Alyssa Milano prangert fehlende Hilfe für Mütter nach der Geburt an
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Psychische Gesundheit

Alyssa Milano prangert fehlende Hilfe für Mütter nach der Geburt an

Nach der Geburt ihres Sohnes erlitt Alyssa Milano schwere Panikattacken. Im Fall Lindsay Clancy sieht sie den Beweis: Mütter mit psychischen Erkrankungen fallen durchs Netz – und fordert schnelle Hilfe.

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„Mein Herz raste. Mein Magen verkrampfte sich. Ich hatte das Gefühl, ich würde sterben“ – mit diesen Worten beschreibt Alyssa Milano ihre erste Angstattacke nach der Geburt ihres Sohnes Milo. Jetzt macht der Prozess gegen Lindsay Clancy das Thema postpartale psychische Erkrankungen erneut dringlich: Am 19. August 2026 teilte die 53-Jährige ihren ursprünglich 2018 im Magazin TIME erschienenen Essay auf ihrer Plattform Substack erneut.

Der Fall, der Milano zum Teilen bewegt, ist einer der schwersten der jüngeren US-Justizgeschichte: Lindsay Clancy, frühere Krankenschwester für Geburtshilfe, ist wegen des Todes ihrer drei Kinder Cora, Dawson und Callan angeklagt. Seit dem 20. Juli 2026 läuft der Prozess in Massachusetts; die Staatsanwaltschaft wirft ihr dreifachen Mord ersten Grades vor, die Verteidigung argumentiert auf postpartale Psychose und bipolare Störung.

Milano nennt den Prozess als direkten Anlass. Auf Substack schreibt sie: „As the Lindsay Clancy trial forces a new national reckoning with postpartum mental illness and with what can happen when women ask for help but still fall through the cracks, it feels important to share it again.“

Auf Deutsch heißt das: Während der Prozess gegen Lindsay Clancy eine neue landesweite Aufarbeitung postpartaler psychischer Erkrankungen erzwingt, halte sie es für wichtig, den Text erneut zu teilen. Damit will sie keine Gleichsetzung – doch sie sieht eine gemeinsame Wahrheit: Mütter fallen durchs Netz.

Die Angst begann nach dem Kaiserschnitt

2011 war die Schwangerschaft mit Milo für Milano „ein Traum“: keine Morgenübelkeit, fünfmal pro Woche pränatales Yoga, tägliche Spaziergänge. Sie verfasste einen strengen Geburtsplan – keine Einleitung, keine Schmerzmittel, kein Kaiserschnitt – und verknüpfte eine natürliche Geburt mit ihrem Wert als Frau und Mutter. Doch am 31. August 2011, zehn Tage vor dem Termin, kam es zu Komplikationen.

Trotz ihres Plans musste die Geburt eingeleitet werden, sie erhielt eine Periduralanästhesie und brachte Milo nach 18 Stunden Wehen und dreieinhalb Stunden Pressen per Kaiserschnitt zur Welt. In der ersten Nacht zu Hause erlitt sie ihre erste Angstattacke: Sie fühlte, ihr Kind enttäuscht und als Mutter versagt zu haben, weil die Geburt nicht vaginal verlaufen war und die Muttermilch noch nicht eingesetzt hatte. „My heart raced. My stomach seized up. I felt like I was dying.“

Einige Monate später bekam Milo hohes Fieber und erlitt einen Fieberkrampf in ihren Armen – die lähmende Angst kehrte zurück. Milano ging zurück an das Set einer Fernsehproduktion, ständig damit beschäftigt, auf welche Weise Milo in den Händen seiner Betreuungspersonen sterben könnte. Nach 16-stündigen Arbeitstagen gipfelten ihre Ängste regelmäßig in einer lähmenden Attacke.

Milanos Weg durch die Krise

  1. 31. August 2011
    Geburt von Milo per Kaiserschnitt

    In der ersten Nacht zu Hause erleidet Milano ihre erste Angstattacke.

  2. Herbst 2011
    Fieberkrampf und Rückkehr ans Set

    Milo erleidet einen Fieberkrampf; Milano leidet nach 16-Stunden-Tagen unter täglichen Panikattacken.

  3. 2011
    Einweisung in die Psychiatrie

    Um 2 Uhr nachts geht Milano in die Notaufnahme, bittet um einen Psychiater und bleibt drei Tage in einer öffentlichen psychiatrischen Station.

  4. 17. Mai 2018
    Essay im TIME-Magazin

    Milano veröffentlicht ihren Text über die postpartale Angst anlässlich des Mental Health Awareness Month.

  5. 20. Juli 2026
    Prozessbeginn gegen Lindsay Clancy

    In Massachusetts beginnt der Prozess um den Tod der drei Kinder; die Verteidigung plädiert auf postpartale Psychose.

  6. 19. August 2026
    Erneutes Teilen auf Substack

    Milano teilt ihren Essay erneut und verbindet ihn mit dem Fall Clancy.

Drei Tage in der Psychiatrie – und eine klare Abgrenzung

Schließlich „schlug sie gegen eine Wand“: An einem frühen Morgen um 2 Uhr ging Milano in die Notaufnahme, bat um einen Psychiater und ließ sich auf eigenen Wunsch einweisen. Drei Tage blieb sie in einer öffentlichen psychiatrischen Station. Dort hatte sie erstmals das Gefühl, dass ihr Schmerz wahrgenommen wurde – einfach war der Weg nicht: Ein Arzt tat ihre Symptome ab, und selbst Kolleginnen verstanden kaum, dass sie litt.

Rückhalt fand sie bei ihrem Psychiater und ihrer Therapeutin, die sie überzeugten, dass sie den Mut habe, sich der Krankheit zu stellen, den Wert, Hilfe zu suchen, und die Kraft, zu genesen. Diagnostiziert wurde eine generalisierte Angststörung, vermutlich ausgelöst durch die postpartale Depression.

Milano betont, dass postpartale Angst und postpartale Psychose unterschiedliche Erkrankungen sind: „Postpartum anxiety and postpartum psychosis are different conditions, and my experience is not Lindsay Clancy’s.“

„But the trial has brought renewed attention to a truth that connects them: maternal mental-health symptoms must be recognized, believed and treated with urgency“, schreibt sie – zu Deutsch: Symptome psychischer Erkrankungen bei Müttern müssen erkannt, geglaubt und mit Dringlichkeit behandelt werden.

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Appell: Niemand darf allein durchstehen

Milano, die mit Ehemann David Bugliari neben Milo (inzwischen 14) auch Tochter Elizabella Dylan (11) hat, appelliert an die Politik, den Zugang zu psychischer Gesundheitsversorgung nicht weiter zu erschweren. „I was lucky enough to have the means and the insurance to get the help and support I needed. What happens to those mothers who don’t have the kind of support I received?“, fragt sie laut People.

Sie verweist darauf, dass in den USA jeder sechste Mensch von einer psychischen Erkrankung betroffen ist und weniger als die Hälfte davon überhaupt psychische Gesundheitsdienste in Anspruch nimmt. Auch in Deutschland bleibt das Thema belastet: Erst kürzlich sprach Lena Jensen über ihre größte Angst vor der zweiten Geburt – ein Beispiel, wie tief die Verunsicherung reicht.

Promiflash berichtet, dass Milano seit mehreren Jahren keine Panikattacke mehr erlebt habe; die Wechseljahre hätten ihr nach langer Leidenszeit mehr hormonelle Stabilität und ein stärkeres Selbstgefühl gebracht. Das ändert nichts an ihrem Fazit: Es müsse offener über psychische Gesundheit gesprochen werden, und niemand dürfe solche Krisen allein durchstehen müssen. Der Prozess gegen Clancy läuft weiter – und mit ihm die Frage, ob Mütter künftig schneller Hilfe bekommen, bevor es zu spät ist.