Höcke spricht in Neubrandenburg von Diktatur – 600 bei AfD-Kundgebung
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Wahlkampf MV

Höcke spricht in Neubrandenburg von Diktatur – 600 bei AfD-Kundgebung

Der Thüringer AfD-Chef attackiert in Neubrandenburg Kanzler Merz und die etablierten Parteien. Nach der Kundgebung zeigen zwei Männer den Hitlergruß.

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Björn Höcke hat am Abend des 3. September 2026 auf dem Neubrandenburger Marktplatz vor rund 600 Menschen gesprochen. Der Thüringer AfD-Chef, dessen Antrag zur Öffnung der Partei für Extremisten zuletzt für Debatten sorgte, griff vor allem Bundeskanzler Friedrich Merz und die etablierten Parteien an. Sein Landesverband wird vom Thüringer Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuft.

Die Veranstaltung begann um 18 Uhr. Vor Höcke sprachen die AfD-Politiker Hannes Gnauck, Robert Schnell und Stephan Scheel; moderiert wurde der Abend vom Bundestagsabgeordneten Enrico Komning. Die Polizei sprach von etwa 600 Menschen innerhalb des abgesperrten Bereichs, Komning selbst schätzte die Zahl später auf gut 1000.

In seiner mehr als halbstündigen Rede nannte Höcke die politischen Konkurrenten „Kartellparteien“. Er sprach von „fremdbestimmten Politikern“, die in „transatlantischen Netzwerken“ sozialisiert, „gecastet“ und „den Völkern Europas vor die Nase gesetzt“ würden. Dann setzte er zu seiner zentralen These an, wie die WELT über die Rede berichtet:

Wir sind auf dem Weg in eine Diktatur neuen Typs.
Björn Höcke, Thüringer AfD-Chef

Über Kanzler Merz sagte Höcke: „Dieser Mann ist in meinen Augen fremdgesteuert.“ Mit Blick auf die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am kommenden Sonntag ergänzte er: „Wenn wir es am Sonntag in Sachsen-Anhalt schaffen, dann ist das ein gewaltiger Rückenwind für Mecklenburg-Vorpommern.“ Höcke beendete seine Rede um 19.38 Uhr mit dem Wort „Dankeschön“.

Gegenproteste mit „Nazis raus“-Rufen

Der Auftritt wurde von Gegenprotesten begleitet. Laut Polizei versammelten sich bei einer Versammlung rund 130 Menschen, weitere rund 130 schlossen sich einem Protestzug an. Polizeisprecherin Claudia Berndt sagte, gegen 19 Uhr seien noch gut 180 Teilnehmer bei der Gegendemonstration gewesen.

Als Protest veranstalteten die SPD-Landtagswahlkandidaten Erik von Malottki und Vanessa Freund um 18.15 Uhr eine öffentliche Lesung zum Thema „Wer ist Landolf Ladig?“. Während der Reden kam es zu Buh-Rufen, Pfiffen sowie „Nazis raus“- und „Höcke raus“-Sprechchören. Zu größeren Störungen kam es nach Angaben der Polizei nicht; sie war mit einem größeren Aufgebot vor Ort.

Zwei Hitlergrüße nach der Kundgebung

Nach dem Ende der Hauptveranstaltung bemerkte die Polizei zwei Männer, die den Hitlergruß zeigten. Gegen beide wurden Anzeigen wegen des Verwendens verfassungswidriger Symbole aufgenommen, wie der Nordkurier über den Abend berichtet.

Chronologie des Abends in Neubrandenburg

  1. 3. September 2026, 18:00 Uhr
    Beginn der AfD-Veranstaltung

    Höcke spricht auf dem Marktplatz, vor ihm reden Gnauck, Schnell und Scheel.

  2. 3. September 2026, 18:15 Uhr
    SPD-Gegenlesung

    Erik von Malottki und Vanessa Freund lesen zum Thema „Wer ist Landolf Ladig?“.

  3. 3. September 2026, 19:38 Uhr
    Höcke beendet seine Rede

    Mit dem Wort „Dankeschön“ endet die Rede.

  4. 3. September 2026, nach der Kundgebung
    Zwei Männer zeigen Hitlergruß

    Die Polizei nimmt Anzeigen wegen verfassungswidriger Symbole auf.

Höcke machte nach der Kundgebung noch längere Zeit Fotos mit Fans und gab Autogramme. Am Freitagabend wurde er zu einer weiteren Wahlkampfveranstaltung in Stralsund erwartet. Für den 18. September ist ein Auftritt der AfD-Bundesvorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla in Neubrandenburg angekündigt.

Der Auftritt war Teil des AfD-Wahlkampfs vor der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern am 20. September. In Umfragen führt die AfD vor der SPD von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig; eine absolute Mehrheit zeichnet sich jedoch nicht ab.