Zwei Öltanker explodieren in der Straße von Hormus – Teheran droht Reedereien
Irans Revolutionsgarden melden zwei auf Minen gelaufene Tanker in der Straße von Hormus. Die Schiffe sollen unter US-Kontrolle eine verbotene Route genutzt haben – Teheran kündigt Strafmaßnahmen an.
Zwei Öltanker sind nach Angaben der iranischen Revolutionsgarden am Mittwoch in der Straße von Hormus auf Seeminen aufgelaufen, explodiert und manövrierunfähig liegen geblieben. Die Meldung aus Teheran widerspricht der US-Darstellung, die Meerenge sei längst minenfrei – und verschärft den Konflikt um die wichtigste Ölroute der Welt.
Die Revolutionsgarden (IRGC) teilten über staatliche Medien mit, die Schiffe hätten ihre Besatzungen von Bord gebracht und seien unter Kontrolle von US-Einsatzkräften eine von Teheran als „illegale Route" bezeichnete Passage gefahren, berichtet n-tv. Die Tanker hätten die Minen getroffen, seien explodiert, zum Stillstand gekommen und stünden in Flammen, zitiert die Nachrichtenagentur Anadolu aus der IRGC-Erklärung.
Weder Namen noch Flaggen noch die genaue Position oder mögliche Opfer der beiden Tanker nannten die Revolutionsgarden. Eine unabhängige Bestätigung des Vorfalls lag zunächst nicht vor.
Drohung an Reedereien
Die IRGC warnt die Handelsschifffahrt unmissverständlich: Wer statt der von Teheran als genehmigt betrachteten Route die „illegale Route" nutze und sich vom „Feind" täuschen lasse, müsse mit Konsequenzen rechnen. „Zusätzliche Strafmaßnahmen sind für Reedereien vorbereitet worden, die – statt die genehmigte Route zu nutzen – von den Vereinigten Staaten getäuscht werden und ihre Schiffe dem Feind zur Verfügung stellen. Diese Maßnahmen werden bald umgesetzt", zitiert Iran International aus der Erklärung.
Zugleich betonen die Revolutionsgarden, die jüngsten US-Militäraktionen würden Irans Kontrolle über die Straße von Hormus nicht schwächen. Die Marine der Revolutionsgarden habe zuvor vor den Gefahren einer Durchquerung der verminten Passage gewarnt.
US-Minenräumung als leeres Versprechen?
Die neue Meldung konterkariert eine Aussage von US-Präsident Donald Trump, der rund eine Woche zuvor erklärt hatte, alle Minen in den internationalen Gewässern von Hormus seien geräumt oder gesprengt worden. Am 28. August verkündete der Kommandeur des US Central Command (CENTCOM), Admiral Brad Cooper, offiziell, dass US-Kräfte – angeführt von Navy-Tauchern und SEALs – die von den Revolutionsgarden im Frühjahr verlegten Seeminen auf den Transitrouten geräumt hätten, berichtet Task & Purpose.
„Die Umstände waren herausfordernd und gefährlich, gelinde gesagt, aber wir haben die Aufgabe erledigt.“
Brad Cooper, Kommandeur des US Central Command (CENTCOM)
Irans Vizeaußenminister Kazem Gharibabadi hatte Trumps Behauptung bereits am 26. August zurückgewiesen: Niemand außer dem Iran wisse, wo die Minen lägen. Diese Darstellung erhält durch die IRGC-Meldung vom Mittwoch neues Gewicht.
Chronologie der Eskalation
Die Straße von Hormus ist im Krieg zwischen der Islamischen Republik und den USA zur zentralen Konfliktlinie geworden. Vor dem Angriff der USA und Israels auf den Iran Ende Februar 2026 wurde rund ein Fünftel des weltweiten Rohöls durch die Meerenge transportiert. Inzwischen meiden viele Reedereien die Passage ganz, während Washington und Teheran um die Deutungshoheit ringen – Trump will die Straße von Hormus sogar zum US-Territorium machen.
Die Minenkrise in der Straße von Hormus
26. August 2026
Trump erklärt Hormus für minenfrei
US-Präsident Donald Trump sagt, alle Minen in den internationalen Gewässern seien geräumt oder gesprengt. Irans Vizeaußenminister Gharibabadi widerspricht umgehend.
28. August 2026
CENTCOM meldet Abschluss der Räumung
Admiral Brad Cooper verkündet, Navy-Taucher und SEALs hätten die von der IRGC verlegten Seeminen auf den Transitrouten beseitigt.
2. September 2026
Zwei Tanker auf Minen
Die Revolutionsgarden melden, zwei Öltanker seien auf Seeminen gelaufen, explodiert und manövrierunfähig. Namen und Opfer bleiben offen.
Ob die Minen tatsächlich von den jüngsten US-Räumaktionen übrig geblieben sind – oder ob Teheran selbst nachgelegt hat –, ist offen. Für die Schifffahrt bleibt die Passage vorerst ein Hochrisikogebiet.