Köln-Demo: Elf Polizisten bei Rheinmetall-Protest verletzt
Mehr als 3.000 Menschen protestierten gegen die Rüstungsindustrie – die Polizei meldet Angriffe mit Stahlkugeln und setzte Hunderte fest. Das Bündnis wirft den Beamten unverhältnismäßige Gewalt vor.
Elf verletzte Polizisten, Hunderte im Kessel und zwei Wasserwerfer in Stellung: Die Abschlussdemonstration des Bündnisses „Rheinmetall entwaffnen“ ist am Samstag in Köln eskaliert. Mehr als 3.000 Menschen zogen durch die Innenstadt – angemeldet waren nur rund 400, wie der WDR-Bericht zur Eskalation festhält.
Die Kundgebung begann um 13 Uhr am Hauptbahnhof; ab 14.30 Uhr setzte sich der Zug mit deutlich mehr Teilnehmenden als erwartet in Bewegung. Schon auf dem Weg zur Demo hatte die Polizei eine kleinere Gruppe eingekesselt und die Identitäten geprüft.
Kurz nach Beginn warfen Vermummte nach Polizeiangaben Farbbeutel und zündeten Pyrotechnik. Daraufhin setzte die Polizei eine Gruppe von rund 300 Menschen vorübergehend fest und nahm mehrere hundert weitere zur Identitätsfeststellung in einen Kessel.
Angriffe mit Stahlkugeln auf Einsatzkräfte
Aus der festgesetzten Gruppe sollen mehrere Vermummte mit Stahlkugeln auf Polizeibeamte geschossen haben. Einsatzhelme wurden beschädigt, Metallkugeln in Uniformteilen gefunden und sichergestellt. Zur Unterbindung weiterer Angriffe setzte die Polizei nach eigener Darstellung einfache körperliche Gewalt ein.
Elf Polizistinnen und Polizisten wurden verletzt, ein Beamter war anschließend nicht mehr dienstfähig. Die Polizei leitete mehrere Strafverfahren wegen gefährlicher Körperverletzung und schweren Landfriedensbruchs ein.
Ein Teilnehmer soll versucht haben, nach der Dienstwaffe eines Beamten zu greifen, ein anderer nach dessen Einsatzmehrzweckstock. Zwei Wasserwerfer wurden angefordert und vor Ort in Stellung gebracht; ob sie eingesetzt wurden, blieb zunächst widersprüchlich – der WDR meldete sie später als im Einsatz, laut taz standen sie bereit.
Kritik der Demonstrierenden
Das Bündnis wirft der Polizei unverhältnismäßig harte Gewalt vor – mit Schlagstöcken sei auf Demonstrierende eingeschlagen worden. Der Pressesprecher der Demonstranten, Charlie Fitscher, sagte: „Alleine auf dem Camp wurden 80 Personen heute behandelt.“
Die Kölner Bundestagsabgeordnete der Linken, Lea Reisner, begleitete die Demonstration als parlamentarische Beobachterin und kritisierte das Vorgehen der Polizei scharf.
„Es ist total richtig, dass sich insbesondere junge Menschen dagegen auflehnen, dass Deutschland wieder kriegstüchtig gemacht werden soll und weiter aufgerüstet wird.“
Lea Reisner, Bundestagsabgeordnete der Linken
Nach Beobachtungen von nd zum Polizeikessel wurden Eingekesselte teils so eng zusammengedrängt, dass mehrere Personen zeitweise das Bewusstsein verloren und medizinisch versorgt werden mussten. Zwischenzeitlich sei auch ein als Pressevertreter gekennzeichneter Journalist von der Polizei festgehalten worden.
Mehrere hundert Demonstrierende blieben als Zeichen der Solidarität bei den festgesetzten Personen. Die Linke-Spitzenkandidatin Alexandra Mehdi befand sich nach eigenen Angaben bis nach 19 Uhr in einem Polizeikessel.
Camp, Blockade und Vorgeschichte
Die Polizei hatte sich nach eigenen Angaben seit Wochen auf Camp und Aktionswoche vorbereitet. Rund 1.000 auswärtige Einsatzkräfte unterstützten die Kölner Polizei, der Führungsstab war rund um die Uhr besetzt. Der Leitende Polizeidirektor Frank Wißbaum erklärte: „Wir sind rund um die Uhr im Einsatz und damit auch in der Lage, auf nicht angezeigte Aktionen zu reagieren.“
Bereits am Donnerstag hatten rund 100 bis 140 Aktivistinnen und Aktivisten die Zufahrt zur Lüttich-Kaserne in Köln-Longerich blockiert; die nicht angemeldete Versammlung wurde aufgelöst. Schon beim ersten Protestcamp im August 2025 war es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen gekommen – 13 Polizisten und mindestens neun Demonstranten wurden damals verletzt, NRW-Innenminister Herbert Reul räumte Fehler der Polizei ein. Im Juli hatten Aktivisten zudem eine Blockade vor dem Rheinmetall-Büro organisiert.
Chronologie der Protestwoche
1. September 2026
Protestcamp startet
Das Camp „Rheinmetall entwaffnen“ beginnt im Inneren Grüngürtel.
3. September 2026
Blockade der Lüttich-Kaserne
Rund 100 bis 140 Aktivistinnen und Aktivisten blockieren die Zufahrt; die Polizei löst die Versammlung auf.
5. September 2026
Eskalation bei Abschlussdemo
Mehr als 3.000 Demonstranten ziehen durch Köln; Polizei meldet Angriffe mit Stahlkugeln, elf Verletzte.
Der vordere Teil des Zuges konnte am späten Nachmittag weiterziehen; die Demonstration endete am Abend planmäßig, während ein Teil der Eingekesselten erst nach 19 Uhr freikam.