Rapper und Punksänger Swiss hat beim „Spirit Festival“ auf den Festwiesen Loburg nahe Magdeburg AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund frontal attackiert – nur rund zwei Wochen vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September 2026. Vor knapp 6000 Besuchern fragte der Musiker laut WELT zunächst: „Wisst ihr schon, wen ihr wählt?“ und legte nach:
„Es gibt Leute, die können noch so viele Duftkerzen verkaufen, wie sie wollen, sie werden immer nach brauner Scheiße stinken.“
Einen Namen nannte er dabei nicht, die Spitze zielte laut WELT aber eindeutig auf den AfD-Politiker. Anschließend ließ Swiss die Menge „Jeder Nazi ist ein Hurensohn“ skandieren.
Das Festival mit klarer Haltung
Das „Spirit Festival“ fand vom 20. bis 22. August auf den Festwiesen Loburg statt und wirbt mit vier Grundregeln: „Keine Nazis, keine Glasflaschen, keine Hunde, kein Aggroscheiß.“ Neben Swiss traten in diesem Jahr unter anderem die US-Melodic-Hardcore-Band Ignite, die Ska-Punk-Band Sondaschule sowie Knorkator auf – jene Band, die sich 2000 anschickte, Deutschland beim Eurovision Song Contest zu vertreten, im Vorentscheid aber an Stefan Raab scheiterte.
Wer ist Ulrich Siegmund?
Ulrich Siegmund, 35 Jahre alt, ist Spitzenkandidat der AfD für die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September 2026, zugleich Landesvorsitzender der Partei und Co-Vorsitzender der AfD-Landtagsfraktion. Er inszeniert sich im Wahlkampf als volksnaher „Gute-Laune“-Kandidat – fährt mit der Simson durchs Land, setzt stark auf soziale Medien (über eine halbe Million Instagram-Follower).
Seine Partei führt die Umfragen deutlich an – zuletzt mit 41 Prozent, während die CDU des amtierenden Ministerpräsidenten Sven Schulze bei 24 Prozent lag. Siegmund könnte damit der erste AfD-Ministerpräsident eines deutschen Bundeslandes werden, berichtet bluewin.ch.
Umfrage zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt
Zuletzt gemessene Werte, August 2026
Vom Duftmarketing zur Politik
Siegmund stammt aus Havelberg, wechselte 2014 von der CDU zur AfD und sitzt seit 2016 im Landtag. Vor seiner Politikkarriere war er Unternehmer im Marketingbereich und verkaufte laut NZZ unter anderem Raumdüfte – etwa Lavendel an Zahnarztpraxen, Orange oder Bergamotte an Fitnessstudios. Genau auf diese Vergangenheit im Duftmarketing zielte Swiss mit seiner „Duftkerzen“-Spitze. Bereits wenige Tage zuvor hatte CDU-Mann Philipp Amthor Siegmund als Duftkerzenverkäufer verspottet – wie jux.news berichtete.
Politisch ist Siegmund umstritten: Er nahm am geheimen Treffen in Potsdam im November 2023 teil, bei dem über „Remigration“ diskutiert wurde; der Verfassungsschutz Sachsen-Anhalt stuft den AfD-Landesverband seit November 2023 als „gesichert rechtsextremistische Bestrebung“ ein. Sein 100-Tage-Plan umfasst u. a. mehr Abschiebehaftplätze, eine Arbeitspflicht für Asylbewerber und ein Verbot von Regenbogenflaggen an Schulen.
Chronologie
- 2016Bachelorarbeit zum Duftmarketing
Ulrich Siegmund reicht seine Bachelorarbeit ein – Grundlage für Swiss' spätere „Duftkerzen“-Spitze.
- November 2023Potsdam-Treffen und Verfassungsschutz
Siegmund nimmt am geheimen Treffen teil; der AfD-Landesverband Sachsen-Anhalt wird als „gesichert rechtsextremistische Bestrebung“ eingestuft.
- 20.–22. August 2026Spirit Festival in Loburg
Das Festival findet auf den Festwiesen Loburg nahe Magdeburg statt.
- 22. August 2026Swiss attackiert Siegmund
Vor rund 6000 Besuchern attackiert Swiss den AfD-Spitzenkandidaten und lässt die Menge „Jeder Nazi ist ein Hurensohn“ skandieren.
- 6. September 2026Landtagswahl in Sachsen-Anhalt
Die AfD um Spitzenkandidat Siegmund führt die Umfragen mit 41 Prozent an.
Reaktionen und scharfer Ton im Wahlkampf
Der Angriff fällt in die heiße Phase des Landtagswahlkampfs. Die WELT ordnet ein, dass sich der Ton angesichts einer möglichen absoluten Mehrheit der AfD verschärft. Während Schauspieler wie Sandra Hüller und Christian Friedel mit dem Verein „Mehr als uns trennt“ an die „wahre Heimatliebe“ appellieren, wählt Swiss deutlich härtere Worte gegenüber Siegmund. Die rechte NZZ-Kolumne „Der andere Blick“ greift den Vorgang als Beispiel für „entwürdigende Sprache“ gegenüber der AfD auf.
Swiss selbst ist als Solorapper und Frontmann der Formation „Swiss und die Andern“ bekannt. Sieben seiner Alben erreichten die Top 10 der deutschen Album-Charts; mit „Erstmal zu Penny“ platzierte er sich im Frühjahr 2023 auf Rang 1. Beachtung fand auch die EP „Linksradikaler Schlager“, in deren Titelsong er etwa singt: „Man muss Nazis von den Straßen pogen, deutsches Blut auf deutschem Boden – ist der Schlager dir zu hart, bist du zu weich“.
Bis zur Landtagswahl am 6. September 2026 bleibt der Ton im Wahlkampf rau. Ulrich Siegmund könnte zum ersten AfD-Ministerpräsidenten gewählt werden – oder die anderen Parteien blockieren eine Regierungsbildung. Die Auseinandersetzung auf dem Festival zeigt, wie emotional die Debatte geführt wird.
