Gedenkbaum für CSD-Opfer im Berliner Tiergarten erneut zerstört
In der Nacht zum Sonntag rissen Unbekannte den Gedenkbaum für die Opfer des CSD-Anschlags im Berliner Tiergarten aus dem Erdreich. Der Staatsschutz ermittelt wegen gemeinschaftlicher Sachbeschädigung.
Der Gedenkbaum für die Opfer des Anschlags auf den Berliner Christopher Street Day ist erneut zerstört worden. Unbekannte rissen den jungen französischen Ahorn in der Nacht zum Sonntag aus dem Erdreich, wie aus der Polizeimeldung des RBB zur Zerstörung des Gedenkbaums hervorgeht.
Eine Polizeistreife entdeckte den beschädigten Baum gegen 1:20 Uhr bei einer Streifenfahrt, teilte der Lagedienst mit. Der Baum wurde den Angaben zufolge aus dem Erdreich gedrückt, die Wurzeln liegen frei. Auch das Schutzgitter wurde herausgerissen, weitere im Umfeld liegende Gegenstände wurden beschädigt oder zerstört.
Es ist bereits der zweite Vorfall an derselben Stelle innerhalb weniger Tage. Erst Anfang der Woche war die Regenbogenbank an dem Gedenkort schwer beschädigt worden. Mehrere Holzlatten wurden mit erheblicher körperlicher Gewalt aus dem Metallrahmen gelöst, die Rückenlehne abgebrochen. Das Bezirksamt Mitte ließ die Bank abbauen und stellte Strafanzeige.
Erneuter Angriff auf das Gedenken
Der Baum war erst Anfang August als Ersatz gepflanzt worden, weil der ursprüngliche Baum bei dem mutmaßlich islamistisch motivierten Anschlag auf den Berliner CSD im Juli so stark beschädigt worden war, dass er gefällt werden musste.
Bei dem Anschlag am 25. Juli war ein 21-Jähriger mit einem Lieferwagen in eine Menschenmenge gefahren und anschließend mit einer Machete auf Menschen losgegangen. Eine Frau aus Polen wurde getötet, 31 weitere Menschen teilweise schwer verletzt. Einen Tag später erschossen Polizisten den mutmaßlichen Attentäter.
Der neue Baum sollte gemeinsam mit einer Regenbogenbank einen Ort des Gedenkens schaffen und ein Zeichen für Vielfalt, Respekt und selbstbestimmtes Leben setzen. Doch nach der Zerstörung der Bank und nun des Baums ist der Gedenkort zum wiederholten Mal Ziel von Vandalismus geworden.
Chronologie der Zerstörungen
Die Angriffe auf den Gedenkort haben eine klare Chronologie – vom Anschlag bis zum erneuten Vandalismus.
Vom Anschlag bis zum Vandalismus
25. Juli 2026
Anschlag auf den CSD
Ein 21-Jähriger fährt mit einem Lieferwagen in die Menschenmenge und attackiert Menschen mit einer Machete. Eine Frau stirbt, 31 werden verletzt.
26. Juli 2026
Täter erschossen
Polizisten erschießen den mutmaßlichen Attentäter.
Anfang August 2026
Gedenkbaum gepflanzt
Das Bezirksamt Mitte pflanzt einen französischen Ahorn und stellt eine Regenbogenbank auf.
Anfang September 2026
Regenbogenbank zerstört
Die Bank wird schwer beschädigt, das Bezirksamt stellt Strafanzeige.
Nacht zum 06.09.2026
Gedenkbaum herausgerissen
Unbekannte reißen den Baum aus dem Erdreich, auch das Schutzgitter wird zerstört.
Grünen-Politiker kündigt Wiederbepflanzung an
Der Berliner Grünen-Fraktionsvorsitzende Werner Graf reagierte erschüttert. An die queere Community der Stadt gerichtet sagte er: „Ich sage allen queeren Menschen in dieser Stadt: Ihr seid nicht allein.“
„Wir pflanzen diesen Baum wieder. So oft, wie es nötig ist.“
Werner Graf, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus
Graf erklärte, er sei „voller Wut und Fassungslosigkeit, aber auch trotzig“. Der polizeiliche Staatsschutz des Landeskriminalamts Berlin hat die Ermittlungen übernommen. Ermittelt wird wegen gemeinschaftlicher Sachbeschädigung, wie aus dem Tagesspiegel-Bericht zu den Ermittlungen hervorgeht. Die Täter sind bislang unbekannt.
Nach Grafs Ankündigung soll der Baum zurückkehren. Ob das Bezirksamt Mitte den Gedenkort zusätzlich sichert, blieb zunächst offen.