Kirche drängt Ehrenamtliche erstmals wegen AfD-Kandidatur zum Rücktritt
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Kirchenkonflikt

Kirche drängt Ehrenamtliche erstmals wegen AfD-Kandidatur zum Rücktritt

Weil ihr Lebensgefährte für die AfD kandidiert, soll Marlene P. ihre kirchlichen Ämter aufgeben. Sie bestreitet die Vorwürfe und ist aus der Kirche ausgetreten.

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Marlene P. war rund 30 Jahre das Gesicht der evangelischen Kirchengemeinde Wardenburg – als Prädikantin, Synodale und Vorsitzende des Fördervereins Matthäuskirche Hundsmühlen. Jetzt soll die 69-Jährige ihre Ehrenämter aufgeben, weil ihr Lebensgefährte Christian Winnemöller bei der Kommunalwahl am 13. September für die AfD in den Gemeinderat will.

Was Ende Mai mit der öffentlichen Bekanntgabe der Kandidatur begann, endete nach ihren Angaben mit offener Ablehnung und Ausgrenzung. Die übrigen Vorstandsmitglieder des Fördervereins hätten einstimmig angekündigt, geschlossen zurückzutreten, falls sie im Amt bleibe.

Auch die kirchliche Mitinitiatorin des „Lebendigen Adventskalenders“ habe sie mit den Worten konfrontiert: „Im Garten eines AfD-Kandidaten kann man keinen Advent feiern.“

Vorwurf: aktive Wahlkampfunterstützung

Die Kirchengemeinde bestätigt den Vorgang. Dirk-Michael Grötzsch, Leiter der Stabsstelle Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Oldenburg, erklärte gegenüber dem Evangelischen Pressedienst: Die „anhaltende proaktive und öffentliche Unterstützung des AfD-Wahlkampfs“ sowie die Weigerung, sich von menschenfeindlichen Äußerungen zu distanzieren, stünden in krassem Widerspruch zu den Grundüberzeugungen der Gemeinde.

dass sich die Frau in keinerlei Weise von den menschenverachtenden Aussagen der AfD distanzieren möchte
Dirk-Michael Grötzsch, Leiter der Stabsstelle Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Oldenburg

Die Leitenden der Gemeinde hätten mehrfach das Gespräch mit der Frau gesucht. Dabei sei deutlich geworden, dass sie den Wahlkampf ihres Lebensgefährten weiterhin aktiv und öffentlich sichtbar unterstützen werde, so Grötzsch. Marlene P. bestreitet das.

P. bestreitet Unterstützung und tritt aus

Marlene P. weist die Vorwürfe zurück. Sie sei weder parteipolitisch aktiv noch kandidiere sie für die AfD. Bei einer Aussprache habe ihr eine Gemeindepastorin erklärt: „Ich komme nicht darüber hinweg, dass du mit einem AfD-Kandidaten liiert bist. An meinem Haus und am Pfarrhaus ist kein Platz für Personen mit AfD-Bezug.“

Diese Aussage habe sie tief bestürzt. Am Montag, dem 31. August 2026, erklärte sie ihren Austritt aus der evangelischen Kirche – auch, um einem möglichen Ausschluss zuvorzukommen. Der Glaube sei stets eine wichtige Leitlinie in ihrem Leben gewesen.

Der Fall erinnert an die zuvor berichtet worden war, über die zuvor berichtet worden war. Auch dort ging es um den Umgang mit AfD-Engagement in kirchlichen oder diakonischen Einrichtungen.

Kirche beruft sich auf Grundüberzeugungen

Als Grundsatz der Kirchengemeinde nannte Grötzsch: „Alle Menschen haben die gleiche Würde und jeder Mensch ist von Gott gewollt und geliebt.“ Darum wende sich die Gemeinde gegen Positionen, die dem widersprechen.

Marlene P. lebt seit 29 Jahren in Hundsmühlen, einem Ortsteil von Wardenburg. Ihr Engagement umfasste neben Gottesdiensten und dem Adventskalender auch die Unterstützung von Migranten. Die Kommunalwahl in Niedersachsen findet am 13. September 2026 statt.