Russland greift Kiew seit fünf Tagen mit schnellen Jet-Drohnen an. Eine neue FOCUS-Reportage zeigt: Viele Bewohner wissen bei Luftalarm nicht, wohin – die Bunker der Hauptstadt sind lückenhaft.
Seit fünf Tagen jagt Russland schnelle Jet-Drohnen auf Kiew – und viele Bewohner wissen bei Luftalarm nicht, wohin. Die neue Reportage von FOCUS+ zeigt die traurige Wahrheit über die Bunker der Hauptstadt.
Am 27. August erlebte Kiew 13 Luftalarme – so viele wie nie an einem Tag. Zusammen dauerten sie mehr als 14 Stunden. Binnen 33 Stunden zählte das Kyiv Post bereits 17 Alarme. Die Angriffe waren Teil einer landesweiten Welle, wie jux.news berichtete.
Russland setzt dabei eine neue Taktik ein: schnelle Jet-Drohnen mit bis zu 500 km/h, fast dreimal so schnell wie die bisherigen Schahed-Drohnen. Nach ukrainischen Angaben waren es im August bereits mehr als 2.500 solcher Drohnen, berichtet Die Presse aus Kiew. Ziel ist die dauerhafte Lähmung der Millionenmetropole.
Tödliche Bilanz des Daueralarms
Am Freitag, dem 29. August, wurde der Dauerangriff tödlich. Eine russische Drohne traf ein Munitionsdepot im Dorf Myla, rund fünf Kilometer westlich der Stadtgrenze, mitten in einem Wohngebiet. Mindestens 38 Menschen starben, mehr als 40 wurden verletzt – viele der Toten waren Bewohner eines Altenheims, wie ZDFheute berichtet.
Am Samstag starb zudem ein zweijähriges Mädchen durch herabstürzende Drohnentrümmer auf einer Uferpromenade im Norden Kiews. Acht weitere Menschen wurden verletzt.
Die Eskalation im Überblick
27. August 2026
13 Luftalarme an einem Tag
Rekord seit Kriegsbeginn; zusammen mehr als 14 Stunden.
29. August 2026
Angriff auf Munitionsdepot Myla
Mindestens 38 Tote, darunter viele Altenheimbewohner.
30. August 2026
Zweijähriges Mädchen getötet
Drohnentrümmer treffen Uferpromenade in Kiew.
31. August 2026
Klitschko will Regeln lockern
Metro soll über Dnipro-Brücken weiterfahren.
Warum Kiews Schutzräume versagen
Bei Luftalarm fährt die Metro nicht über die Dnipro-Brücken, der oberirdische Verkehr stoppt. Der Fluss teilt die Stadt in zwei Hälften – es bilden sich lange Staus, Geschäfte schließen. Die Reportage von FOCUS+ zeigt: Viele Luftschutzkeller erfüllen nicht die Sicherheitsstandards, etliche Bewohner bleiben in ihren Wohnungsfluren.
Auch tagsüber suchen nun Menschen in der Kiewer Metro Zuflucht. Der Handel ist paralysiert. Zum Schulbeginn am 1. September ist Präsenzunterricht nur in Schulen mit Schutzräumen erlaubt – doch viele Bunker erfüllen die Anforderungen nicht.
Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko will die Vorschriften deshalb anpassen: Die U-Bahn soll weiter über die Brücken fahren, bei Schulkindern stärker auf Online-Unterricht gesetzt werden. Der ukrainische Regierungschef Serhij Korezky sagt: „Die lang anhaltenden Luftalarme beeinträchtigen nicht nur die Sicherheit der Bürger, sondern auch den Betrieb von Unternehmen, die Logistik, den Verkehr sowie Schulen und Kindergärten.“
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Ein Wettlauf gegen die Zeit
Die Suche nach Sicherheit wird für viele Kiewer zum Wettlauf gegen die Zeit: Die Warnungen laufen nahezu pausenlos, die Angriffspausen sind minimal. Russland versucht, das Wirtschaftsleben der Hauptstadt und der Großstädte lahmzulegen. Während die Stadt über Lockerungen diskutiert, fliegen die Drohnen weiter.