Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Ferat Koçak wegen Urkundenfälschung
Bild: KI-generiert
Justiz

Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Ferat Koçak wegen Urkundenfälschung

Die Berliner Staatsanwaltschaft hat ein Ermittlungsverfahren gegen den Linken-Bundestagsabgeordneten Ferat Koçak eingeleitet. Auslöser ist ein selbst gebastelter Bundestagsausweis, der für ein YouTube-Video angefertigt wurde.

Veröffentlicht
JUX auf Google folgen

Die Berliner Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Linken-Bundestagsabgeordneten Ferat Koçak wegen des Anfangsverdachts der Urkundenfälschung. Das bestätigte ein Behördensprecher am Mittwoch, dem 26. August 2026. Zuvor hatte die B.Z. über den Fall berichtet, danach zogen unter anderem WELT und die Deutsche Presse-Agentur nach.

Konkret geht es um einen selbst gebastelten Ausweis, der als „Bundestagsausweis“ beschriftet war. Den soll Koçaks Büro für einen Social-Media-Dreh angefertigt und anschließend dem Betreiber eines Neuköllner Spätkaufs überlassen haben. Dieser, Haydo Caglar (35), versuchte am 17. März 2026, mit dem Dokument ein Gebäude des Bundestages zu betreten. Der Zutritt wurde verweigert.

Die Urheberschaft des Dokuments wurde nach Angaben aus einem internen Protokoll festgestellt. Als Polizisten Koçak mit den Vorwürfen konfrontierten, soll er seine Verantwortung eingeräumt und auf die Social-Media-Aktion verwiesen haben. Das berichtet die B.Z. unter Berufung auf das Protokoll.

Der umstrittene Rollentausch

Anlass der Aktion ist ein Video mit dem Titel „Ferat Tausch“, eine Anspielung auf das TV-Format „Frauentausch“. Darin arbeitet Koçak einen Tag lang in einem Kiosk in Neukölln, während der Spätkaufbesitzer Caglar den Tag als Besucher im Deutschen Bundestag verbringt. Das Video wurde im April 2026 auf Koçaks YouTube-Kanal veröffentlicht.

Um den Rollentausch zu inszenieren, überreichte Caglar dem Abgeordneten ein Namensschild mit dem Logo seines Kiosks. Im Gegenzug erhielt der Kioskbesitzer nach Darstellung des Büros „symbolisch“ eine grüne Karte mit der Aufschrift „Bundestagsausweis“. Diese habe „ausdrücklich nicht dem offiziellen Bundestagsausweis“ geähnelt.

Bruder, Du sollst Merz Feuer unter dem Hintern machen und CDU und SPD zeigen, wie das Stadtbild in Neukölln aussieht.
Ferat Koçak im Video zu Haydo Caglar

Das Büro Koçaks betont, der Kioskbesitzer sei ordnungsgemäß angemeldet gewesen und habe den Bundestag „ganz regulär unter Vorlage seines amtlichen Ausweisdokuments“ betreten. Die als Requisite angefertigte Karte sei beim Einlass wahrgenommen worden. „Aus diesem Umstand entstand offenbar der nun erhobene Vorwurf“, teilte das Büro mit.

Staatsanwaltschaft bestätigt Ermittlungen

Die Berliner Staatsanwaltschaft bestätigte gegenüber mehreren Medien, dass gegen einen 47-jährigen Abgeordneten des Bundestages ein Ermittlungsverfahren wegen des Anfangsverdachts der Urkundenfälschung eingeleitet wurde. Den Namen nannte die Behörde nicht; dass es sich um Koçak handelt, bestätigte dieser am Mittwoch selbst.

Koçak zeigte sich im Gespräch mit rbb24 „geknickt“ und räumte ein, es sei „nicht gut gewesen, dass das Requisit zu sehen war beim Betreten des Bundestagsgebäudes“. Urkundenfälschung habe er nicht im Sinn gehabt. Die Pressestelle der Linken-Fraktion hatte zuvor eine Stellungnahme abgelehnt und an das Abgeordnetenbüro verwiesen.

Chronologie der Affäre

  1. 17. März 2026
    Gefälschter Ausweis

    Haydo Caglar versucht, mit dem selbst gebastelten „Bundestagsausweis“ ein Bundestagsgebäude zu betreten. Der Zutritt wird verweigert, die Urheberschaft festgestellt.

  2. April 2026
    Video veröffentlicht

    Das Social-Media-Video „Ferat Tausch“ erscheint auf Koçaks YouTube-Kanal.

  3. 25. August 2026
    B.Z. fragt nach

    Die Linken-Fraktionspressestelle verweigert gegenüber der B.Z. einen Kommentar und verweist an das Abgeordnetenbüro.

  4. 26. August 2026
    Ermittlungen bekannt

    B.Z. berichtet zuerst über die Ermittlungen; die Staatsanwaltschaft bestätigt das Verfahren, Koçak äußert sich öffentlich.

Wie es weitergeht

Sicherheitsexperten äußerten laut B.Z. Zweifel am angeblichen Social-Media-Experiment. Mit einem gefälschten Ausweis hätte ein Unbekannter Zutritt zum Parlament ohne entsprechende Überprüfung erhalten können, hieß es. Ein Sprecher verwies darauf, dass auch bei Gastanmeldungen eine Zuverlässigkeitsüberprüfung durchgeführt werde.

Ob die Staatsanwaltschaft Koçaks Darstellung folgt, ist offen. Ein Anfangsverdacht bedeutet nicht, dass eine Straftat feststeht; er markiert lediglich den Beginn eines Ermittlungsverfahrens. Als Nächstes muss der Immunitätsausschuss des Bundestages entscheiden, ob er die Immunität Koçaks aufhebt, damit weiter ermittelt werden kann.

Umfrage
Lädt