Merz nannte keine Maßnahmen, nur dass die Kommunikationsverbindungen nicht so gut seien, wie sie sein müssten.