Russische Drohnen treffen Universität in Kyjiw mitten im Unterricht
Russische Drohnen treffen am siebten Tag in Folge die ukrainische Hauptstadt und beschädigen die Nationale Universität für Lebensmitteltechnologien. 160 Studierende überleben im Schutzbunker, während Präsident Selenskyj dem Westen Untätigkeit vorwirft.
Russische Shahed-Drohnen haben am Mittwoch, 2. September 2026, mitten im Unterricht die Nationale Universität für Lebensmitteltechnologien im Zentrum von Kyjiw getroffen. Es war der siebte Tag in Folge, an dem die ukrainische Hauptstadt unter nahezu ununterbrochenem russischen Luftangriff stand. Rund 160 Studierende und Lehrkräfte überlebten, weil sie sich rechtzeitig in den Schutzbunker retteten.
Präsident Wolodymyr Selenskyj machte den Angriff öffentlich und lobte, dass sich die Studierenden im Schutzraum befanden. Bildungsminister Andrij Butenko bestätigte, dass es sich um die Nationale Universität für Lebensmitteltechnologien handelte. Neben der Hochschule wurden nach Angaben der Stadtverwaltung ein sechsstöckiges Wohnhaus und eine medizinische Einrichtung im Stadtteil Schewtschenko beschädigt; im Stadtteil Holosijiw brannte es auf dem Gelände einer Bildungseinrichtung.
„Heute haben russische Shahed-Drohnen eine der Universitäten in Kyjiw angegriffen – mitten im Unterricht. Zum Glück befanden sich die Studierenden in einem Schutzraum, 160 Studierende.“
Die ukrainische Luftwaffe verzeichnete in der Nacht und am Tag insgesamt 174 Angriffsdrohnen – etwa die Hälfte davon schnelle, schwer abzufangende Jet-Drohnen – sowie zwei ballistische und zwei luftgestützte Raketen. In Odessa traf ein Angriff ein 24-stöckiges Wohnhaus, zerstörte Wohnungen auf mehreren Etagen und verletzte acht Menschen, darunter ein Kind. Nach Berichten von Reuters über den Angriff auf Odessa fiel der Strom für mehr als 350.000 Haushalte aus.
In Cherson trafen die Russen ein Gebäude, das von Rettungskräften und der Polizei genutzt wird. In Charkiw blieben nach einem Einschlag Tausende Menschen ohne Strom, es gab Verletzte. In Dnipro wurden bei Angriffen auf Lebensmittellager und Bildungsgebäude zwei Menschen getötet und acht verletzt.
Die Eskalation im Überblick
2026-09-01 (Nacht)
Massiver Luftangriff auf mehrere Regionen
Russland feuert 174 Drohnen sowie ballistische und luftgestützte Raketen ab; in Odessa werden ein 24-stöckiges Wohnhaus getroffen und 8 Menschen verletzt, in Dnipro sterben 2 Menschen.
2026-09-02 (Vormittag)
Universität im Zentrum getroffen
Shahed-Drohnen schlagen in die Nationale Universität für Lebensmitteltechnologien ein, während 160 Studierende im Schutzbunker sind; daneben werden Wohnhaus und medizinische Einrichtung beschädigt.
2026-09-02
Selenskyj fordert mehr Hilfe
Der Präsident macht den Angriff öffentlich und verlangt Luftverteidigung, Sanktionen und mehr Rüstungsproduktion; er kündigt ein zweistufiges Luftalarmsystem an.
Selenskyj klagt den Westen an
Selenskyj verurteilte die Angriffe scharf und beklagte die aus seiner Sicht unzureichende Reaktion des Westens. Der ukrainische Präsident schrieb, die Welt und die einflussreichsten Staats- und Regierungschefs reagierten nicht ausreichend auf die jüngste Eskalation.
„Leider reagieren die Welt und die einflussreichsten Staats- und Regierungschefs nicht ausreichend auf diese jüngste Eskalation der russischen Angriffe.“
Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine
Er forderte von den Partnern konkrete Schritte: Luftverteidigung für die Ukraine, Sanktionen gegen Russland und eine deutliche Steigerung der Rüstungsproduktion. Gleichzeitig kündigte er an, das Luftalarmsystem der Ukraine künftig in zwei Stufen – für Raketen und für Drohnen – aufzuteilen, um mehr Vorhersehbarkeit zu schaffen.
Angriffe treffen den Alltag
Der Angriff fiel auf den zweiten Schultag des neuen ukrainischen Schuljahres. Wegen der anhaltenden Angriffe verbrachten manche Schulkinder den Unterrichtsbeginn erneut in U-Bahn-Stationen. In der Nacht zuvor waren bei einem ballistischen Raketenangriff auf Kyjiw und die Umgebung mindestens 12 Menschen getötet und 21 verletzt worden. Russlands Präsident Wladimir Putin hatte am Vorabend eine neue Kampagne massiver Schläge angekündigt.