5000 Menschen bei AfD-Simson-Korso in Quedlinburg – Siegmund fährt selbst vor
In Quedlinburg endet die AfD-Wahlkampfserie „Simson-Ausfahrt“ mit einem Korso, den Ulrich Siegmund selbst anführt – während die Nachfahren der jüdischen Firmengründer gegen die Vereinnahmung protestieren.
Es sind Bilder, die an DDR-Nostalgie anknüpfen – und die Nachfahren der jüdischen Firmengründer protestieren: Rund 5000 Menschen haben am Sonntag in Quedlinburg AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund zugejubelt, als er auf einer hellblauen Simson zur Bühne fuhr. Es war die vierte und letzte Veranstaltung unter dem AfD-Motto „Simson-Ausfahrt“.
Siegmund, 35, steuerte die Maschine selbst – mit weißem Helm auf dem Kopf, wie Reporter vor Ort berichten. Die Menge skandierte „Uli, Uli, Uli“, schreibt BILD. Rund 5000 Besucher waren laut Reuters und Alexander-Wallasch.de gekommen; die Junge Freiheit spricht sogar von fast 10.000 Menschen.
Siegmund hielt nur eine kurze Ansprache von höchstens fünf Minuten. „Diese Simson-Kultur steht für individuelle Bewegungsfreiheit. Sie steht für eine Zeit, in der wir in diesem Land zusammengehalten haben“, zitierte ihn Reuters. Danach widmete er sich mindestens anderthalb Stunden einer über hundert Meter langen Selfie- und Autogrammschlange.
So lief der Tag in Quedlinburg
Nach den Reden setzte sich ein Motorradkorso mit mehreren hundert Simson- und Motorradfahrzeugen zu einer Ausfahrt durch den Harz in Bewegung. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite standen kaum hundert Gegendemonstranten aus dem Antifa-, Linken- und Grünen-Spektrum, abgeschirmt von einer knappen Hundertschaft Polizei. Laut Alexander-Wallasch.de machten sie keine Anstalten, die Veranstaltung zu stören.
Der Tag in Quedlinburg
23. August 2026, ca. 11 Uhr
Beginn der Simson-Ausfahrt
Siegmund trifft auf hellblauer Simson mit weißem Helm ein; rund 5000 Menschen bereits vor Ort.
23. August 2026, mittags
Kurze Rede und Autogramme
Siegmund spricht fünf Minuten, danach rund 1,5 Stunden Selfie- und Autogrammschlange.
23. August 2026, Nachmittag
Ausfahrt durch den Harz
Mehrere hundert Maschinen fahren durch den Harz; Gegendemonstranten bleiben abgeschirmt.
24. August 2026
Medien berichten
Reuters, BILD, t-online, Junge Freiheit und andere greifen das „Phänomen Siegmund“ auf.
Tillschneider und Weidel: Diktatur-Vorwurf und Regierungsanspruch
Auf der Bühne in Quedlinburg trat auch Hans-Thomas Tillschneider auf. Er rief der Menge zu: „Wir sind für euch – und sie sind gegen uns, weil wir für euch sind.“
„Das ist Diktatur, das ist Tyrannei.“
Hans-Thomas Tillschneider, AfD-Politiker in Sachsen-Anhalt
Laut Reuters könnte die AfD damit erstmals seit der NS-Zeit auf Landesebene an die Macht kommen. Nach der Wahl in Sachsen-Anhalt folgen am 20. September die Wahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern.
Markenfamilie protestiert gegen AfD-Vereinnahmung
Die Simson-Kampagne ist kein Zufall: Die AfD nutzt die „Vespa des Ostens“ gezielt, um an DDR-Identitätsgefühl anzuknüpfen. Die in den USA lebenden Nachfahren der Firmengründer – ursprünglich jüdische Waffenfabrikanten, die vor den Nazis flohen – verurteilen die Vereinnahmung. Familiensprecher Dennis Baum sagte laut Reuters bei einer Anti-AfD-Kundgebung im Vormonat: „Die Drohungen gegen Einwanderer, Menschen anderer Hautfarbe und sexuelle Minderheiten sind etwas, an dem wir nicht teilhaben wollen.“
Das Zentrum für interkulturellen Dialog Dresden (ZVID) hat deshalb eine Online-Petition mit rund 24.000 Unterzeichnern gestartet. Sie soll den Markenrechtsinhaber zu einer Unterlassungsaufforderung an die AfD bewegen.
Ob der Protest der Markenfamilie die Kampagne stoppt, ist offen. Sicher ist: Am 6. September entscheidet sich in Sachsen-Anhalt, ob die AfD erstmals auf Landesebene regiert.