Eine Woche vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt setzt die AfD-Jugendorganisation Generation Deutschland auf maximale Konfrontation. Ihr Vorsitzender Jean-Pascal Hohm verlangt, dass Millionen Zugewanderte Deutschland verlassen.
Auf dem zweiten Bundeskongress der GD im Alten Theater in Magdeburg machte sich Hohm am Samstag das rechtsextreme Konzept der „Remigration“ zu eigen. „Millionen sind gegen unseren Willen, gegen Recht und Gesetz, gegen jede Vernunft in dieses Land gekommen“, sagte er laut n-tv.
Auch den Grundsatz formulierte er unmissverständlich: „Deutschland muss das Land der Deutschen bleiben, dieser Grundsatz ist nicht verhandelbar.“ Die AfD nannte er „Ausdruck des Lebenswillens unseres Volkes“.
„Millionen müssen dieses Land wieder verlassen.“
Siegmund als Popstar gefeiert
Am Nachmittag wurde Spitzenkandidat Ulrich Siegmund, der das Amt des Ministerpräsidenten anstrebt, von den rund 300 Teilnehmern wie ein Popstar empfangen. „Wir werden hier Geschichte schreiben“, rief er laut Deutschlandfunk.
„Wir werden hier Geschichte schreiben.“
Siegmund will erster AfD-Ministerpräsident werden. Ein Machtwechsel in Sachsen-Anhalt sei nur „ein erster Schritt – und dann geht es weiter: Es geht um ganz Deutschland“. Dem Handelsblatt zufolge zeigte er sich selbst für den Fall optimistisch, dass die AfD die absolute Mehrheit verfehle: „Dann klappt es halt bald in Thüringen, dann klappt es in Brandenburg, dann klappt es in Sachsen.“
Radikale Töne und interne Konflikte
Der AfD-Europaabgeordnete René Aust forderte Rückführungen auf gesamteuropäischer Ebene: Nötig sei nicht nur „Remigration, sondern europaweite Remigration“, Europa müsse zu einer „Festung Europa“ ausgebaut werden. „Niemand soll unseren Kontinent betreten, von dem wir nicht wollen, dass er unseren Kontinent betritt“, sagte Aust.
Der brandenburgische AfD-Landtagsabgeordnete Dennis Hohloch, der bereits im Wahlkampf Millionen Abschiebungen gefordert hatte, warnte davor, den demografischen Wandel durch Zuwanderung auszugleichen: „Deutschland braucht keine 80 Millionen Einwohner, es kann auch mit 60 Millionen leben. Wir brauchen die Zuwanderung nicht.“
Mit Jubel quittierten die Teilnehmer eine mit Schmähungen durchsetzte Rede von Sachsen-Anhalts AfD-Landeschef Martin Reichardt, dessen Landesverband in Umfragen bei rund 40 Prozent steht. Reichardt bezeichnete den Staat als „stinkenden, faulen Assi“ und die deutsche Sprache als „ein aufgedunsenes, intersektional-feministisches Flittchen“. „Die Zeit dieser verkommenen linken Zustände in Deutschland geht zu Ende“, rief er laut FOCUS online.
Vom Verfassungsschutz beobachtet
Die Generation Deutschland wurde im November 2025 als Nachfolgerin der AfD-Jugendorganisation Junge Alternative gegründet, die aufgelöst worden war, nachdem das Bundesamt für Verfassungsschutz sie als gesichert rechtsextremistisch eingestuft hatte. Die Sicherheitsbehörden haben auch die neue Organisation im Blick; das BfV geht von einer „programmatischen und personellen Kontinuität“ zwischen JA und GD aus.
Mehrere Landesämter, darunter Sachsen-Anhalt, stufen die GD wie die Mutterpartei als gesichert rechtsextrem ein. Die Organisation hat nach eigenen Angaben knapp 3.000 Mitglieder.
Beim Gründungsthema Euro wurden auf dem Kongress große Meinungsverschiedenheiten deutlich. Ein Antrag, sich gegen einen Euro-Austritt zu positionieren, wurde von GD-Chef Hohm zurückgezogen, nachdem sich Widerstand abzeichnete. Die AfD war 2013 als eurokritische Partei gegründet worden und hatte im Bundestagswahlprogramm 2025 bekräftigt: „Deutschland muss aus dem Euro-System austreten“.
Chronologie
- November 2025Gründung der Generation Deutschland
Die AfD-Jugendorganisation entsteht als Nachfolgerin der aufgelösten Jungen Alternative.
- Frühjahr 2026Ämterverbot für Kevin Dorow
Der frühere GD-Vorstand wird wegen des Verwendens verfassungswidriger Kennzeichen mit einem zweijährigen Ämterverbot belegt.
- 28. August 2026Recherche zu rechtsextremen Verbindungen
tagesschau, WDR, NDR und SZ veröffentlichen eine Recherche zur Rolle der GD als Scharnier zum Rechtsextremismus.
- 29. August 2026Zweiter Bundeskongress in Magdeburg
Rund 300 Teilnehmer, radikale Reden und Wahl von Tim Demuth; etwa 600 Gegendemonstranten.
- 6. September 2026Landtagswahl in Sachsen-Anhalt
Die AfD will mit Spitzenkandidat Siegmund erstmals den Ministerpräsidenten stellen.
Gegendemonstrationen bleiben ruhig
Die Gegendemonstrationen hielten sich in Grenzen. Nach Polizeiangaben waren über den Tag verteilt an verschiedenen Orten in Magdeburg rund 600 Menschen bei Kundgebungen gegen den Bundeskongress, die AfD und Rassismus dabei; aus polizeilicher Sicht blieb alles ruhig. In der Nähe des Theaters stand der Lautsprecher-Bus „Adenauer SRP+“ des Zentrums für Politische Schönheit; für ihn wurde eine Maximallautstärke verfügt.
Hohm mahnte die Delegierten zugleich zur Zurückhaltung bei körperlichen Auseinandersetzungen im Wahlkampf. Die AfD müsse sich hüten, das „historische Projekt“ einer Regierungsübernahme in Sachsen-Anhalt „für eine Prügelei mit der Antifa aufs Spiel zu setzen“. Wer sich aber in einer „Notwehrsituation“ verteidige, werde „immer den Rückhalt der GD und der Mutterpartei bekommen“.
