Schüsse auf Friseursalon von Rapper Samra: Unbekannte legen Sprengsatz vor dem Laden ab
Bild: KI-generiert
Steglitz-Zehlendorf

Schüsse auf Friseursalon von Rapper Samra: Unbekannte legen Sprengsatz vor dem Laden ab

Mehrere Schüsse auf einen Friseursalon in Steglitz – vor dem Laden lag ein nicht detonierter Sprengsatz. Der Laden gehört Rapper Samra. Die Polizei ermittelt wegen des Verdachts der Schutzgelderpressung.

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Auf ein Geschäft in Berlin-Steglitz ist in der Nacht zum Montag erneut geschossen worden – dieses Mal traf es den Friseursalon von Rapper Samra. Unbekannte gaben gegen 3:55 Uhr mehrere Schüsse auf den Laden in der Osdorfer Straße im Ortsteil Lichterfelde ab, verletzt wurde niemand.

Anwohner hatten die Polizei alarmiert. Wie die Berliner Zeitung berichtet, fanden Einsatzkräfte vor dem Geschäft einen nicht umgesetzten, selbstgebauten Spreng- bzw. Brandsatz, der nicht detonierte. Laut Welt legten Ermittler den Sprengsatz auf einer Fensterbank ab – ein Hinweis, dass es sich nicht um eine spontane Tat handelte.

Der Tatort wurde weiträumig abgesperrt, die Osdorfer Straße zeitweise in beide Richtungen gesperrt. Kriminaltechniker sicherten am Morgen Spuren; Fotos zeigen Einschusslöcher in den Fensterscheiben des Ladens.

Salon von Rapper Samra – und ein früherer Angriff

Bei dem attackierten Geschäft handelt es sich um den „Hairsalon Cutaleya“, der dem Deutschrapper Samra gehört. Der 31-Jährige wirbt auf der Webseite des Ladens mit seinem Namen; der Tagesspiegel und die Berliner Zeitung bestätigen die Verbindung. Samra, in Steglitz geboren, zählt zu den kommerziell erfolgreichsten deutschen Rappern.

Erst am Sonntagabend war Samra mit Capital Bra auf dem Oranienplatz in Kreuzberg vor mehr als 1000 Fans aufgetreten, um die neue gemeinsame Single „Böse Jungs“ vorzustellen. Ein Zusammenhang zwischen dem Auftritt und dem Angriff ist nicht belegt.

Der Laden war bereits im März 2022 Ziel eines Angriffs: Damals sollen sich 30 bis 50 teils maskierte Männer mit Schusswaffen und Baseballschlägern davor versammelt und randaliert haben.

Chronologie

  1. März 2022
    Erster Angriff auf den Salon

    30 bis 50 teils maskierte Männer versammeln sich mit Waffen und Baseballschlägern vor Samras Laden.

  2. 23. August 2026 (Sonntagabend)
    Fan-Auftritt in Kreuzberg

    Samra und Capital Bra treten vor mehr als 1000 Fans auf dem Oranienplatz auf und stellen ihre neue Single „Böse Jungs“ vor.

  3. 24. August 2026, ca. 3:55 Uhr
    Schüsse und Sprengsatz

    Unbekannte geben mehrere Schüsse auf den Friseursalon ab; vor dem Geschäft wird ein nicht detonierter Spreng-/Brandsatz gefunden. Niemand wird verletzt.

Sondereinheit ermittelt – auch wegen Schutzgelderpressung

Die Ermittlungen führt die Sondereinheit „BAO Ferrum“ des Landeskriminalamts. Die Einheit wurde wegen der stark zunehmenden Schusswaffengewalt in Berlin eingerichtet und hat nach Angaben der Berliner Zeitung rund neun Monate nach ihrer Gründung mehr als 600 Ermittlungsverfahren eingeleitet. Unterstützt wird sie von der Ermittlungsgruppe „Telum“ der Staatsanwaltschaft.

Die Welt berichtet, die Polizei ermittle in dem aktuellen Fall auch wegen des Verdachts der Schutzgelderpressung; die Hintergründe seien aber noch unklar. Der Vorfall reiht sich in eine Serie von Schüssen auf Geschäfte in Berlin ein, die Ermittler der Organisierten Kriminalität zuschreiben.

Die Serie ist blutig: Erst am 11. August wurde ein 30-Jähriger am Hardenbergplatz vor dem Bahnhof Zoo erschossen, wie jux.news berichtete.

Es ist jetzt kein Geheimnis, dass das Rapbusiness auch für Protagonisten aus der Organisierten Kriminalität interessant ist und hier mitunter Kontakte gepflegt werden. Losgelöst davon, ob der Laden einem Rapper gehört oder nicht, sehen wir in der letzten Nacht einen weiteren Beleg für die besorgniserregende Entwicklung, dass zur Konfliktlösung oder Durchsetzung eigener Interessen zunehmend zu Schusswaffen und längst sogar zu Brand- und Sprengsätzen gegriffen wird.
Benjamin Jendro, Sprecher der Gewerkschaft der Polizei (GdP) Berlin

Hintergründe unklar – Polizei sucht Zeugen

Ein konkreter Zusammenhang zwischen dem Konzert am Sonntag und dem Angriff auf den Laden ist nicht belegt. Verletzt wurde bei der Attacke niemand; die Polizei sucht weiter nach den Tätern.

Der Fall ist Teil einer seit Monaten andauernden Auseinandersetzung zwischen Banden und Clans, die Ermittler der Organisierten Kriminalität zuschreiben. Regelmäßig würden Schüsse auf Geschäfte vornehmlich türkischstämmiger Unternehmer abgegeben und Schutzgelderpressern zugerechnet, wie der Tagesspiegel berichtet.