Polizeigewerkschaft nennt Rassismus-Vorwurf nach Schuss auf 14-Jährigen eine Frechheit
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Innere Sicherheit

Polizeigewerkschaft nennt Rassismus-Vorwurf nach Schuss auf 14-Jährigen eine Frechheit

Nach dem Polizeischuss auf einen 14-Jährigen in München weist die Gewerkschaft der Polizei Rassismus-Vorwürfe scharf zurück. Landeschef Leitner nennt die Unterstellung eine Frechheit.

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Der Schuss auf einen 14-Jährigen in München-Schwabing hat eine heftige politische Debatte ausgelöst. Jetzt weist die bayerische Polizeigewerkschaft GdP die Rassismus-Vorwürfe scharf zurück: Die Unterstellung sei eine Frechheit, sagt Landeschef Florian Leitner.

Der Jugendliche war am Abend des 18. August von Zivilbeamten niedergeschossen worden, weil er mit einer täuschend echt aussehenden Softair-Pistole hantierte. Seine Familie und linke Gruppen werfen der Polizei rassistische Gewalt vor. Die GdP hält dagegen: In einer lebensbedrohlichen Lage spiele die Herkunft keine Rolle.

GdP: Vorwurf ist eine Frechheit

Die GdP warnt vor einer Vorverurteilung der Einsatzkräfte. Jeder polizeiliche Schusswaffengebrauch müsse umfassend und unabhängig untersucht werden, teilte der bayerische Landesverband mit. Das Ergebnis sei auch in diesem Fall abzuwarten.

Diese Unterstellung lässt mich fassungslos zurück und ist eine Frechheit! Herkunft oder Nationalität eines Täters sind in einer lebensbedrohlichen Einsatzlage völlig unerheblich.
Florian Leitner, GdP-Landesvorsitzender Bayern

Wer hier der Polizei Rassismus unterstellt, verdreht laut Leitner die Realität – oder nutzt die Situation für einen Vorteil. Die Beamten könnten nicht erst abwarten, ob tatsächlich geschossen wird: Dann sei es zu spät.

Der Einsatz in Schwabing am 18. August

Der Vorfall ereignete sich am Dienstagabend gegen 17.15 Uhr in der Belgradstraße in Schwabing. Zeugen hatten eine Person mit einem pistolenähnlichen Gegenstand gemeldet. Die Zivilbeamten forderten den Jugendlichen auf, die Waffe fallen zu lassen.

Der 14-jährige Schüler aus dem Landkreis Miesbach, türkischer Staatsangehöriger und kurdischer Abstammung, habe sich mit der Waffe in der Hand zu den Beamten umgedreht – daraufhin fiel der Schuss in den Oberkörper. Die Beamten leisteten Erste Hilfe; der Jugendliche wurde operiert und gilt als stabil.

Chronologie des Falls

  1. 18. August 2026
    Einsatz in Schwabing

    Zivilbeamte schießen einen 14-Jährigen mit Softair-Pistole nieder; er wird schwer verletzt.

  2. 19. August 2026
    Polizei informiert

    Pressesprecher zeigt die Softair-Waffe im Vergleich zu einer echten Beretta 92.

  3. 20. August 2026
    Gegen-Darstellung

    Münchner Linke und Kurdisches Zentrum veröffentlichen abweichende Version: Waffe bereits niedergelegt.

  4. 22. August 2026
    Demonstration

    Rund 100 Menschen protestieren in München gegen Polizeigewalt.

  5. 24. August 2026
    GdP-Stellungnahme

    Landeschef Leitner weist Rassismus-Vorwürfe zurück und nennt sie eine Frechheit.

Aussage gegen Aussage

Zum Hergang stehen sich unterschiedliche Schilderungen gegenüber. Die Polizei erklärt, der Jugendliche habe einen waffenähnlichen Gegenstand gezogen, eine Bewegung wie beim Durchladen ausgeführt und sich mit erhobener Waffe zu den Beamten gedreht. Eine Mitarbeiterin eines nahen Waschsalons berichtet BR24 von einer Videoaufnahme, die den Jugendlichen mit der Waffe auf Bauchhöhe und eine Durchladebewegung zeigen soll – die Aufnahmen enden jedoch vor der entscheidenden Begegnung.

Die Mutter des Jungen schilderte bei München.TV, ihr Sohn habe die Arme hochgenommen und gerufen, die Waffe sei ein Spielzeug – da sei der Schuss bereits gefallen. Die Münchner Linke und das Kurdische Zentrum gehen noch weiter: Der Schüler habe die Waffe bereits niedergelegt gehabt. Die Polizei hält dagegen: Er habe sie noch in der Hand gehalten, als der Schuss fiel.

Protest und politische Forderungen

Am Samstagabend demonstrierten rund 100 Menschen in München gegen das Vorgehen der Polizei und gegen aus ihrer Sicht rassistische Polizeigewalt; die Kundgebung verlief friedlich. Die Stadtratsfraktionen Grüne/Rosa Liste und SPD fordern ein Verkaufsverbot für Spielzeug- und Softair-Waffen, die nicht unmittelbar von echten Schusswaffen zu unterscheiden sind.

Die Forderung zielt auf den Bund, den Freistaat und den Deutschen Städtetag: Solche Waffen sollen nicht mehr verkauft werden dürfen. Der 14-Jährige war wegen eines anderen Vorfalls polizeibekannt. Sein Asylantrag war abgelehnt worden, gegen die Ablehnungen laufen Klagen; das Verwaltungsgericht München gab einem Eilantrag statt, sodass die Familie weiter rechtmäßig in Deutschland bleiben darf.

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Debatte um Taser-Einsatz

In der Debatte kam auch die Frage auf, warum der Jugendliche nicht mit einem Taser außer Gefecht gesetzt wurde. Der Kreisvorsitzende der Münchner Linken, Johannes König, kritisierte, es müsse Alternativen zu diesem potenziell tödlichen Vorgehen geben. Münchens Polizeipräsident Thomas Hampel bezeichnete den Schuss in dieser Situation als alternativlos.

Einsatztrainer Birk Petrak erläuterte laut Süddeutscher Zeitung, Taser seien derzeit nur in geschlossenen Einheiten wie der Einsatzhundertschaft im Einsatz; bayerische Streifenpolizisten seien in der Regel gar nicht mit den Geräten ausgestattet. Der bayerische DPolG-Landesvorsitzende Jürgen Köhnlein stellte sich hinter den Einsatz: In Situationen mit Schusswaffen oder Messern sei jede Distanz unter sieben Metern absolut lebensbedrohlich.

Wenn man die Hände hebt und stehenbleibt, wird kein Polizist schießen.
Jürgen Köhnlein, DPolG-Landesvorsitzender Bayern

Die Ermittlungen laufen: Das Landeskriminalamt prüft den Schusswaffeneinsatz, die Staatsanwaltschaft hat Vorermittlungen eingeleitet. Gegen den Jugendlichen wird wegen Bedrohung ermittelt; der Beamte hat bislang Zeugenstatus.