Selenskyj nennt Wahlen im Krieg einen Tsunami für das Land
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Ukraine

Selenskyj nennt Wahlen im Krieg einen Tsunami für das Land

Der ukrainische Präsident weist die Forderung seines entlassenen Verteidigungsministers zurück. Wahlen seien unter Kriegsrecht unmöglich und würden Gesellschaft und Armee spalten.

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Wolodymyr Selenskyj hat die Forderung seines entlassenen Verteidigungsministers Mychajlo Fedorow nach Neuwahlen während des Krieges klar zurückgewiesen. Eine Abstimmung sei ein „Tsunami für das Land“, sagte der ukrainische Präsident am Sonntag – sie würde die Ukraine spalten, wie n-tv berichtet.

Auslöser ist eine Videobotschaft Fedorows vom 18. August. Der 35-Jährige, bis Mitte Juli Verteidigungsminister, forderte einen „legalen, sicheren und realistischen Mechanismus“, um trotz der russischen Invasion Wahlen zu ermöglichen. „Die Demokratie darf nicht von Russland als Geisel genommen werden“, sagte er laut tagesschau.de.

Es war das erste Mal, dass ein führender ukrainischer Politiker offen Wahlen während des Krieges forderte. Fedorow lässt offen, ob er selbst kandidieren will. In Umfragen vertrauen ihm mehr als die Hälfte der Ukrainer; Beobachter sehen darin den Auftakt zu einem eigenen Wahlkampf. Nach seiner Entlassung im Juli protestierten in Kiew und anderen Städten Tausende, wie jux.news berichtete.

Vom Minister zum Wahl-Forderer

  1. 2019
    Selenskyj wird regulär zum Präsidenten gewählt.
  2. Mai 2024
    Reguläre Amtszeit endet; Kriegsrecht verhindert Neuwahlen.
  3. Januar 2026
    Mychajlo Fedorow wird Verteidigungsminister.
  4. Mitte Juli 2026
    Selenskyj entlässt Fedorow; Proteste in mehreren Städten.
  5. 18. August 2026
    Fedorow fordert in einem Video Wahlen trotz des Krieges.
  6. 23. August 2026
    Selenskyj weist die Forderung zurück und warnt vor einem Tsunami.

Warum Selenskyj Wahlen für unmöglich hält

Das ukrainische Kriegsrecht verbietet Wahlen ausdrücklich. Für eine Abstimmung müsste es aufgehoben oder die Verfassung geändert werden. Millionen Geflüchtete, Soldaten an der Front und Bewohner der russisch besetzten Gebiete könnten nicht wählen; hinzu kommt die Gefahr russischer Desinformation.

Selenskyj nannte Wahlen in einem solchen Krieg ein „großes Risiko“. „Wenn wir das Land zerstören wollen, dann können wir in diesen Kriegszeiten den Weg zu Wahlen einschlagen“, sagte er. Zugleich bot er Gespräche an, falls westliche Partner konkrete Vorschläge für sichere Wahlen für Flüchtlinge und Frontbewohner vorlegten – bisher habe niemand solche Vorschläge gemacht. Wie jux.news bereits berichtete, lehnte der Kreml eine von Selenskyj geforderte Waffenruhe im Juni ab.

Gegenüber Fedorow blieb Selenskyj versöhnlich. „Ich hatte und habe nach wie vor eine sehr positive Einstellung gegenüber Mychajlo“, sagte er – doch warnte er davor, Gesellschaft und Soldaten zu spalten: „Gesellschaft und Soldaten dürfen nicht gespalten werden.“

Umfrage
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Die Bevölkerung ist mehrheitlich dagegen

Nach einer Umfrage des Kiewer Internationalen Instituts für Soziologie (KIIS) sprechen sich lediglich 15 Prozent der Befragten für Wahlen vor dem Ende des Krieges aus. Andere Daten von Anfang August zeigen, dass 57 Prozent Wahlen erst nach den Kämpfen befürworten; Selenskyjs Zustimmungswerte liegen stabil bei rund 60 Prozent, wie Die Zeit meldet.

Russland hält vom 18. bis 20. September eine Parlamentswahl ab – auch in den von Moskau kontrollierten Teilen der annektierten ukrainischen Gebiete Luhansk, Donezk, Saporischschja und Cherson.

Ukrainer zu Wahlen im Krieg

Quelle: KIIS, Juli/August 2026; WELT, Anfang August 2026