Schulze sagt Jung-Interview kurzfristig ab
Bild: KI-generiert
Podcast-Streit

Schulze sagt Jung-Interview kurzfristig ab

Zwei Wochen vor der Landtagswahl zieht Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze eine zugesagte Gesprächsrunde mit Tilo Jung zurück. Seine Begründung passt nicht zu früheren Aussagen.

Veröffentlicht
JUX auf Google folgen

Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) hat ein bereits zugesagtes Interview bei „Jung & Naiv“ einen Tag vor dem geplanten Termin absagen lassen. Als Grund nannte seine Pressesprecherin laut Berliner Zeitung eine „kurzfristige Änderung im Terminplan“ – doch der Rückzieher widerspricht Schulzes eigener Begründung in einem parallelen Podcast-Streit.

Der Termin war für Montag, 24. August 2026, um 10:30 Uhr live aus Jungs Berliner Studio angesetzt. Am Freitag zuvor hatte Jung den Gast angekündigt, am Sonntag sagte die CDU ab. Statt in Berlin saß Schulze am Montag im Wahlkampf in Sachsen-Anhalt: ab 6:30 Uhr ein CDU-Termin am Magdeburger Hauptbahnhof, später eine „Mittendrin-Tour“ in Elbe-Parey. Auf Nachfrage der Berliner Zeitung wollte er sich nicht äußern.

X · @TiloJung

Chronologie des Rückziehers

Die Terminabsprache lässt sich anhand der Berichte rekonstruieren:

Chronologie des Rückziehers

  1. 21.08.2026
    Tilo Jung kündigt Schulze an

    Jung kündigt auf X an: Schulze ist am Montag, 24. August, um 10:30 Uhr live bei „Jung & Naiv“ zu Gast.

  2. 23.08.2026
    CDU sagt ab

    Schulzes Sprecherin verweist auf eine „kurzfristige Änderung im Terminplan“. Jung sucht zunächst einen Ersatztermin.

  3. 23.08.2026, 16:30 Uhr
    Kein Ersatztermin

    Jung aktualisiert: „Es wird auch keinen Ersatztermin geben.“

  4. 24.08.2026
    Schulze im Wahlkampf

    Schulze ist in Magdeburg und Elbe-Parey unterwegs, verweigert jede Auskunft zur Absage.

Schulzes widersprüchliche Begründung

Die Absage ist heikel, weil Schulze zuvor ein Duell mit AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund beim Kölner Format „Ungeskriptet“ abgelehnt hatte. Seine Begründung: Er reise „mitten im Wahlkampf“ nicht für einen Podcast in ein anderes Bundesland, er müsse auch Sachsen-Anhalt regieren. Jungs Studio liegt jedoch in Berlin – ebenfalls außerhalb Sachsen-Anhalts.

Mit der zunächst erteilten Zusage hätte Schulze also genau das getan, was er bei Podcaster Ben Berndt als unzumutbar dargestellt hatte. Zudem war Schulze am 7. Juli 2026 zu Gast bei Markus Lanz, dessen Sendung in Hamburg aufgezeichnet wird. Auf Nachfrage zu den Terminabsprachen verweigerte Schulzes Sprecherin laut Berliner Zeitung eine detaillierte Stellungnahme.

Der Podcast-Streit mit Berndt war zuvor öffentlich eskaliert: Berndt widersprach Schulzes Darstellung und legte Chatverläufe aus der Terminplanung vor, wonach Schulze sehr wohl ein Kölner Alternativtermin angeboten worden sein soll. Berndts Darstellung lässt den Verdacht zu, Schulze sei der direkten Konfrontation mit der AfD ausgewichen.

AfD vorn – Schulze unter Druck

Die Debatte spielt sich im Endspurt eines Wahlkampfs ab, in dem die CDU unter Druck steht. In Umfragen zur Landtagswahl am 6. September 2026 liegt die AfD mit Spitzenkandidat Ulrich Siegmund bei rund 43 Prozent, die CDU nur bei 20 bis 23 Prozent. Erst kürzlich hatte Schulze im MDR-Sommerinterview eine Koalition mit der Linkspartei nicht mehr ausgeschlossen, was in der CDU-Fraktion für Unruhe sorgte.

Der frühere BILD-Chefredakteur Julian Reichelt griff das CDU-Wahlkampfteam scharf an. Er nannte Tilo Jung den „linksradikalsten Israel-Hasser, den es in den Medien gibt“ und fragte:

Welcher komplett unfähige Totalversager macht diesen Wahlkampf und diese Medienstrategie?
Julian Reichelt, Journalist und ehemaliger BILD-Chefredakteur

Warum Schulze das Interview letztlich absagte, bleibt ungeklärt. Weder er noch seine Sprecherin lieferten über die Floskel „kurzfristige Änderung im Terminplan“ hinaus eine Erklärung; am Montag verweigerte Schulze gegenüber der Berliner Zeitung jede Auskunft. Zwei Wochen vor der Wahl bleibt damit offen, welchen Interviewformaten sich der Ministerpräsident überhaupt noch stellt.