Russland schließt alle Goethe-Institute und weist Diplomaten aus
Beim Östlichen Wirtschaftsforum in Wladiwostok kündigte Russlands Außenminister die Schließung der Goethe-Institute an – Vergeltung für Berlin. Zudem prophezeite er das baldige Ende der Nato und verglich Kanzler Merz' Militärpläne mit dem Nationalsozialismus.
Die kulturelle Eskalation zwischen Berlin und Moskau trifft jetzt die deutsche Sprachvermittlung: Russland schließt alle Goethe-Institute im Land. Außenminister Sergej Lawrow kündigte am Donnerstag beim Östlichen Wirtschaftsforum in Wladiwostok an, die Standorte in Moskau, St. Petersburg und Jekaterinburg aufzugeben – als Vergeltung für die deutschen Maßnahmen nach der harten Reaktion auf die Sprengstoff-Drohne am Flughafen Leipzig/Halle.
Berlin hatte Anfang September das Russische Haus in Berlin und das Generalkonsulat in Bonn geschlossen sowie zahlreiche Diplomaten ausgewiesen. Moskau stellt das als beispiellosen Bruch der kulturellen Zusammenarbeit dar – und antwortet nun spiegelbildlich.
Nato-Prophezeiung
Beim selben Auftritt prophezeite Lawrow das baldige Ende des westlichen Bündnisses. Laut der russischen Nachrichtenagentur Tass sagte er:
„Ich glaube nicht, dass das Nordatlantikbündnis noch lange Bestand haben wird. Die Versuche, neue Gründe für die Verlängerung ihres Bestehens zu finden – unter anderem durch die Ausweitung seiner Dominanz auf Südost- und Nordostasien unter dem Motto ‚Eindämmung Chinas‘ – können nicht unbegrenzt fortgesetzt werden.“
Sergej Lawrow, russischer Außenminister
Damit legt Lawrow nach: Moskau versucht seit Jahren, die Nato als Auslaufmodell darzustellen – nun mit Verweis auf die angebliche ‚Eindämmung Chinas‘.
Attacke auf Merz
Besonders scharf griff Lawrow Kanzler Friedrich Merz an. Er behauptete, Merz wolle Deutschland ‚wieder‘ zur führenden Militärmacht Europas machen – obwohl der Kanzler das Wort ‚wieder‘ nie benutzt hatte. Merz hatte lediglich erklärt, Deutschland ‚schnellstmöglich zur stärksten konventionellen Armee Europas‘ machen zu wollen, wie die Welt über Lawrows Attacke gegen Merz berichtet.
„Wenn dieser Mann nicht versteht, was das Wort ‚wieder‘ in diesem Zusammenhang bedeutet, ist das natürlich sehr traurig für Europa und äußerst gefährlich. Europa wird erneut zu einer Quelle von Ideen über nationale und rassische Überlegenheit.“
Sergej Lawrow, russischer Außenminister
Zudem sprach Lawrow von ‚Metastasen des Nationalsozialismus‘, die in Deutschland wieder auftauchten – ein Vergleich, der in Berlin als geschichtsvergessen gilt.
Auch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen bekam eine verbale Breitseite. Lawrow nannte sie ‚Führerin Ursula‘ und warf ihr vor, Europa zurück in den Nationalsozialismus zu ziehen. Er sagte wörtlich: „Sie versucht, Befugnisse und Zuständigkeiten an die Europäische Kommission zu ziehen, die gemäß Beschlüssen der Europäischen Union als Ganzes niemals an Brüssel übertragen wurden und bei den nationalen Regierungen verbleiben.“ Zudem beklagte er Unzufriedenheit wegen der ‚Politik der offenen Türen‘ in der Migration und nannte dabei explizit ukrainische Staatsbürger.
Goethe-Institute als Vergeltung
Zur Schließung der Goethe-Institute sagte Lawrow: „Deutschland unterhält hier Zweigstellen des Goethe-Instituts. Aber natürlich werden diese geschlossen, nachdem unser Kulturzentrum von dort ausgewiesen wurde.“ Und weiter: „Das ist ganz einfach, verstehen Sie, sonst würden wir unsere Selbstachtung verlieren.“ Für ihn bedeute Deutschlands Schritt das Ende der deutschen kulturellen Präsenz in Russland. Wie die Berichterstattung über das Aus der Goethe-Institute dokumentiert, betrifft die Schließung die Standorte Moskau, St. Petersburg und Jekaterinburg.
Das Goethe-Institut selbst listet neben Moskau und St. Petersburg Nowosibirsk – hier gibt es eine leichte Diskrepanz in den Angaben. Das erste Goethe-Institut in Russland war 1992 in Moskau eröffnet worden; in über 33 Jahren wurden mehr als 100.000 Deutschzertifikate ausgestellt. Goethe-Präsidentin Gesche Joost sprach vom ‚Ende einer Ära der deutsch-russischen Kulturbeziehungen‘.
Hintergrund: Drohnen-Zwischenfall
Auslöser der Eskalation war eine mit Sprengstoff beladene Drohne, die am 4. August 2026 nahe einem ukrainischen Frachtflugzeug am Flughafen Leipzig/Halle entdeckt und entschärft wurde. Berlin macht Moskau verantwortlich.
Eskalation zwischen Berlin und Moskau
4. August 2026
Sprengstoff-Drohne in Leipzig entdeckt
Eine mit Sprengstoff beladene Drohne wird nahe einem ukrainischen Frachtflugzeug am Flughafen Leipzig/Halle entschärft.
1. September 2026
Deutschland reagiert
Berlin schließt das russische Generalkonsulat in Bonn und das Russische Haus in Berlin, weist Diplomaten aus und verschärft Einreisekontrollen.
3. September 2026
Russland kündigt Vergeltung an
Lawrow gibt die Schließung der Goethe-Institute in Moskau, St. Petersburg und Jekaterinburg bekannt.
Russlands Präsident Wladimir Putin hatte die Vorwürfe zurückgewiesen und von einem ‚schweren Fehler‘ Berlins gesprochen. Vize-Außenminister Alexander Gruschko kündigte weitere Vergeltung ‚sehr bald‘ an; Dmitri Medwedew forderte sogar Militärschläge auf deutsche Rüstungsbetriebe.