Baerbock wird Professorin an Columbia University – keine Genehmigung nötig
Nach dem Ende ihrer Amtszeit als UN-Generalversammlungspräsidentin wechselt Annalena Baerbock im Herbst 2026 an die Columbia University. Die dreijährige Professur für Global Leadership ist eine praxisorientierte Vollzeitstelle – eine Genehmigung der Bundesregierung braucht sie dafür nicht mehr.
Trotz der jüngsten Kritik aus Washington und Moskau an ihrer Amtsführung als UN-Generalversammlungspräsidentin wechselt Annalena Baerbock im Herbst 2026 an die Columbia University. Die 45-Jährige wird dort Professorin für Global Leadership und Co-Direktorin des Masterprogramms „Master of Public Administration in Global Leadership“. Zuerst hatte Table Media über die Personalie berichtet, die Deutsche Presse-Agentur bestätigte sie anschließend aus informierten Kreisen.
Offiziell bestätigt war der Wechsel zunächst nicht: Anfragen an die Columbia University und die UN blieben laut Table Media unbeantwortet. Auch Baerbock selbst äußerte sich bislang nicht, wie Zeit Online am Montag meldete.
Die Stelle ist an der School of International and Public Affairs (SIPA) angesiedelt und als „Professor of Professional Practice“ ausgewiesen – ein Titel für erfahrene Praktiker außerhalb der Wissenschaft. Auch Hillary Clinton trägt ihn an der Columbia University; Madeleine Albright hatte eine vergleichbare Professur an der Georgetown University inne, wie t-online berichtet.
Professur für Global Leadership an der SIPA
Die Berufung ist auf drei Jahre angelegt und als praxisorientierte Vollzeit-Professur konzipiert, keine klassische Forschungsprofessur. Das Masterprogramm richtet sich an Führungskräfte mit mindestens zehn Jahren Berufserfahrung. Baerbock soll in ihren Vorlesungen unter anderem Fragen der internationalen politischen Führung behandeln.
Zusätzlich wird die frühere Außenministerin als Vortragsrednerin arbeiten. Dass sie sich in New York wohlfühlt, hatte Baerbock schon kurz nach ihrem Amtsantritt als UN-Präsidentin betont: Die Anonymität der Metropole sei für sie befreiend.
„Für mich ist das ehrlich gesagt auch manchmal sehr befreiend.“
Erst in der vergangenen Woche hatten die USA und Russland Baerbock vorgeworfen, ihre Kompetenzen überschritten zu haben. Hintergrund ist ihr Drängen auf ein transparentes Auswahlverfahren für die Nachfolge von UN-Generalsekretär António Guterres – inklusive der Forderung, erstmals eine Frau an die Spitze der Vereinten Nationen zu wählen.
Auch innenpolitisch steht Baerbock unter Druck: Die Union hatte nach dem Scheitern bei der Wahl um einen nicht-ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat eine Befragung der früheren Außenministerin gefordert. Baerbocks Amtszeit als Präsidentin der Generalversammlung endet offiziell am 8. September 2026; Nachfolger wird Khalilur Rahman aus Bangladesch.
Baerbock war im Juni 2025 mit überwältigender Mehrheit zur Präsidentin der UN-Generalversammlung gewählt worden und trat das Amt Anfang September 2025 an – als erst fünfte Frau an der Spitze des Gremiums. Ihre Zeit in New York war geprägt von internationalen Krisen und zunehmenden Spannungen im multilateralen System; sie setzte sich unter anderem für Frauenrechte, Klimaschutz und nachhaltige Entwicklung ein.
Keine Genehmigung nötig
Formal braucht Baerbock für die neue Tätigkeit keine Genehmigung der Bundesregierung: Die Karenzzeit für ehemalige Ministerinnen und Minister endet nach 18 Monaten im Herbst 2026. Die Professur fällt damit nicht mehr unter die Regelungen für frühere Regierungsmitglieder.
Baerbock war von 2021 bis 2025 Außenministerin im Kabinett Scholz und anschließend zur UN-Generalversammlungspräsidentin gewählt worden. Die Stelle an der SIPA ist als praxisorientierte Vollzeit-Professur konzipiert; zusätzlich wird sie als Vortragsrednerin arbeiten.
Baerbocks Weg an die Columbia University
Juni 2025
Wahl zur UN-Generalversammlungspräsidentin
Baerbock wird mit überwältigender Mehrheit gewählt.
September 2025
Amtsantritt als fünfte Frau
Baerbock tritt das Amt an und leitet die Generalversammlung.
21. August 2026
Vorwürfe aus USA und Russland
Washington und Moskau werfen ihr Kompetenzüberschreitung bei der Guterres-Nachfolge vor.
24. August 2026
Berichte über Professur
Table Media meldet den Wechsel an die Columbia University; dpa bestätigt.