Chrupalla will Briefwahl abschaffen – und nennt unbelegte Manipulation
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AfD-Vorstoß

Chrupalla will Briefwahl abschaffen – und nennt unbelegte Manipulation

Im ARD-Sommerinterview verlangt der AfD-Vorsitzende Tino Chrupalla die Abschaffung der Briefwahl. Er spricht von Fällen, wo in Pflegeheimen „der Stift geführt wurde“, bleibt aber Beweise schuldig.

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Drei Wochen vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt stellt AfD-Chef Tino Chrupalla die Integrität der Briefwahl grundsätzlich infrage. Im ARD-Sommerinterview am Sonntag (23. August 2026) fordert der 51-Jährige deren Abschaffung – wenige Wochen, bevor am 6. September gewählt wird.

dass wir die Briefwahl, die als Ausnahmesituation geschaffen wurde, dass sie wieder abgeschafft gehört
Tino Chrupalla, AfD-Bundesvorsitzender

Chrupalla behauptet, er kenne aus Gesprächen mit Pflegern und Angehörigen Fälle in Pflegeheimen, bei denen die Stimmabgabe beeinflusst worden sei. Wörtlich sagt der AfD-Chef:

wo der Stift sozusagen geführt wurde
Tino Chrupalla, AfD-Bundesvorsitzender

Auf Nachfrage räumt Chrupalla allerdings ein, dass es sich um Einzelfälle handeln werde. Konkrete Belege, Namen oder Orte nennt er nicht. Er begründet dies damit, dass er die angeblichen Vorfälle nicht überprüfen könne.

Der ARD-Faktenfinder widerspricht: Eine Straftat könne auch ohne eigene Zeugenschaft angezeigt werden, heißt es unter Verweis auf Paragraf 158 der Strafprozessordnung. Chrupallas Erklärung, er könne deshalb keine Anzeige erstatten, greife nicht.

Die Bundeswahlleiterin führt das Streuen von Zweifeln an der Sicherheit von Briefwahlen ausdrücklich in der Kategorie „Bekannte Desinformation“. Der Bundesverband der Pflegeberufe warnt, Chrupallas Aussagen säten Misstrauen gegen Pflegekräfte und Angehörige.

Auch der Wahlforscher Eric Linhart von der TU Chemnitz hält dagegen: „Es gibt keinerlei Anhaltspunkte, dass es bei der Briefwahl strukturelle Manipulation gibt.“ Einzelfälle habe es historisch gegeben, etwa 2010 in Wietze oder gefälschte Wahlvollmachten in Stendal. Eine großflächige Manipulation sei aber nicht denkbar.

Sachsen-Anhalt als Testfall

Sachsen-Anhalt gilt als wahrscheinlichstes Szenario für eine von der AfD geführte Regierung. In Umfragen liegt die Partei bei 41 bis 43 Prozent, Spitzenkandidat Ulrich Siegmund will allein regieren. Siegmund hatte bereits Mitte August ähnliche Manipulationsvorwürfe gegen Pflegeheime erhoben.

Chrupalla kritisiert zudem die Aufbewahrung der Briefwahlunterlagen in den Rathäusern. Teilweise habe nur der Bürgermeister selbst den Schlüssel. Er fordert mehr Kontrolle, etwa Kameras bei der Aufbewahrung und regelmäßige Überprüfungen.

Die Entscheidung über mögliche Bündnisse liege allein bei Siegmund, sagt Chrupalla. Der Bundesvorstand werde sich nicht einmischen. Zugleich lehnt er die Brandmauer der anderen Parteien ab und lädt alle Parteien zur Zusammenarbeit ein.

Faktencheck widerlegt zentrale Punkte

Der Faktencheck der ARD zeigt: Die Briefwahl war ursprünglich nur mit Angabe von Gründen möglich, seit 2008 dürfen alle Bürger ohne Begründung per Brief wählen. Das Bundesverfassungsgericht verteidigte diese Regelung 2013 erneut, weil der Grundsatz der Allgemeinheit der Wahl höher wiege als das anerkannt höhere Manipulationsrisiko. Wie der ARD-Faktenfinder schreibt, sei Chrupallas Begründung, er könne keine Anzeige erstatten, ebenfalls nicht haltbar.

Mehrere Medien ziehen Parallelen zum früheren US-Präsidenten Donald Trump, der die Briefwahl ebenfalls abschaffen will, obwohl er sie selbst nutzt. t-online und der Tagesspiegel verweisen auf die ähnliche Rhetorik. In Deutschland bleibt die Briefwahl trotz der Vorwürfe eine etablierte und rechtlich abgesicherte Form der Stimmabgabe.

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