Jeder vierte junge Mann wählt AfD – WELT-Report zeigt Rechtsruck der Generation Z
Bild: KI-generiert
Rechtsextremismus

Jeder vierte junge Mann wählt AfD – WELT-Report zeigt Rechtsruck der Generation Z

Ein WELT-Report zeigt, wie die extreme Rechte junge Menschen umwirbt: Jeder vierte Mann unter 25 wählte 2025 die AfD. Zugleich radikalisiert sich die AfD-Jugend – beim Bundeskongress forderte sie millionenfache „Remigration“.

Veröffentlicht
JUX auf Google folgen

25 Prozent der Männer unter 25 haben bei der Bundestagswahl 2025 die AfD gewählt – die extreme Rechte ködert eine ganze Generation. Am Sonntag veröffentlichte die WELT dazu den Report „Generation Rechts“, in der Welt am Sonntag unter dem Titel „Extrem jung“.

Der Report beginnt mit einer konkreten Person: Lilly Baginski, 23, aus Dresden, spricht im Großen Garten von der „Volksgemeinschaft“. Sie gehört den Jungen Nationalisten an, der Jugendorganisation der rechtsextremen Partei „Die Heimat“ (früher NPD). Die Autoren Alexander Dinger und Lennart Pfahler beschreiben, warum es der extremen Rechten gelingt, Jugendliche zu gewinnen.

Die Daten dahinter liefert eine Analyse des Deutschlandfunks: Bei der Bundestagswahl 2025 stimmten 25 Prozent der jungen Männer für die AfD, aber nur 13 Prozent der jungen Frauen. Umgekehrt wählten 37 Prozent der Frauen unter 25 die Linke, bei den jungen Männern nur 18 Prozent. In Ostdeutschland fällt die AfD-Präferenz junger Männer noch stärker aus.

AfD-Jugend feiert Radikale – und liefert Verbotsgründe

Unmittelbar vor dem WELT-Report versammelten sich am Samstag rund 300 Delegierte der AfD-Jugend „Generation Deutschland“ im Alten Theater in Magdeburg – wie jux.news bereits berichtete. Die Organisation ist Nachfolgerin der Jungen Alternative (JA), die das Bundesamt für Verfassungsschutz im März 2025 als gesichert rechtsextremistisch eingestuft hatte.

GD-Chef Jean-Pascal Hohm forderte dort millionenfache Rückführungen: „Deutschland muss das Land der Deutschen bleiben, dieser Grundsatz ist nicht verhandelbar.“ Der brandenburgische AfD-Abgeordnete Dennis Hohloch ergänzte: „Deutschland braucht keine 80 Millionen Einwohner, es kann auch mit 60 Millionen leben.“

Als „wie ein Popstar“ gefeiert wurde AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund. Er rief den Delegierten zu:

Wir werden hier in Sachsen-Anhalt so oder so Geschichte schreiben.
Ulrich Siegmund, AfD-Spitzenkandidat Sachsen-Anhalt

Sachsen-Anhalts AfD-Landeschef Martin Reichardt nannte den Staat einen „stinkenden, faulen Assi“ und diffamierte die Muttersprache als „aufgedunsenes, intersektional-feministisches Flittchen“. Beim Euro-Thema scheiterte Hohm mit einem Pro-Euro-Antrag am Widerstand der Basis. Die taz kommentierte, die AfD-Jugend liefere „Verbotsgründe“.

Der Gender-Gap: Junge Frauen links, Männer rechts

Die Politikwissenschaftlerin Gefjon Off warnt vor voreiligen Schlüssen: Junge Männer wählten die AfD nicht häufiger als Männer mittleren Alters. Kollege Reto Mitteregger von der Humboldt-Universität hat berechnet, dass nur vier Prozent der AfD-Wählerschaft Männer zwischen 18 und 24 Jahren ausmachen.

Am häufigsten wählen Männer zwischen 35 und 59 Jahren die AfD – rund 31 Prozent bei der Bundestagswahl 2025. Der vermeintliche Rechtsruck der Jugend ist also vor allem ein Männerthema, während junge Frauen deutlich linker wählen.

AfD-Wahl bei jungen Menschen (Bundestagswahl 2025)

Quelle: Deutschlandfunk, 28.08.2026

Die Strategie: Hitlerjugend-Ideologie trifft TikTok

Wie die extreme Rechte junge Menschen erreicht, erklärt die Politikwissenschaftlerin Andrea Röpke im WELT-Report. Ihr zufolge zielen ethnonationalistische Jugendbünde von vornherein darauf ab, dass die nächste Generation aus den eigenen Reihen zur politischen Elite wird.

Ethnonationalistische Jugendbünde wie die Heimattreue Deutsche Jugend oder der Jungadler zielen von vornherein darauf ab, dass die nächste Generation aus den eigenen Reihen dereinst zur politischen Elite gehört.
Andrea Röpke, Politikwissenschaftlerin und Rechtsextremismus-Expertin

Solche Gruppen vermittelten früh „verschworene Solidarität, absolute Loyalität und das Denken in politischen Feindbildern“. Die 2009 verbotene Heimattreue Deutsche Jugend (HDJ) war laut Bundesverwaltungsgericht der Blut-und-Boden-Ideologie verhaftet. Der Verfassungsschutz zählt aktuell 58.700 Rechtsextreme in Deutschland – die AfD gilt als stärkster Treiber.

Auch die Dresdner Neonazi-Gruppe „Elblandrevolte“ spricht über TikTok und Instagram gezielt Jugendliche an. Sie entstand Anfang 2024, hat nach Verfassungsschutz-Angaben bis zu 40 Mitglieder und wird vom Neonazi Finley Pügner geführt, zugleich JN-Landesleiter Sachsen.

Zeitgleich erschien das Buch „Generation rechts?“ des Augsburger Generationenforschers Rüdiger Maas. Die Süddeutsche Zeitung rezensierte es kritisch: Die Erkenntnisse seien überschaubar, Maas arbeite mit fiktiven Personen.

Was am 6. September auf dem Spiel steht

Eine Woche nach dem WELT-Report wählt Sachsen-Anhalt einen neuen Landtag. Die AfD liegt in Umfragen bei rund 40 Prozent und hofft erstmals auf eine absolute Mehrheit. Ulrich Siegmund will dann „so oder so Geschichte schreiben“.

Ob der Rechtsruck der Jugend die Wahl entscheidet, hängt vor allem an der Wahlbeteiligung der über 35-Jährigen – und daran, ob die von WELT und AfD-Jugend beschriebene Mobilisierung tatsächlich junge Nichtwähler an die Urnen bringt.