Für vier deutsche VW-Werke ist das Ende der Fahrzeugproduktion beschlossene Sache – zumindest im Vorstand. Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm sollen zwischen 2031 und 2034 auslaufen, wie die WirtschaftsWoche aus einem internen Papier berichtet.
Der Konzeptbeschluss trägt den Titel „Bericht zum Konzeptbeschluss Aufsichtsrat 3./4. September 2026“. Der Vorstand habe das Konzept einstimmig beschlossen und wolle es als Ganzes durch den Aufsichtsrat bringen, heißt es in dem Dokument.
Produktionsverlagerung: Nur ein Strang bleibt in Deutschland
- Emden (Ende 2031): ID.4-Nachfolger „ID.Tiguan“ geht nach Mladá Boleslav (Tschechien).
- Zwickau (Ende 2031): Audi-Q4-e-tron-Nachfolger künftig in Bratislava (Slowakei).
- Hannover (Ende 2032): Elektro-Transporterfamilie „B-Space“ (T8) geht nach Poznań (Polen).
- Neckarsulm (Ende 2034): Audi-A8-Nachfolger wandert nach Leipzig – der einzige Strang, der in Deutschland bleibt.
Damit verbliebe nur einer der vier betroffenen Produktionsstränge in Deutschland. In den vier Standorten arbeiten insgesamt rund 40.000 Menschen, meldet die Junge Freiheit.
Bereits im Juli hatte jux.news über Pläne für Werksschließungen und den Abbau von bis zu 100.000 Stellen berichtet: Vier Werke vor dem Aus: VW plant Schließungen und Abbau von 100.000 Stellen.
40.000 Jobs betroffen – VW rechnet mit weniger Absatz
In Emden und Zwickau waren Ende 2025 zusammen mehr als 15.700 Menschen beschäftigt, in Hannover rund 14.000 und im Audi-Werk Neckarsulm etwa 15.500. Der Konzern rechnet für 2026 weltweit nur noch mit rund 8,5 Millionen verkauften Fahrzeugen – etwa eine halbe Million weniger als im Vorjahr.
Der Stellenabbau ist bereits weiter fortgeschritten: Bis Jahresende sollen 50.000 gestrichene Stellen zu mehr als der Hälfte erreicht sein – es gibt bereits 37.000 unterschriebene Verträge, 63.000 stehen noch aus. Die Gemeinkosten liegen im Schnitt noch etwa 20 Prozent über der Zielmarke.
Widerstand von IG Metall und Politik
Die IG Metall spricht von einem Verstoß gegen Betriebsvereinbarungen und kündigt Widerstand an. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer sieht das Aus für Zwickau noch nicht besiegelt.
„Wir müssen entlang unseres Erfolgskonzepts für unseren Standort werben.“
Finanzvorstand Arno Antlitz hatte bei einer Betriebsversammlung in Hannover gesagt: „Aufgrund der großen Kostenunterschiede zu anderen europäischen Werken haben wir – aus heutiger Sicht – für vier deutsche Standorte keine wirtschaftliche Nachbelegung, wenn die aktuellen Produkte Anfang der 30er Jahre auslaufen.“
Der Vorstand könnte das „Leerlaufen“ der Werke laut WirtschaftsWoche sogar am Aufsichtsrat vorbei umsetzen, weil das Produktionsende laut Konzernsatzung nicht zu den zustimmungsbedürftigen Geschäften zählt. Die IG Metall in Wolfsburg widerspricht: „Der Vorstand kann zunächst vieles beschließen“, in Kraft trete das aber nicht automatisch.
Drei Beschlussentwürfe für den Aufsichtsrat
Am Freitag, 4. September 2026, kommt der VW-Aufsichtsrat zusammen. Dem Vernehmen nach liegen drei verschiedene Beschlussentwürfe vor – vom Vorstand, von der Arbeitnehmerseite und vom Land Niedersachsen, das 20 Prozent an VW hält. Ob sich die Parteien einigen oder der Richtungsstreit eskaliert, ist offen.
„Es ist ein großer Fehler der VW-Führung, Werke in Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm anzuzählen, 50.000 weitere Arbeitsplätze abbauen zu wollen und zugleich zu verkünden, die Umsatzrendite müsse von zuletzt 3,8 bis 2030 auf acht bis zehn Prozent steigen.“
Fahrplan bis 2034
Fahrplan bis 2034
- 1. September 2026WirtschaftsWoche berichtet erstmals
Aus dem internen Papier zum Konzeptbeschluss wird bekannt: VW-Vorstand beschließt Produktionsende für vier Werke.
- 2. September 2026Medien berichten, IG Metall kündigt Widerstand an
WELT, Deutschlandfunk, MDR und weitere greifen die Meldung auf; IG Metall spricht von Verstoß gegen Betriebsvereinbarungen.
- 3./4. September 2026Aufsichtsratssitzung
Drei Beschlussentwürfe liegen vor – Einigung oder Eskalation offen.
- 2031Produktionsende Emden und Zwickau
ID.Tiguan und Q4-e-tron-Nachfolger wandern ins Ausland.
- 2032Produktionsende Hannover
Elektro-Transporterfamilie B-Space geht nach Poznań.
- 2034Produktionsende Neckarsulm
Audi A8-Nachfolger wird künftig in Leipzig gebaut.
Wie es weitergeht
Ob der Aufsichtsrat den Vorstandsbeschluss absegnet oder die Arbeitnehmerseite sich durchsetzt, ist offen. Die Zeit drängt: Für Emden und Zwickau wäre der Produktionsstopp bereits in fünf Jahren.
