43 Medienschaffende bei AfD-Veranstaltungen attackiert – dju spricht von Eskalation
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Sachsen-Anhalt

43 Medienschaffende bei AfD-Veranstaltungen attackiert – dju spricht von Eskalation

Seit Mai 2026 dokumentiert die Gewerkschaft dju mehr als 30 Übergriffe auf Journalisten im Umfeld von AfD-Wahlkampfveranstaltungen. Die Polizei greife nicht ein – im Fall der britischen Korrespondentin Anne McElvoy kam es sogar zu einer Täter-Opfer-Umkehr.

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Mehr als 30 Übergriffe auf Journalistinnen und Journalisten hat die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) seit Mai 2026 im Umfeld von AfD-Wahlkampfveranstaltungen in Sachsen-Anhalt dokumentiert. 43 Medienschaffende waren betroffen – von verbaler Diffamierung bis zu körperlichen Angriffen, wie die Auswertung der dju bei epd medien zeigt.

25 dieser Vorfälle ereigneten sich allein in den vergangenen drei Wochen, in der heißen Phase des Wahlkampfs vor der Landtagswahl am 6. September. In fünf Fällen wurden Medienschaffende körperlich angegriffen; die Bandbreite reicht von Arbeitsbehinderung über Nachstellungen bis hin zu Doxing.

Ein wesentlicher Teil der Übergriffe geht nach Einschätzung der Gewerkschaft von rechten bis rechtsextremen Streamern und Medienaktivisten aus. Betroffen waren Teams von RTS, SRF, CBC News, ProSieben, rbb, WDR und MDR sowie Spiegel TV und das Magazin Politico.

Wir erleben vielfach eine passive und oft überforderte Polizei in Sachsen-Anhalt. Nur vereinzelt registrieren wir ein vorbildliches Verhalten der Beamten.
Lucas Munzke, stellvertretender Ver.di-Landesbezirksfachbereichsleiter

Der Gewerkschafter spricht von einer „Täter-Opfer-Umkehr“ im Fall der britischen Politico-Korrespondentin Anne McElvoy. Bei einer AfD-Veranstaltung in Lützen packte ein Sicherheitsmitarbeiter die Journalistin am Arm und stieß sie gegen eine Bordsteinkante.

Polizei erzwang Löschung von Bildmaterial

Hinzugerufene Beamte ließen den Angreifer unbehelligt, kontrollierten stattdessen McElvoy und setzten auf Zuruf der Sicherheitsmitarbeiter „die rechtswidrige Löschung von Bildmaterial“ durch. Die dju dokumentiert den Vorfall in ihrer Auswertung.

Der verfassungsrechtlichen Schutzpflicht für Medienschaffende kommt sie überwiegend nicht nach. Dass im Fall McElvoy jedoch sogar eine Täter-Opfer-Umkehr folgte, ist an Absurdität nicht zu übertreffen.
Lucas Munzke, stellvertretender Ver.di-Landesbezirksfachbereichsleiter

Die Gewerkschaft fordert, Fehlverhalten dienstrechtlich aufzuarbeiten und Übergriffe, Nötigungen und Nachstellungen durch Streamer und Parteisicherheitsdienste konsequent strafrechtlich zu ahnden. Die Polizei müsse ihrer „verfassungsrechtlichen Schutzpflicht für Medienschaffende bei Großlagen und Parteiveranstaltungen“ bedingungslos nachkommen, statt als „Hilfsorgan parteinaher Sicherheitsdienste“ zu agieren.

AfD als medienfeindliche Partei

Ver.di kritisiert die AfD als medienfeindliche Partei, die unabhängige Berichterstattung auf Parteitagen, bei Demonstrationen und im Wahlkampf unterbinde. Der stellvertretende AfD-Landesvorsitzende Hans-Thomas Tillschneider habe versucht, bei kritischen Nachfragen die Veröffentlichung von Bild- und Tonmaterial juristisch zu verbieten.

Die AfD ist in Sachsen-Anhalt vom Landesverfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft. Im Fall einer Regierungsübernahme will die Partei den öffentlich-rechtlichen Rundfunk durch einen reduzierten 'Grundfunk' ersetzen, wie die Warnung evangelischer Geistlicher vor einer AfD-Regierung zeigt.

Zum Vergleich: In der Statistik von Reporter ohne Grenzen kamen im gesamten Jahr 2025 in Sachsen-Anhalt nur fünf Fälle von Übergriffen gegen Medienschaffende zusammen. Die dju registriert einen massiven Anstieg.

DJV fordert Schutz am Wahltag

Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) verlangte eine „tragfähige Einsatzstrategie zum Schutz der Pressefreiheit“. DJV-Bundesvorsitzender Mika Beuster forderte die Polizei auf, den bundeseinheitlichen Presseausweis zu akzeptieren, um eindeutig zwischen unabhängiger Berichterstattung und politischem Aktivismus einzelner Streamer unterscheiden zu können.

Der DJV erwartet eine tragfähige Einsatzstrategie zum Schutz der Pressefreiheit.
Mika Beuster, DJV-Bundesvorsitzender

Die Landtagswahl am 6. September steht unter dem Eindruck zunehmender Bedrohungen für Medienschaffende. Der DJV appelliert an die Polizei, die Pressefreiheit am Wahltag aktiv zu schützen.

Die Eskalation im Überblick

Übergriffe auf Journalisten im AfD-Wahlkampf

  1. Seit Mai 2026
    Mehr als 30 Vorfälle dokumentiert

    Die dju registriert Übergriffe und Behinderungen von Medienschaffenden bei AfD-Veranstaltungen.

  2. Mitte August bis Anfang September 2026
    25 Vorfälle in drei Wochen

    Die heiße Phase des Wahlkampfs bringt eine massive Zunahme.

  3. 3. September 2026
    dju veröffentlicht Auswertung

    Die Gewerkschaft kritisiert passive Polizei und rechte Streamer.

  4. 6. September 2026
    Landtagswahl in Sachsen-Anhalt

    Der DJV fordert eine Einsatzstrategie zum Schutz der Pressefreiheit.