Siegmund attackiert Merz: „Die Realität spricht eine eindeutige Sprache“
Der AfD-Spitzenkandidat weist die Investoren-Warnung des Kanzlers zurück und verspricht einen Wirtschaftsboom. Die CDU kontert: Siegmund sei nur eine „Marionette“ von Alice Weidel.
AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund macht Bundeskanzler Friedrich Merz persönlich für die Deindustrialisierung verantwortlich – und verspricht für Sachsen-Anhalt eine wirtschaftliche Blütezeit. Am Montag wies er die Warnung von Merz und Ministerpräsident Sven Schulze (beide CDU), internationale Investoren könnten sich bei einer AfD-Regierung zurückziehen, im WELT-TV-Interview zurück.
Siegmund erklärte, „Genau das Gegenteil“ werde passieren: Gerade Unternehmen aus konservativ regierten Ländern sähen eine AfD-Regierung als Wettbewerbsvorteil, wie hasepost.de berichtet. Als Beleg für die wirtschaftliche Misere nannte er die Lage unter der amtierenden Bundesregierung: „Betriebe schließen, Betriebe verlassen dieses Land.“
„Seine aktuelle Wirtschaftspolitik, die spricht hier eine eindeutige Sprache. Wir erleben gerade eine Deindustrialisierung in diesem Land. Betriebe schließen, Betriebe verlassen dieses Land. Das heißt, die Realität spricht hier eine eindeutige Sprache. Die AfD hat noch nicht regiert. Und trotzdem warnen hier alle vor unserer Regierungsverantwortung.“
Zugleich versprach Siegmund eine „wirtschaftspolitische Blütezeit“: Neue Arbeitsplätze würden entstehen, die Wertschöpfung vorangetrieben. Über höhere Steuereinnahmen werde man einerseits entlasten, andererseits investieren, so Siegmund laut WELT.
CDU-Gegenschlag: „Marionette“ und „Experimentierfeld“
Die CDU reagierte am selben Tag scharf. Ministerpräsident Sven Schulze nannte Siegmund im „Spiegel“ eine „Marionette“ von AfD-Bundessprecherin Alice Weidel – er wolle aus Sachsen-Anhalt heraus Einfluss in Berlin bekommen, heißt es im WELT-Liveticker.
„Am Ende ist doch Herr Siegmund nichts anderes als eine Marionette für ganz andere Menschen, vor allen Dingen für Frau Weidel, die aus Sachsen-Anhalt heraus Einfluss in Berlin bekommen will.“
Sven Schulze, Ministerpräsident Sachsen-Anhalt (CDU)
Am Abend wiederholte Merz bei einem gemeinsamen Auftritt mit Schulze in Quedlinburg seine Warnung – ohne die AfD namentlich zu nennen: „Sachsen-Anhalt darf kein Experimentierfeld für Wutbürger werden. Das geht am Ende zulasten der Bürger von Sachsen-Anhalt.“ Sollte das Land nach der Wahl unregierbar sein oder eine Mehrheit einer „rechtspopulistischen Partei“ feststehen, würden sich Investoren eine Investition zweimal überlegen.
Umfragen: AfD klar vor der CDU
Die Auseinandersetzung findet vor einer Wahl statt, deren Ausgang offen zu sein scheint. In den jüngsten Umfragen liegt die AfD deutlich vorn: Die Forschungsgruppe Wahlen (28. August) sieht sie bei 40 Prozent, Infratest dimap (26. August) bei 42 Prozent, Pollytix (12. August) bei 43 Prozent – die CDU kommt jeweils auf 22 bis 23 Prozent.
Der AfD-Landesverband Sachsen-Anhalt wird vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuft. Da keine Partei mit der AfD koalieren will, könnte sie die Macht nur über eine absolute Mehrheit bzw. Alleinregierung übernehmen – das erklärte Ziel Siegmunds.
Die Eskalation im Wahlkampf-Endspurt
30. August 2026
Merz warnt im ARD-Sommerinterview
Ein AfD-Sieg würde Sachsen-Anhalt erhebliche Probleme bringen bzw. erheblich schaden.
31. August 2026
Siegmund attackiert Merz
Im WELT-TV-Interview widerspricht der AfD-Spitzenkandidat den Investoren-Warnungen und macht die Bundesregierung für die Deindustrialisierung verantwortlich.
31. August 2026, 14:57 Uhr
Schulze kontert
Im „Spiegel“ nennt Sachsens Ministerpräsident Siegmund eine Marionette von Alice Weidel.
31. August 2026, 19:37 Uhr
Merz in Quedlinburg
Der Kanzler warnt: Sachsen-Anhalt dürfe kein Experimentierfeld für Wutbürger werden; Investoren würden sich Investitionen zweimal überlegen.
6. September 2026
Landtagswahl
In Sachsen-Anhalt wird ein neuer Landtag gewählt; die AfD liegt in Umfragen klar vorn.
Die offene Frage vor dem Wahltag
Um die absolute Mehrheit zu erreichen, müsste die AfD einen Großteil der unentschlossenen Wähler gewinnen. Siegmund setzt auf Wirtschaftsthemen und das Versprechen einer Trendwende, die CDU auf Warnungen vor einem Rechtsruck und wirtschaftlichen Risiken.
Umfrage
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Am Wahltag zeigt sich, ob Siegmunds Wirtschaftsversprechen mehr Wähler überzeugen als die Warnungen von Merz und Schulze.