Anwohner stürmen Migrantenlager in Ceuta und setzen Hütten in Brand
In Ceuta haben Anwohner das improvisierte Migrantenlager am Strand Benítez gestürmt und Hütten angezündet. Zuvor blockierten sie einen Hilfskonvoi des Roten Kreuzes. Die Polizei setzte Tränengas und Gummigeschosse ein.
In der spanischen Nordafrika-Exklave Ceuta haben Anwohner am Donnerstag das improvisierte Migrantenlager am Strand Benítez gestürmt und mehrere Hütten in Brand gesetzt. Zuvor hatten rund 50 bis 100 Bewohner mit einer Sitzblockade einen Konvoi des Roten Kreuzes gestoppt, der Lebensmittel und Wasser verteilen wollte.
Die Demonstranten forderten die sofortige Rückführung der Migranten nach Marokko. Sie skandierten Parolen wie „Sie sollen gehen!“, „Raus mit dem Roten Kreuz!“ und „Ceuta wird nicht verkauft, Ceuta verteidigt sich“. Viele schwenkten spanische Flaggen.
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Nach der Blockade überwanden einige Demonstranten die Polizeisperre und drangen auf die Playa Benítez vor. Dort zerstörten sie die improvisierten Behausungen der Migranten und warfen Gegenstände in die Flammen. Die Polizei trennte die Gruppen und setzte Tränengas sowie Gummigeschosse ein.
Auslöser: Massenansturm Ende Juli
Hintergrund ist der Massenansturm Ende Juli, als rund 70.000 bis 80.000 Migranten von Marokko aus nach Ceuta kamen – viele schwimmend. Mindestens 96 Menschen starben. Die meisten kehrten kurz darauf zurück, doch mehrere Tausend harren weiter in der Exklave aus; Schätzungen reichen von 5.000 bis 8.000.
Bereits am Mittwochabend war die Lage eskaliert: Nach einem Protest mit über 2.000 Anwohnern vor der Delegación del Gobierno versuchten rund 400 Menschen, auf Migranten an der Playa del Trampolín loszugehen. Sie warfen Decken und Matratzen ins Meer. Anschließend bewarfen Migranten im Stadtteil Benzú ein Militärfahrzeug mit Steinen; vier Soldaten wurden verletzt, zwölf Marokkaner festgenommen.
Chronologie der Eskalation
30. Juli 2026
Massenansturm
70.000 bis 80.000 Migranten überqueren die Grenze nach Ceuta, mindestens 96 sterben.
26. August 2026
Proteste und Angriff
Über 2.000 Anwohner protestieren, rund 400 dringen zum Strand vor; Militärfahrzeug mit Steinen beworfen.
27. August 2026
Lagerbrand
Anwohner blockieren Rotkreuz-Konvoi und stürmen Migrantenlager am Strand Benítez.
3. September 2026
Sánchez im Parlament
Ministerpräsident Pedro Sánchez will sich zur Ceuta-Krise erklären.
Politische Reaktionen
Die Regierung der Autonomen Stadt Ceuta rief zur Ruhe auf. Die PP-Sprecherin im Kongress, Ester Muñoz, bezeichnete die Lage als „die Folge einer unverantwortlichen und abwesenden Regierung“ und rief zugleich zu zivilem Widerstand auf.
„Die Folge einer unverantwortlichen und abwesenden Regierung.“
Ester Muñoz, PP-Sprecherin im spanischen Kongress
Podemos-Generalsekretärin Ione Belarra erklärte, „etwas sehr Tiefgreifendes“ sei in der Gesellschaft zerbrochen, wenn das Rote Kreuz daran gehindert werde, Menschen ohne etwas zu essen zu versorgen. Gesundheitsministerin Mónica García stellte sich hinter das Rote Kreuz.
Die für Finanzen zuständige Kissy Chandiramani sagte dem Sender SER, die Bürger fühlten sich „im Stich gelassen“. Hass werde die Krise nicht lösen. Ministerpräsident Pedro Sánchez steht wegen der Migrationspolitik unter starkem Druck; seine Regierung streitet zudem über Warnungen des Geheimdienstes.
Minderjährige und nächste Schritte
Unter den Migranten sind etwa 1.500 unbegleitete Minderjährige; die Polizei hat bereits mehr als 2.100 registriert. 500 besonders gefährdete Kinder und Jugendliche, vor allem Mädchen, sollen auf das spanische Festland gebracht werden – ein Plan, der auf Widerstand der Regionen stößt.
Die konservative PP fordert, die Menschen zurückzuschicken. Internationale Verträge und spanische Gerichtsurteile untersagen jedoch Kollektivabschiebungen und schreiben eine Einzelfallprüfung vor. Am 3. September will sich Sánchez im Parlament zu der Krise erklären.