Verurteilter Bankräuber kandidiert für AfD – Landeschef fordert Verzicht
Sascha Gläser überfiel 2012 eine Volksbank und wurde zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt. Jetzt tritt er für die AfD bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern an – die Parteispitze zeigt sich schockiert.
Ein ehemaliger Bankräuber will für die AfD in den Landtag von Mecklenburg-Vorpommern einziehen – und hat die Parteispitze damit kalt erwischt. Sascha Gläser, 41, ist Direktkandidat im Wahlkreis 7 in Rostock und stellvertretender AfD-Kreisvorsitzender. Am Freitag machte die Ostsee-Zeitung öffentlich, dass Gläser 2012 eine Volksbank-Filiale in Duisburg-Rumeln überfallen hatte.
Die Staatsanwaltschaft Duisburg bestätigte gegenüber BILD, dass Gläser mit Urteil vom 20. März 2013 wegen schwerer räuberischer Erpressung rechtskräftig zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten verurteilt wurde. Die vermeintliche Schusswaffe war nach früheren Berichten ein Feuerzeug in Pistolenform.
Innerhalb der AfD löste die Enthüllung Entsetzen aus. AfD-Co-Landeschef Enrico Schult sagte: „Das hat uns total überrascht. Ich bin völlig schockiert. In seinem polizeilichen Führungszeugnis stand nichts drin.“
Der Überfall auf die Volksbank
Am 19. Dezember 2012 betrat ein Mann um 14.45 Uhr die Volksbank-Filiale in Duisburg-Rumeln. Am Kassenschalter öffnete er seine Jacke, zeigte eine vermeintliche Schusswaffe und forderte Bargeld – ohne Maske. Die Polizei beschrieb den Täter als „gepflegte Erscheinung mit kurzen Haaren mit einem Ansatz von Geheimratsecken“.
Einen Tag später wurde Gläser vor einer Trinkhalle festgenommen. Das Amtsgericht Duisburg verurteilte ihn am 20. März 2013 zu zweieinhalb Jahren Freiheitsstrafe. Die Tatwaffe war ein Feuerzeug in Pistolenform, keine echte Schusswaffe.
Chronologie des Falls
19. Dezember 2012
Überfall auf Volksbank
Gläser erbeutet gegen 14.45 Uhr Bargeld mit einer vermeintlichen Schusswaffe.
20. Dezember 2012
Festnahme
Gläser wird vor einer Trinkhalle festgenommen.
20. März 2013
Verurteilung
Das Amtsgericht Duisburg verhängt zweieinhalb Jahre Freiheitsstrafe.
28. August 2026
Enthüllung
Die Ostsee-Zeitung macht die Vorstrafe öffentlich.
AfD wusste nichts von der Vorstrafe
Auf seiner Kandidatenseite warb Gläser mit seiner beruflichen Laufbahn: „Als gelernter Informationselektroniker, langjähriger Teamleiter und IHK-Ausbilder habe ich gelernt, auch in schwierigen Situationen Überblick zu bewahren.“ Von der Vorstrafe stand dort nichts.
Co-Landeschef Enrico Schult betonte, die Partei habe nichts gewusst: „In seinem polizeilichen Führungszeugnis stand nichts drin.“ Da die gesetzliche Fünfjahresfrist für den Verlust der Wählbarkeit abgelaufen ist und die Verurteilung wegen abgelaufener Tilgungsfristen nicht mehr im Führungszeugnis erscheint, blieb die Vergangenheit unentdeckt.
„Das hat uns total überrascht. Ich bin völlig schockiert. In seinem polizeilichen Führungszeugnis stand nichts drin. Da Herr Gläser nicht mehr vom Wahlzettel gestrichen werden kann, erwarten wir, dass er im Erfolgsfall auf das Mandat verzichtet, was er uns gegenüber bereits angekündigt hat. Zwar gilt er juristisch als resozialisiert, aber für Politiker gelten ganz klar andere Maßstäbe.“
Der Landesvorstand forderte Gläser zudem zu einer schriftlichen Stellungnahme auf. Schult zufolge soll Gläser bereits angekündigt haben, im Erfolgsfall auf das Mandat zu verzichten.
Scharfe Kritik aus dem Landtag
Die übrigen Fraktionen im Landtag warfen der AfD Scheinheiligkeit vor. CDU-Landeschef Daniel Peters spottete: „Die AfD gibt sich als Partei von Recht und Ordnung – und schickt einen verurteilten Bankräuber ins Rennen um den Landtag. Bürgerlich ist daran gar nichts.“
Auch Linke, SPD und Grüne forderten eine lückenlose Aufarbeitung. Michael Noetzel von der Linken sagte: „Die AfD ist ein echter Risikofaktor für unsere Gesellschaft.“ SPD-Landesgeneral Julian Barlen attackierte AfD-Co-Landeschef Leif-Erik Holm direkt: „Offensichtlich ist Herr Holm nicht mehr als das Feigenblatt einer gefährlich radikalen Truppe.“
Gläser selbst räumte die Tat gegenüber der Ostsee-Zeitung vollständig ein und nannte den Überfall den größten Fehler seines Lebens. „Rückblickend war die Tat Ausdruck einer persönlichen Krise und einer Flucht aus meinem Lebensumfeld“, erklärte er. Laut BILD lebte er in einer „toxischen Beziehung“ und wollte aus „schädlichen Strukturen“ ausbrechen.
Ob Gläser tatsächlich auf das Mandat verzichtet, falls er gewählt wird, bleibt offen. Da er nicht mehr vom Wahlzettel gestrichen werden kann, hängt alles an seiner Ankündigung – und am Vertrauen der Wähler, die am Wahltag über seine Kandidatur entscheiden.