Landtagswahl in Sachsen-Anhalt: AfD führt, bleibt aber ohne Partner
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Urnengang

Landtagswahl in Sachsen-Anhalt: AfD führt, bleibt aber ohne Partner

Am Sonntag wählt Sachsen-Anhalt einen neuen Landtag. Die AfD liegt in Umfragen klar vorn, hat aber keine absolute Mehrheit und keinen Koalitionspartner – die CDU steht vor einer schwierigen Regierungsbildung.

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Rund 1,7 Millionen Wahlberechtigte in Sachsen-Anhalt sind am Sonntag aufgerufen, einen neuen Landtag zu wählen. Die AfD geht als klare Favoritin in den Urnengang – doch für eine Regierungsbildung fehlt ihr bislang jede Mehrheit.

AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund, 35 Jahre alt und Co-Vorsitzender der AfD-Landtagsfraktion, sieht das anders. Er will die erste AfD-Alleinregierung in einem Bundesland durchsetzen.

Noch einmal schlafen, dann holen wir uns unser Land zurück.
Ulrich Siegmund, AfD-Spitzenkandidat in Sachsen-Anhalt

Doch die Zahlen sprechen eine andere Sprache: In der letzten Umfrage von Infratest dimap kommt die AfD auf 42 Prozent – zu wenig für eine absolute Mehrheit. Und keine der anderen Parteien will mit ihr koalieren.

Umfragen: AfD klar vorn, aber ohne Mehrheit

Im letzten Sachsen-Anhalt-Trend von Infratest dimap (26. August) erreicht die AfD 42 Prozent. Die CDU von Ministerpräsident Sven Schulze, 47 Jahre alt, kommt auf 22 Prozent, die Linke auf 11, die SPD auf 8, die Grünen auf 6 Prozent. BSW (4) und FDP (3) würden an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern.

Letzte Umfrage vor der Wahl (Infratest dimap, 26. August)

Quelle: Infratest dimap

Damit dürfte die amtierende Koalition aus CDU, SPD und FDP ihre Mehrheit verlieren. Eine absolute Mehrheit für die AfD liegt außer Reichweite, und mit der AfD will niemand regieren. Der Blick richtet sich auf eine CDU-geführte Minderheitsregierung.

Regierungsbildung: CDU lehnt AfD und Linke ab

Die CDU schließt eine Zusammenarbeit mit der AfD ebenso aus wie mit der Linken. Ein Parteitagsbeschluss untersagt beide Optionen. Damit fehlt der Union ein möglicher Mehrheitsbeschaffer – außer sie wagt eine von der Linken tolerierte Minderheitsregierung, wie sie in Sachsen-Anhalt bereits als Szenario gilt.

Umfrage
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AfD-Spitzenkandidat Siegmund betonte, als Regierungschef nur bei einer absoluten Mehrheit zur Verfügung zu stehen. BSW-Gründerin Sahra Wagenknecht hatte ins Spiel gebracht, ihre Partei könne einem AfD-Ministerpräsidenten durch Enthaltung zur Macht verhelfen – Siegmund wies das zurück.

Wahltag: Hohe Briefwahlbeteiligung, Mahnungen aus Kirche und Wirtschaft

Bereits vor dem Wahltag war das Interesse an der Briefwahl groß: Bis zum 25. August wurden rund 335.000 Briefwahlunterlagen ausgegeben, etwa 20 Prozent der Wahlberechtigten, wie der Live-Ticker zur Wahl in Sachsen-Anhalt berichtet. Am Wahltag gaben die Spitzenkandidaten ihre Stimme ab – Siegmund in Tangermünde, begleitet von seiner Frau, Schulze in Magdeburg, SPD-Kandidat Willingmann im Harz.

Gegenwärtig heißt das wohl in besonderer Weise, dem nationalistischen und fremdenfeindlichen Ungeist zu widerstehen.
Gerhard Feige, Bischof von Magdeburg

Der Magdeburger Bischof Gerhard Feige rief am Wahltag nochmals zum Einsatz gegen Extremismus auf. Auch die Wirtschaft warnt vor einer AfD-Regierung: IW-Direktor Michael Hüther sagte, das Land würde wirtschaftlich an die Wand fahren; Siemens-Energy-Chef Christian Bruch äußerte ähnliche Sorgen.

Ausblick: Auszählung und Regierungsbildung

Um 18 Uhr schließen die Wahllokale, anschließend beginnt die öffentliche Auszählung. Mit ersten Prognosen wird unmittelbar danach gerechnet, ein vorläufiges Endergebnis erwarten die Behörden erst am frühen Montagmorgen.

Der neue Landtag muss laut Landesverfassung spätestens am 6. Oktober 2026 zu seiner ersten Sitzung zusammentreten. Der Ministerpräsident wird ohne Aussprache in geheimer Wahl gewählt.

Wie eine Regierungsbildung ohne AfD-Mehrheit gelingen soll, ist offen. Eine CDU-geführte Minderheitsregierung wäre auf Tolerierung durch die Linke angewiesen – ein riskantes Unterfangen für Ministerpräsident Sven Schulze.