Ulrich Siegmund vor Machtübernahme als erster AfD-Ministerpräsident
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Landtagswahl

Ulrich Siegmund vor Machtübernahme als erster AfD-Ministerpräsident

In Sachsen-Anhalt könnte am 6. September Geschichte geschrieben werden: Ulrich Siegmund (35) führt die AfD mit 41 Prozent an und will als erster AfD-Ministerpräsident regieren – mit Plänen, die Verfassungsschutz und öffentlich-rechtlichen Rundfunk abschaffen wollen.

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Am 6. September könnte in Sachsen-Anhalt der erste AfD-Ministerpräsident der Bundesrepublik gewählt werden. Ulrich Siegmund, 35, führt seine Partei mit rund 41 Prozent in den Umfragen an, die CDU von Ministerpräsident Sven Schulze kommt nur auf 24 Prozent. Wie Reuters berichtet, wahlkämpft der 35-Jährige wie im Rausch. Die jüngste Umfrage zeigt zudem: Die SPD bangt um den Wiedereinzug.

Siegmund wurde 1990 in Tangermünde an der Elbe geboren und lebt dort bis heute mit seiner Ehefrau, einer Tochter und einer Stieftochter. Nach einer Ausbildung zum Kaufmann im Groß- und Außenhandel arbeitete er im Vertrieb und als Key-Account-Manager einer Augenklinik, parallel studierte er Wirtschaftspsychologie und BWL. Politisch startete er 2008 in der CDU, wechselte 2014 zur AfD und zog 2016 in den Landtag ein.

Instagram

Sein Wahlkampf setzt auf Nähe: Siegmund fährt mit einer Simson durchs Land, posiert für Selfies und wird von Anhängern teils wie ein Popstar empfangen. Auf Instagram folgen ihm mehr als 500.000 Menschen, auf TikTok laut 20 Minuten sogar über 750.000. Sein Wahlplakat verspricht schlicht: 'Alles wird gut.'

Umfrage vor der Landtagswahl Sachsen-Anhalt

AfD und CDU im Vergleich

Quelle: Reuters, August 2026

Vom CDU-Mitglied zum AfD-Spitzenkandidaten

Bereits 2008 trat Siegmund der CDU bei, sechs Jahre später wechselte er zur AfD. Seit 2022 ist er Co-Vorsitzender der Landtagsfraktion, gemeinsam mit Oliver Kirchner, und führt zugleich den Landesverband. Auch seine Familie ist politisch aktiv: Vater Andreas und Bruder Michael sitzen im Tangermünder Stadtrat.

Der Weg an die Macht

  1. 1990
    Geboren in Tangermünde

    Ulrich Siegmund kommt an der Elbe zur Welt.

  2. 2008
    Eintritt in die CDU

    Beginn der politischen Laufbahn.

  3. 2014
    Wechsel zur AfD

    Siegmund verlässt die Union.

  4. 2016
    Einzug in den Landtag

    Bachelorabschluss, Mandat in Magdeburg.

  5. November 2023
    Potsdamer Treffen

    Teilnahme am umstrittenen 'Remigration'-Treffen.

  6. 6. September 2026
    Landtagswahl

    Entscheidung über AfD-Regierung.

Was Siegmund als Ministerpräsident umsetzen will

Hinter dem freundlichen Auftritt stehen Forderungen, die weit über klassische AfD-Positionen hinausgehen. Für die ersten 100 Tage kündigt Siegmund mehr Abschiebungen und Abschiebehaftplätze, eine Arbeitspflicht für Asylbewerber sowie „Sonderklassen“ für Kinder von Geflüchteten an.

Besonders weit geht er beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk: Siegmund will die Medienstaatsverträge kündigen, die die rechtliche Grundlage für ARD und ZDF bilden. Die Abschaffung des Landesverfassungsschutzes hält er im Fall einer Regierungsübernahme für „denkbar“. Zudem sollen die Demokratieförderung gekürzt, ein bis zwei Ministerien gestrichen und Regenbogenflaggen an Schulen verboten werden.

Umstrittenes Umfeld und Reaktionen

Der Verfassungsschutz stuft den AfD-Landesverband seit November 2023 als 'gesichert rechtsextremistische Bestrebung' ein. Siegmund selbst nahm am Potsdamer Geheimtreffen teil, bei dem der Rechtsextremist Martin Sellner seinen 'Masterplan zur Remigration' vorstellte. Heute spricht Siegmund von einem 'Kaffeekränzchen'. Der Spiegel machte ihn auf dem Cover zum 'gefährlichsten Mann Deutschlands' – und der Chefredakteur verteidigte die Titelgeschichte trotz Kritik.

In Siegmunds engstem Umfeld sind mit Laurens Nothdurft und Patrick Harr zwei Männer aktiv, die früher der verbotenen rechtsextremen „Heimattreuen Deutschen Jugend“ angehörten. Ministerpräsident Sven Schulze wirft seinem Herausforderer eine geplante „politische Säuberung“ vor.

The AfD is a party that is capable of identifying many problems, without ultimately solving them.
Sven Schulze, CDU-Ministerpräsident Sachsen-Anhalt

Machtoptionen und Folgen für den Bund

Bei einer absoluten Mehrheit wäre Siegmunds Weg ins Ministerpräsidentenamt weitgehend klar. Wird die AfD nur stärkste Kraft ohne eigene Mehrheit, könnte er zwar Minister ernennen, müsste für Gesetze und Haushalt aber Mehrheiten organisieren – eine Minderheitsregierung droht in Blockaden zu enden. Alle anderen Parteien schließen eine Zusammenarbeit mit der AfD aus.

Siegmund selbst sieht den Wahlkampf in Sachsen-Anhalt als ersten Schritt zur Machtübernahme auf Bundesebene bei der Bundestagswahl 2029. Sollte er gewinnen, wäre er der mächtigste Mann der AfD – und stünde vor der Frage, ob seine radikalen Pläne im Landtag überhaupt umsetzbar sind.