20 Unternehmen knicken vor Campacts YouTube-Sperrliste ein
Campact setzt deutsche Konzerne unter Druck: 20 Unternehmen passen ihre YouTube-Werbung an, um auf 62 gelisteten Kanälen nicht mehr ausgespielt zu werden – darunter Aldi Süd, dm und Edeka. Kritiker sprechen von Erpressung und einem Angriff auf die Pressefreiheit.
20 große Unternehmen geben dem Druck der linken Kampagnenorganisation Campact nach: Aldi Süd, dm, Edeka, Procter & Gamble und 16 weitere Marken wollen ihre YouTube-Werbung künftig nicht mehr auf 62 politisch unliebsamen Kanälen ausspielen lassen. Das geht aus einer am 26. August veröffentlichten Liste der Jungen Freiheit hervor.
Hintergrund ist eine Mitte August gestartete Campact-Kampagne. Die Organisation hatte zuvor bereits drei Millionen Euro in den Anti-AfD-Wahlkampf investiert. Nun schrieb sie rund 90 Unternehmen an und forderte sie auf, Werbung auf 62 YouTube-Kanälen zu sperren. Diese Kanäle verbreiten aus Sicht von Campact „Hass- und Hetzvideos“, unterstützten die AfD oder hetzten gegen Minderheiten.
44 der 62 Angebote ordnet die NGO der AfD zu – darunter die offiziellen Kanäle von Alice Weidel, Björn Höcke und Ulrich Siegmund sowie Nius, Apollo News, Tichys Einblick und die Weltwoche. Die WELT hatte die Sperrliste am 25. August öffentlich gemacht. Campact hatte zuvor das Online-Tool „Adwatch“ eingerichtet, über das nach NGO-Angaben rund 15.000 Unterstützer knapp 40.000 Werbeanzeigen meldeten.
Chronologie der Druckaktion
Die Kampagne folgt einem engen Zeitplan: Vom ersten Schreiben bis zur Veröffentlichung der Unternehmensliste vergingen nur elf Tage. Die taz hatte am 21. August erstmals berichtet, zu diesem Zeitpunkt wollten 18 Unternehmen ihre Sperrlisten anpassen.
Die Campact-Kampagne im Zeitraffer
15. August 2026
Campact verschickt Schreiben
Rund 90 Unternehmen werden aufgefordert, Werbung auf 62 YouTube-Kanälen zu sperren.
21. August 2026
taz berichtet erstmals
18 Unternehmen wollen Sperrlisten anpassen, 10 prüfen den Schritt.
25. August 2026
WELT veröffentlicht Sperrliste
Die 62 Kanäle werden öffentlich; Max Mannhart erfährt erst jetzt von der Einstufung von Apollo News.
26. August 2026
Junge Freiheit nennt Unternehmen
Liste der 20 anpassenden und 9 prüfenden Firmen erscheint.
Diese Unternehmen knicken ein
Zu den 20 Unternehmen, die laut Campact ihre Werbe-Sperrlisten anpassen wollen, gehören Aldi Süd, Kleinanzeigen, Indeed, XXXLutz, DEVK, Constantin Film, Wolt, Bergfreunde, Immowelt, Euronics, Axa, die Berliner Wasserbetriebe, Milram, dm, ImmoScout, Edeka, FlixTrain, BiFi, Klosterfrau und Procter & Gamble.
Neun weitere Firmen wollen den Schritt zunächst prüfen: Miniatur Wunderland, LG Electronics, Krombacher, Sparkasse, Sumup, Lenor, Rewe, Booking und Samsung. Campact spricht von „knapp 30 Unternehmen“, die innerhalb der ersten Woche „Konsequenzen gezogen“ oder Schritte angekündigt hätten.
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Was Campact sagt
Campact verteidigt das Vorgehen gegen den Vorwurf, unliebsame politische Stimmen ausschalten zu wollen. Man unterscheide zwischen politischer Zuspitzung und Inhalten, bei denen eine Grenze überschritten werde – etwa NS-Parolen, Hetze gegen Minderheiten oder systematische Falschinformationen.
„Kein Unternehmen würde freiwillig sein Logo neben Hass, Hetze und Verschwörungstheorien aufhängen. Auf YouTube passiert genau das – und zwar jeden Tag. Dabei sind Unternehmen dem YouTube-Algorithmus nicht hilflos ausgeliefert. Sie können Hetzkanäle bei der Werbeschaltung ausschließen.“
Apollo-News-Chefredakteur Max Mannhart erfuhr eigenen Angaben zufolge erst durch eine WELT-Anfrage von der Einstufung seines Mediums als „AfD-Vorfeld“. Er kritisiert den Vorgang scharf.
„Die Finanzierung freier Presseorgane durch Druck auf Werbekunden anzugreifen, ist skandalös und eine abstoßende Methode, die sich gegen den Gedanken der Pressefreiheit wendet.“
Max Mannhart, Chefredakteur Apollo News
Der AfD-Landtagsabgeordnete Jens-Christoph Brockmann sagte: „Die einen erpressen Schutzgeld, die anderen politisches Wohlverhalten. Beide sind Gangstermethoden!“ Auch die WELT moniert, die Kriterien für die Einstufungen seien undurchsichtig und nachvollziehbare Beweisführungen fehlten.