Merz in Kühlungsborn mit Buhrufen und Beschimpfungen empfangen
Der Kanzler wurde bei seinem ersten Ost-Wahlkampfauftritt in Mecklenburg-Vorpommern ausgebuht und beschimpft. Ein angekündigtes Pressestatement fiel aus – die CDU liegt dort in Umfragen nur auf Platz vier.
Buhrufe, Pfiffe, „Kriegstreiber“-Rufe: Friedrich Merz (CDU) ist bei seinem ersten Wahlkampfauftritt im Osten in Kühlungsborn (Mecklenburg-Vorpommern) am Montag massiv angefeindet worden. Passanten beschimpften den Kanzler auf der Strandpromenade – ein angekündigtes Pressestatement fiel aus.
Wie t-online berichtet, riefen Passanten unter anderem „Kriegstreiber“, „Pinocchio“ und „Rücktritt“. Laut taz brüllte ein untersetzter Mann im grauen Muskelshirt zusätzlich „Vollidiot“ und „Wir wollen Alice Weidel!“. Rund 150 Schaulustige verfolgten, wie Merz mit CDU-Spitzenkandidat Daniel Peters und Staatsminister Philipp Amthor „flotten Schrittes“ ein kurzes Stück der Strandpromenade ablief.
Merz ließ sich nicht beirren und sprach an einem mit Polizeigittern abgeschirmten CDU-Wahlkampfstand über Absperrgitter hinweg mit Bürgerinnen und Bürgern. „Ich freue mich, wenn wir hier die Gelegenheit haben, Bürgerinnen und Bürger zu treffen“, sagte er zum Auftakt des Termins.
Der Besuch hatte bei Sonnenschein begonnen; als es nach draußen auf die Strandpromenade ging, zogen dunkle Wolken über der Ostsee auf, teils regnete, blitzte und donnerte es.
Der Tag in Kühlungsborn
31. August 2026, Vormittag
Fischrestaurant-Besuch
Merz isst ein Fischbrötchen und spricht mit Betreiber Roberto Keppler über Bürokratie.
31. August 2026, Mittag
Proteste an der Promenade
Rund 150 Menschen verfolgen, wie Merz ausgebuht und beschimpft wird; das Pressestatement fällt aus.
31. August 2026, Abend
Weiterreise nach Quedlinburg
Merz tritt in Sachsen-Anhalt mit Ministerpräsident Sven Schulze auf und warnt vor Wutbürgern.
Kein Pressestatement – keine Begründung
Eigentlich war ein Pressestatement des Kanzlers angekündigt. Es fand nicht statt; das CDU-Team lieferte auf Nachfrage zunächst keine Begründung, wie Focus meldet. Stattdessen redete Merz am Wahlkampfstand weiter mit Bürgern, während immer wieder Rufe und Pfiffe zu hören waren.
Aus dem Publikum meldeten sich auch Unterstützer zu Wort, die an den Anstand der lautstarken Merz-Gegner appellierten. Die Buhrufe blieben nicht unwidersprochen – der Termin wurde zum Stimmungstest für die CDU in Mecklenburg-Vorpommern, wo am 20. September ein neuer Landtag gewählt wird.
Fischbrötchen und Fischerei-Sorgen
Vor dem Promenadenauftritt hatte Merz gemeinsam mit Peters ein Kühlungsborner Fischrestaurant besucht und ein Fischbrötchen gegessen, das er als „exzellent gut“ kommentierte. Mit Betreiber Roberto Keppler sprach er über Bürokratie; dessen Sohn Paul, selbst Fischer, kritisierte Fangbeschränkungen, Personalmangel und Kegelrobben: „Geht es so weiter, wird es keine Küstenfischerei in Mecklenburg-Vorpommern mehr geben“, schimpfte er.
„Wir grenzen uns klar ab von linken und rechten Krakeelern.“
Daniel Peters, CDU-Spitzenkandidat Mecklenburg-Vorpommern
Merz hörte zu und verwies darauf, man müsse auch verstehen, woher die Probleme kämen; wichtig sei es aber, Bestände zu schützen. Amthor und Peters setzten zu Erklärungen an, gefolgt vom Standardsatz „Wir nehmen das mit.“
CDU in MV nur noch vierte Kraft
Die Proteste treffen die CDU in einer schwierigen Lage. In aktuellen Umfragen liegt die AfD in Mecklenburg-Vorpommern klar vorn, die SPD folgt, die Linke liegt vor der CDU. Die Zahlen im Überblick:
AfD: rund 36 Prozent
SPD: rund 29 Prozent
Linke: 11 bis 12 Prozent
CDU: 9 bis 10 Prozent
CDU-Landeschef Peters stellte sich in MV offen hinter den Kanzler und nannte die Vorschläge der Rentenkommission „allesamt in Ordnung“ – anders als Sachsens Ministerpräsident Sven Schulze, der sich von der Bundes-CDU abgrenzt. Bereits im August war Merz in Hürtgenwald mit Buhrufen und hupenden Traktoren empfangen worden.
Weiter nach Sachsen-Anhalt – Warnung vor Wutbürgern
Nach dem Termin reiste Merz weiter nach Sachsen-Anhalt, wo am kommenden Sonntag ein neuer Landtag gewählt wird. Am Abend trat er in Quedlinburg mit Ministerpräsident Sven Schulze auf und warnte: „Sachsen-Anhalt darf kein Experimentierfeld für Wutbürger werden.“
Damit wird der Wahlkampf im Osten für den Kanzler zur Belastungsprobe: Nach Kühlungsborn und Quedlinburg folgt am 20. September die Wahl in Mecklenburg-Vorpommern – jene Wahl, bei der die CDU nach den jüngsten Zahlen auf dem vierten Platz liegt.